Meldung aus dem Alle Klassen-Klassenraum :

Die Kieler und Warnemünder Woche musste sie wegen eines gebrochenen Fingers ausfallen lassen, jetzt ist sie wieder am Start und gewinnt die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft im Laser Radial: Hanna Anderssohn.

127. Travemünder Woche

Laser-Mädchen weisen die Jungs in die Schranken

Während sich am fünften Regatta-Tag der Travemünder Woche die Polit-Prominenz beim Kampf um eine Sechs-Liter-Flasche Rotspon in der Trave duellierte, ging es auf den Bahnen in der Lübecker Bucht um Titel und wichtige Punkte bei den Meisterschaften.

Im Fokus standen dabei am Mittwoch die Laser-Jugendlichen, die ihr Finale der Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften erlebten. Die jungen Frauen verwiesen dabei die männliche Konkurrenz auf die Plätze. Hannah Anderssohn aus Kiel holte sich den Titel bei den Laser Radial, Julia Büsselberg (Berlin) triumphierte bei den Laser 4.7. Die Segler der RS- und Splash-Klassen holten in ihrem Meisterschaftsprogramm kräftig auf und segelten zwischen drei und vier Wettfahrten.

Laser Radial IDJM Auf dem Weg zur Jugend-Europameisterschaft der Laser Radial in der kommenden Woche vor Tallin/Estland ist Hannah Anderssohn bestens in Fahrt. Die Warnemünderin, die vor einem Jahr nach Schilksee ins Internat gezogen ist, empfiehlt sich mit dem Gewinn der Deutschen Jugendmeisterschaft für die kontinentalen Titelkämpfe auf dem Olympia-Revier von 1980. Dabei hatte die 16-Jährige in den vergangenen Wochen eine langwierige Handverletzung zu überstehen, konnte zur Kieler Woche und zur Warnemünder Woche nicht starten. In Travemünde war der Gips wieder ab und Hannah Anderssohn nach einem mäßigen ersten Tag von allen Lasten befreit. Mit vier Siegen in Folge stand sie bereits vor dem letzten Rennen als Meisterin fest und konnte sich zum Abschluss einen elften Platz erlauben. Damit hatte sie immer noch 24 Punkte Vorsprung vor Leonhard Harnisch (Detmold), der sich knapp gegen Paul Bothe (Loose) durchsetzen konnte. „Es lief alles perfekt. Aber der Wind heute war sehr drehend und schwierig. Für mich war die Travemünder Woche das richtige Warm-Up für die EM in Tallin. Auch da will ich gern ganz vorn landen“, so die junge Erfolgsathletin, die im vergangenen Winter mit dem zweiten Platz bei den Youth Worlds für die einzige deutsche Medaille bei diesen Segel-Wettbewerben der Jugend nach olympischen Vorbild gesorgt hatte. Die gesonderte U17-Wertung bei der IDJM gewann die Kielerin Laura Schewe. Hannah Anderssohn ist in dieser Wertung nicht mehr dabei, da sie noch in diesem Jahr 17 wird.

Laser 4.7 IDJM Auch bei den 4.7-Athleten gab es einen Sieg der Favoritin. Julia Büsselberg aus Berlin hat sich im vergangenen Jahr an die deutsche Spitze dieser Klasse vorgearbeitet, segelte 2015 zur IDJM auf Platz drei und toppte dieses Ergebnis nun mit dem Titelgewinn vor Julian Hoffmann (Blaichach) und Jaard Paulsen (Kiel). Die Serie der 16-Jährigen, die schon zur Kieler Woche ihre hohen Ambitionen auf den Titelgewinn kundgetan hatte, war beeindruckend. Mit vier Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Rang war sie bei den schwierigen Winden in den vergangenen Tagen stets im Bilde. Dennoch hatte sie mit Julian Hoffmann, der wie Deutschlands große Olympia-Hoffnung Philipp Buhl vom SCAI aus dem Allgäu stammt, einen harten Konkurrenten, der sich lediglich mit einem Abstand von fünf Punkten geschlagen geben musste. In der U16-Wertung konnte sich Hoffmann mit dem Titelgewinn trösten. „Das war ein anstrengender Wettbewerb. Nach zwei Tagen lagen Julian und ich genau gleich auf, deshalb war heute noch alles offen. Aber es lief sehr gut, ich habe die Böen und Dreher immer richtig erwischt“, berichtete Julia Büsselberg. Bei dem ablandigen Wind habe sie sich als Binnensee-Segler fast wie zu Hause gefühlt. Die deutsche Spitze reist nun direkt weiter zur Jugend-Weltmeisterschaft, die bereits ab dem Wochenende vor Kiel ausgetragen wird. „Als Ziel habe ich mir eine Top-5- bzw. Top-3-Platzierung gesetzt. Und ich habe auch Ambitionen auf den Titel. Zur Kieler Woche waren schon viele WM-Teilnehmer dabei, um sich auf das Revier einzustellen. Und da lief es sehr gut.“

Laser Standard Die Laser Standard hatten am Mittwoch zwar schon ihren zweiten Tag bei der Travemünder Woche, segelten aber jetzt erst die ersten Wettfahrten ein. Das dann aber gleich im großen Umfang. Nach vier Rennen ihrer Ranglisten-Regatta liegt der unter Hongkong-Flagge fahrende Gerald Williams an der Spitze vor Philipp Roitsch und Eric Malach (beide Hamburg).

RS 500 WM In der RS-500-Klasse halten sich die Schweden Martin und Axel Johansson weiter an der Spitze, ihr Vorsprung vor den Niederländern Pim und Lisa van Vugt ist allerdings nur minimal. Dennoch zollte Christian Brandt (Hamburg), der auf Rang 18 mit Thomas Stepan bester Deutscher ist, den Schweden hohen Respekt: „Die Schweden sind echt schnell und machen kaum Fehler.“ Er selbst hat mit einer Frühstart-Disqualifikation dagegen einen dicken Fehler in der Liste: „Das war eigene Dummheit. Aber so etwas habe ich noch nie gehabt, jetzt ist das erledigt.“ Daneben gelangen dem deutschen Duo aber auch einige Top-Resultate: „Einmal waren wir Erster an der Luvtonne, das war sehr erfrischend. Dass wir das nicht halten können, war uns klar. Platz vier war aber echt klasse. Man ist in diesem Feld eben nur vorn, wenn man am Start gut dabei ist.“

RS 200 Gold Cup Bei den etwas kleineren RS 200 wird mit dem Gold Cup die inoffizielle Weltmeisterschaft ausgetragen, die tatsächlich eine rein britische Angelegenheit ist. An der Spitze der 13 Teams stehen nach fünf Wettfahrten mit vier Siegen Josh Metcalfe/Mille Alcock.

RS 100 EM Ein kleines, aber feines Feld segelt auch bei den RS 100 – internationaler geprägt als die RS 200, aber an der Spitze ebenso britisch dominiert. Mark Harrison führt nach sechs Wettfahrten das Spitzentrio von der Insel an.

RS 400 EM Auch die Gennaker-Boote der RS 400 leiden unter dem Mangel an internationaler Konkurrenz. Mit lediglich einem niederländischen Team im Feld wirkt die Europameisterschaft wie in nationaler Titelkampf der Briten. Steve Restall/Chris Stubbs stehen aktuell an der Spitze.

RS Aero EM Den Ruf, eine internationale Meisterschaft auszutragen, haben sich die RS Aero dagegen redlich verdient. Teilnehmer aus neun Nationen sind am Start, und auch bei den Verkaufszahlen hat sich die junge Klasse weit über die Grenzen ihres britischen Ursprungs hinaus verbreitet. In nur zwei Jahren wurden 1200 Boote in 45 Länder verkauft. Die stärksten Nationen in der Masse sind die USA, Australien und Deutschland. An der EM-Spitze sind aber vor allem die baltischen und russischen Segler zu finden. „Das sind starke Laser-Segler, die auch mal mit Olympia liebäugeln“, sagt Christian Brandt, der in Deutschland die RS-Klassen als Händler vertreibt. Der Russe Dmitry Tretyakov bleibt an der Spitze der Aero 7, obwohl er nachträglich die Rennverklarung in der ersten Wettfahrt zurückgezogen hat. Erste Verfolger sind Kristo Ounap (Estland) und Simonas Jersovas (Litauen). Bester Deutscher unter 36 Startern ist Marcus Walther (Langen) auf Rang elf. Bei den Aero 5 liegt Archie Hainsworth vorn, bei den Aero 9 Richard Watsham (beide Großbritannien).

IDJM Laser 4.7 (Endergebnis nach sieben Wettfahrten) 1. Julia Büsselberg (Berlin) 8 Punkte, 2. Julian Hoffmann (Blaiach) 13, 3. Jaard Paulsen (Dänischenhagen) 40, 4. Elias Böttger (Berlin) 49, 5. Ellen Wittenberg (Berlin) 58, 6. Leonard Stock (Arendsee) 64.

IDJM Laser 4.7 U 16 (Endergebnis nach sieben Wettfahrten) 1. Julian Hoffmann (Blaiach) 13, 2. Jaard Paulsen (Dänischenhagen) 40, 3. Ellen Wittenberg (Berlin) 58, 4. Leonard Stock (Arendsee) 64, 5. Justin Barth (Berlin) 83, 6. Fabian Kohoff (Berlin) 85.

IDJM Laser Radial (Endergebnis nach sieben Wettfahrten) 1. Hannah Anderssohn (Rostock) 19, 2. Leonhard Hanisch (Detmold) 43, 3. Paul Bothe (Loose) 45, 4. Nico Steenbuck (Lengede) 49, 5. Laura Bo Voss (Escheburg) 57, 6. Laura Schewe (Altenholz) 70.

IDJM Laser Radial U 17 (Endergebnis nach sieben Wettfahrten) 1. Laura Schewe (Altenholz) 70, 2. Tim Conradi (Düsseldorf) 73, 3. Benno Marstaller (Großbritannien) 91, 4. Gregory Lucas Keizers (Willich) 104, 5. Anselm Klein (Potsdam) 108, 6. Luca Mayer (Konstanz) 112.

EM RS 100 (nach sechs Wettfahrten) 1. Mark Harrison (GBR) 7, 2. Giles Peckham (GBR) 10, 3. Greg Booth (GBR) 12, 4. Paul Tadich (AUS) 18, 5. Gerard Vos (NED) 25, 6. Lars Wegner (Weinheim) 30.

EM RS Aero 5 (nach sechs Wettfahrten) 1. Archie Hainsworth (GBR) 8, 2. Lucy Greenwood (GBR) 10, 3. Andrias Sillaste (EST) 12, 4. Silvia Johanna Haavel (EST) 14.

EM RS Aero 7 (nach sechs Wettfahrten) 1. Dmitry Tretyakov (RUS) 10, 2. Kristo Ounap (EST) 12, 3. Simonas Jersovas (LTU) 14, 4. Peter Barton (GBR) 17, 5. Ants Haavel (EST) 32, 6. Oleg Egipte(EST) 33.

EM RS Aero 9 (nach sechs Wettfahrten) 1. Richard Watsham (GBR) 9, 2. Ben Rolfe (GBR) 11, 3. Matt Thursfield (GBR) 12, 4. Tomas Sandström (SWE) 16, 5. Christer Båth (SWE) 19, 6. Jim Hood (GBR) 35.

Gold Cup RS 200 (nach fünf Wettfahrten) 1. Josh Metcalfe / Mille Alcock (GBR) 4, 2. Jack Holden / Amy Yeoman (GBR) 14, 3. Oliver Groves / Esther Parkhurst (GBR) 15, 4. James Penty / George Stainforth (GBR) 16, 5. Julian Bradley / Helen Cafferata (GBR) 18, 6. Andrew Peters / Jill Peters (GBR) 20

EM RS 400 (nach sechs Wettfahrten) 1. Steve Restall / Chris Stubbs (GBR) 10, 2. David Brown / Rebecca Witt (GBR) 13, 3. Stewart Robertson / Sarah Robertson (GBR) 16, 4. Ben Robertson / Jenny Douglas (GBR) 21, 5. Jon Heissig / Nicky Griffin (GBR) 27, 6. Howard Farbrother / Dan Brexit Martin (GBR) 30.

WM RS 500 (nach fünf Wettfahrten) 1. Martin Johansson / Axel Johansson (SWE) 4, 2. Pim Van Vugt / Lisa Van Vugt 2.0 (NED) 6, 3. Federico Maccari / Stefano Costini (ITA) 9, 4. Peter Curtis / James Curtis (GBR) 14, 5. Francesco Bozano Gandolfi (ITA) 16, 6. Richard Russell / Hannah Snellgrove (GBR) 17.

WM Splash Blue (nach sechs Wettfahrten) 1. Michal Koštýø (CZE) 8, 2. Lucas Graaf (NED) 12, 3. Maartje Drontmann (NED) 16, 4. Sam Peeks (NED) 20, 5. Linn Van Aanholt (NED) 21, 6. Sophie Houweling (NED), 21

Euro Cup Splash Red (nach sieben Wettfahrten) 1. Matthias Meier (SUI) 7, 2. Julia Aartsen (NED) 14, 3. Kaj Moorman (NED) 20, 4. Jan Pokorny (CZE) 24, 5. Norbert Van Der Drift (NED) 32, 6. Raoul Dok (NED) 34.

Das Segel-Programm für Donnerstag, den 28. Juli. Entscheidungen Ranglisten-Regatta 11 Uhr: Laser Standard (Bahn Charlie)

laufende Wettbewerbe Meisterschaften 10 Uhr: WM/Gold Cup: RS 500 und RS 200 (Bahn Foxtrott) 10 Uhr: EM: RS Aero, RS 100 (Bahn Golf) 11 Uhr: German Open: J/22 (Charlie) 11 Uhr: German Open: Musto Skiff (Bahn Delta) 11.30 Uhr: EM: RS 400 (SAP Media Race Course) 14 Uhr: RS Aero (SAP Media Race Course)

Ranglisten-Regatta 11 Uhr: Formula 18 (Bahn Delta)

Hermann Hell

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Veröffentlicht am : 27.07.2016