Olympia-Qualifikation

Der Weg nach Rio – ein Überblick

Nach den Weltmeisterschaften von Clearwater/USA in den Klassen 49erFX, Nacra17 sind weitere Qualifikationspunkte im innerdeutschen Wettstreit für die Olympischen Spiele vergeben und der Weg nach Rio wird klarer sichtbar.

Ihre Null-Punkte-WM bringt Olympia in Gefahr: Paul Kohlhoff/Carolina Werner müssen um Rio zittern. Foto Jesus Renedo

Ihre Null-Punkte-WM bringt Olympia in Gefahr: Paul Kohlhoff/Carolina Werner müssen um Rio zittern. Foto Jesus Renedo

Während die Situation innerhalb des deutschen Teams bei den Skiff-Frauen fast schon geklärt ist, haben sich bei den Mixed-Kats unerwartete Hürden für eine deutsche Teilnahme aufgebaut.
Stolperstein bei den Nacra17 könnte das DOSB-Kriterium der Endlaufchance werden. Denn die Olympia-Qualifikation ist dreistufig aufgebaut. Und alle drei Stufen müssen erklommen werden.

Erste Voraussetzung für einen Olympiastart ist das Einfahren eines Nationentickets für die Spiele in den einzelnen Klassen. Die vom Internationalen Olympischen Komitee vorgegebene begrenzte Teilnehmerzahl der Segler bei Olympia (380) mündet in die vom ISAF festgelegte Anzahl an Booten in den verschiedenen Klassen. 274 werden insgesamt am Start sein. Nach den zehn Klassen teilt sich das so auf: 36 x Surfer (männlich), 26 x Surfer (weiblich), 46 x Laser Standard (männlich), 37 x Laser Radial (weiblich), 23 x Finn (männlich), 26 x 470er (männlich), 20 x 470er (weiblich), 20 x 49er (männlich), 20 x 49erFX (weiblich), 20 x Nacra17 (Mixed).

Zweites Kriterium für einen deutschen Athleten in allen Sportarten ist der Nachweis einer Endlaufchance. Beim Segeln ist die derart gestaltet, dass die Athleten sich nach drei Qualifikationsregatten innerhalb der Top-Ten-Nationen befinden müssen. Diese drei Regatten wurden vom DSV festgelegt und variieren von Klasse zu Klasse. Bei jeder Regatta gibt es für eine Platzierung unter den Top-20 Punkte – beginnend mit einem Punkt für Platz 20 und dann ansteigend. Ein Platz unter den Top-Drei gibt Bonus-Punkte. Neun Punkte bei einem Event müssen mindestens eingefahren werden. Diese DSV-interne Wertung wird für alle internationalen Teilnehmer geführt.

Und drittens muss sich ein Athlet/Team im internen DSV-Wettstreit durchsetzen, d. h. innerhalb der DSV-internen Wertung innerhalb der drei Regatten die Punkte-Majorität gegenüber den nationalen Konkurrenten haben.

Wie sieht die Situation derzeit in den einzelnen Klassen aus?

Surfen (männlich): Toni Wilhelm ist der einzige deutsche Bewerber um ein Olympia-Ticket. Den Nationen-Platz hat er bereits eingefahren. Jetzt fehlt noch der Nachweis der Endlaufchance. Die entscheidet sich bei der Weltmeisterschaft in Israel vom 20. bis 27. Februar. Die Chancen sind hoch, denn nach den ersten zwei Quali-Regatten liegt Wilhelm in der Nationen-Wertung auf Platz fünf.

Surfen (weiblich): Stefanie Schwarz ist die einzige deutsche Surferin, die im internationalen Circuit teilnimmt. Der Abstand zur Weltspitze ist aber weit. Eine Teilnahme ist nicht möglich.

Laser Standard (männlich): Durch seine beiden Vize-Titel bei EM und WM im vergangenen Jahr hat Philipp Buhl bereits vor der abschließenden Quali-Regatta, dem World-Cup vor Hyeres, alle Kriterien erfüllt und kann für Olympia planen.

Laser Radial (weiblich): Der deutsche Nachwuchs ist zwar reich vertreten, doch in der Qualifikation fehlt es noch an allem: Nationenticket, Punkte in der DOSB- und DSV-Wertung. Olympia wird also wohl ohne deutsche Beteiligung stattfinden, auch wenn ein Nationen-Ticket noch bei der Princesa Sofia Regatta vor Palma vergeben wird und mit der EM vor Las Palma und der WM in Mexiko zwei deutsche Ausscheidungen noch ausstehen.

Finn (männlich): Wie bei den Laser-Frauen und Surferinnen wird auch bei den Finn-Männern der Olympia-Zug ohne einen deutschen Passagier abfahren.

470er (männlich): Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski sind die einzig verbliebenen deutschen Anwärter auf Olympia und sie sind so gut wie durch. Das Nationenticket ist gelöst und durch den Gewinn des EM-Titels im vergangenen Jahr liegen sie in der Nationenwertung des DOSB auf Platz vier. Lediglich unter Einberechnung aller Eventualitäten könnte bei der EM vor Palma im April noch ein Restrisiko bestehen. Faktisch kann Gerz mit neuem Vorschoter aber seine zweite olympische Teilnahme planen.

470er (weiblich): Annika Bochmann/Marlene Steinherr sind nur noch Nadine Böhm/Ann-Christin Goliaß als nationale Konkurrentinnen verblieben. Aber der Vorsprung in der internen Ausscheidung ist mit 28 gegenüber 12 Punkten komfortabel, und auch in der Nationen-Wertung ist Platz sechs vor der EM im April eine sehr gute Ausgangsposition.

49er (männlich): Das Duell der Europameister von 2014 und der Europameister von 2015, Erik Heil/Thomas Plößel gegen Justus Schmidt/Max Boehme, steht auf des Messers Schneide. Das Nationenticket ist gelöst, Heil/Plößel haben nach WM-Platz fünf im Herbst nun 29 Punkte in der DSV-Wertung auf dem Konto, Schmidt/Boehme kommen durch den EM-Titel auf 25 Punkte. Die Entscheidung zwischen den Freunden und Trainingspartner fällt bei der Princesa Sofia vor Mallorca Anfang April. Und auch der Top-Ten-Nachweis scheint zu gelingen. Derzeit sind Heil/Plößel in der Nationenwertung Fünfte.

49erFX (weiblich): Mit dem Gewinn von WM-Bronze haben Victoria Jurczok/Anika Lorenz den Weg nach Rio fast schon geteert. Die letzten Schlaglöcher sollten zu umfahren sein. Das Nationen-Ticket haben sie gelöst, in der internen Ausscheidung liegen sie 20 Punkte vor Tina Lutz/Susann Beucke. Damit müssen die nationalen Konkurrentinnen bei der letzten Ausscheidung, der Princesa Sofia, mindestens auf Platz eins oder zwei landen, während Jurczok/Lorenz völlig patzen müssten. Mit Platz drei unter den Top-Ten-Nationen sind auch hier fast alle Zweifel beseitigt.

Nacra17 (Mixed): Die verpatzte WM mit der verschuldeten Kollision und zerstörtem Rumpf war für die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison, Paul Kohlhoff/Carolina Werner, ein schwerer Schlag. Ohne Punkte in der Qualifikation reisten sie aus Clearwater ab. Damit ist ein deutscher Start in der neuen Kat-Klasse wieder in Gefahr. Denn aus den Top-Ten der Nationen sind die WM-Fünften des Vorjahres nun herausgerutscht. In der internen Wertung führen sie zwar weiter deutlich mit 13 Punkten Vorsprung vor Jan Hauke Erichsen/Lea Spitzmann, und auch einen grundsätzlichen Startplatz haben sie für Deutschland ergattert. Ob das aber für das Erfüllen der DOSB-Kriterien reicht, entscheidet sich beim World Cup vor Hyeres im Mai.

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Veröffentlicht am : 15.02.2016