Meldung aus dem 49er-Klassenraum :

Erik Heil und Thomas Plößel erfüllten sich in Brasilien ihren Olympiatraum. Foto sailing energy

Olympia in Rio

Heil/Plößel erfüllen sich den Traum: Bronze bei Olympia

Die Kieler 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel haben den Medaillentraum der deutschen Segler in die Tat umgesetzt. Im finalen Rennen büßten sie durch den achten Platz zwar noch einen Rang im Gesamtranking ein, doch es reichte, um den dritten Platz zu sichern und damit die erste deutsche Segelmedaille seit den Spielen 2008 zu ergattern.

Auch damals waren es die Skiffsegler, die in Gestalt der Peckolt-Brüfer auf den Bronzerang gesegelt waren.

Die Goldmedaille von Rio war bereits vor dem Rennen an die Neuseeländer Peter Burling/Blair Tuke vergeben, die sich aus dem Olympiageschehen standesgemäß mit einem weiteren Sieg verabschiedeten. Silber ging an die Australier Nathan Outteridge/Iain Jensen, die 2012 noch vor Burling/Tuke triumphiert hatten.

Es war ein Nerven aufreibendes Rennen, das die Deutschen zum Abschluss boten. Den Start verpatzten sie komplett, wurden von den Briten, den Konkurrenten um Bronze, am Startschiff abgestreift und fuhren so dem gesamten Feld auf der ersten Kreuz hinterher.

Vorn ließen Burling/Tuke nichts anbrennen und rundeten bereits an der Topposition die erste Tonne. Doch Silber schien weiterhin möglich für Heil/Plößel, denn die Konkurrenten um Rang zwei, Outteridge/Jensen, waren ebenfalls am Ende des Feldes zu finden. Aber während sich die Australier im Rennverlauf weiter nach vorn arbeiten konnten und schließlich als Vierte durch das Ziel gingen, kamen Heil/Plößel nicht vom Ende weg. Doch der Bronzerang geriet nicht mehr in Gefahr, als die Briten, die noch eine theoretische Chance auf das Podium hatten, nach dem zweiten von drei Up-and-Downs am Leegate kenterten. Heil/Plößel gingen vorbei, segelten bis zum Ziel sogar noch an den Iren vorbei und kamen damit als Achte dieses Rennens auf den dritten Gesamtrang.

Von Enttäuschung über die verpasste Silber-Chance war bei den Berlinern, die für den NRV Hamburg starten und in Kiel leben, keine Spur. Sie feierten ihren Medaillengewinn überschwänglich mit gleich mehreren Rückwärtssalti von ihrem 49er ins Wasser. „Bei den ersten Olympischen Spielen Bronze zu gewinnen, ist der Hammer. Wir hatten eine anstrengende, aber sehr erfolgreiche Woche. Hätte man uns vor den Spielen die Medaille angeboten, hätten wir sofort unterschrieben“, sagte ein überglücklicher Thomas Plößel. „Wir hatten mit Justus Schmidt und Max Boehme die beste Trainingsgruppe der Welt. Wir wussten, egal wer von uns im 49er in Rio antritt, wird eine Medaille gewinnen und jetzt stehen wir hier – unfassbar“, beschrieb Steuermann Heil die Vorbereitung und dankte den Freunden und Sparringspartnern aus Kiel.

Der 27-jährige Steuermann Erik Heil und sein ein Jahr älterer Vorschoter Thomas Plößel sitzen seit 16 Jahren zusammen in einem Boot, davon acht Jahre in der olympischen 49er-Klasse. Von Beginn der Regatta setzen sie sich in der Spitzengruppe fest, übernehmen an Tag zwei die Verfolgerposition der siegreichen Neuseeländer Peter Burling und Blair Tuke und belohnten sich nach 13 Rennen mit der Bronzemedaille.

„Die beiden haben wirklich Nerven bewiesen und mit der richtigen Strategie gewonnen. Wir alle haben mit ihnen mitgefiebert und gratulieren von ganzem Herzen“, freute sich Andreas Lochbrunner, Präsident des Deutschen Segler-Verbandes.

Bei den 49er-Frauen sicherten sich im Anschluss an das Medal Race der Männer die Brasilianerinnen Martine Grael/Kathena Kunze vor Alex Malone/Molly Meech und Jena Hansen/Katja Steen Salskov-Iversen (Dänemark) den Olympiasieg – den einzigen für die Gastgeber bei diesen Spielen. Die Deutschen, Victoria Jurczok/Anika Lorenz, konnten sich noch um einen Punkt auf Rang neun des Gesamtklassements verbessern.

Die 470er segelten ebenfalls die Medaillen aus. Hier siegten bei den Männern Sime Fantela/Igor Marenic (Kroatien) vor Mathhew Belcher/Will Ryan (Australien) und Panagiotis Mantis/Pavlos Kagialis (Griechenland). Die Frauen-Konkurrenz gewannen Hannah Mills/Saskia Clark (Großbritannien) vor Jo Aleh/Polly Powrie (Neuseeland) und Camille Lecointre/Helene Defrance (Frankreich). In beiden 470er-Klassen waren keine Deutschen im Medal Race vertreten.

Ralf Abratis

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Veröffentlicht am : 18.08.2016