Meldung aus dem 49er-Klassenraum :

Medaillenjubel bei deutschen Skiff-Frauen

WM 49er und Nacra17

Medaillenjubel bei deutschen Skiff-Frauen

Deutscher Medaillenjubel und schwerer Rückschlag in der Olympia-Ausscheidung bei den Weltmeisterschaften der Skiffs und Katamarane in Clearwater/USA. Während die 49erFX-Seglerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) erstmals in der Geschichte der jungen Klasse mit Bronze einen deutschen Medaillengewinn bei einer WM bejubeln durften, mussten die Nacra17-Crews eine schwere Schlappe verkraften.

Es war ein Auf und Ab in der vergangenen Woche bei den Weltmeisterschaften der Klassen 49er, 49erFX und Nacra17. Wind und Welle pendelten zwischen turbulent und nervend flau. Als zusätzlicher Risikofaktor kam das flache Wasser vor der Küste von Miamis Westküste hinzu. Insbesondere die Frauen auf den 49erFX mussten zahlreiche Mastbrüche verkraften, da das Rigg nach Kenterungen im hohen Wellengang auf den Grund aufschlug. Mit Schwimmflügeln als Kenterbojen am Masttopp versuchten die Crews diese Gefahr einzudämmen. Es hagelte Kritik ob der Auswahl dieses WM-Austragungsortes. Denn für viele Nationen ging es bei den Weltmeisterschaften auch um Punkte für die internen Olympia-Ausscheidungen.

Die Ergebnisse spiegelten die Turbulenzen auf dem Wasser wider – vor allem bei den deutschen Frauen: Leonie Meyer/Elena Stoffers begannen stark im Sturm, rutschten dann aber im flauen Wind ab und wurden schließlich 21. Jurczok/Lorenz zeigten dagegen am dritten Tag eine starke Siegesserie und führten kurzzeitig das Feld an, gingen schließlich als Fünfte ins Medal Race. Tina Lutz/Susann Beucke hielten sich beständig in Lauerstellung und wahrten zumindest eine kleine Chance auf das Olympia-Ticket, als sie sich als Zehnte noch für das Medal Race qualifizierten.

Das finale Rennen war dann an Chaos kaum zu überbieten. Der Wind wechselte von links nach rechts, bot Löcher und Böenfelder und wirbelte das Feld beständig durcheinander. Lutz/Beucke zwischenzeitlich in Führung erwischte es schließlich auf dem letzten Downwind-Gang unter Gennaker hart, als der Wind komplett einbrach und mit einer 135-Grad-Drehung zurückkehrte. Die Wettfahrtleitung konnte sich nicht zu einem Abbruch durchringen, die Deutschen wurden noch abgefangen und konnten sich nur knapp vor den nationalen Konkurrentinnen als Dritte ins Ziel retten. Für Lutz/Beucke reichte das noch zur Verbesserung auf Platz neun, Jurczok/Lorenz konnten sich mit den vierten Platz im Finale sogar auf Platz drei vorschieben. „Wir haben alles erreicht, was wir wollten. Wir können es gar nicht fassen“, jubelte das Duo. Der WM-Titel ging nach Spanien an Tamara Echegoyen/Berta Betanzos, Silber holten die dänischen Schwestern Maiken Foght Schütt und Anne-Julie Schütt. In der deutschen Olympia-Ausscheidung haben Jurczok/Lorenz nun komfortable 20 Punkte Vorsprung vor Lutz/Beucke (39 vs. 19). Entschieden wird die Ausscheidung bei der Princess Sofia Regatta Anfang April vor Mallorca, wo Lutz/Beucke nur noch ein Platz unter den ersten Drei helfen kann, während Jurczok/Lorenz patzen müssten.

Einen Schritt zurück auf dem Weg nach Rio ging es für die deutschen Senkrechtstarter der vergangenen Saison, die Nacra17-Segler Paul Kohlhoff/Carolina Werner (Kiel). Die WM-Fünften von 2015 hielten sich zunächst in den Top-Ten, verursachten dann aber eine Kollision mit schwerem Schaden am eigenen Boot und mussten in drei Rennen wegen Aufgabe und anschließenden Nicht-Antreten die volle Punktzahl verkraften. Das warf sie hoffnungslos bis auf Platz 27 zurück. Die nationalen Konkurrenten Jan Hauke Erichsen/Lea Spitzmann (Flensburg) konnten mit Platz 20 zwar nur einen Punkt in der deutschen Ausscheidung aufholen, doch kritisch wird es nun bei der Erfüllung des DOSB-Kriteriums. Demnach müssen die Crews für eine Olympia-Qualifikation eine Endlaufchance nachweisen. Und die heißt nach den drei Ausscheidungen, die dritte folgt beim Worldcup in Hyeres, unter den zehn besten Nationen zu liegen. Kohlhoff/Werner sind nach diesem Punkte-Ausfall in Clearwater nur noch Elfte. WM-Gold in Miami holten die Franzosen Milly Besson/Marie Riou vor Thomas Zajak/Tanja Frank (Österreich) und Allan Norregaard/Anette Andreasen (Dänemark).

Die dritte WM in Clearwater war für die deutsche Olympia-Ausscheidung nicht von Bedeutung. Bei den 49er-Männern ging es „lediglich“ um WM-Ehren. Erik Heil/Thomas Plößel (Berlin) wurden Achte, Justus Schmidt/Max Boehme (Kiel) kamen auf Platz 14. Der Titel ging in überlegener Manier an die Neuseeländer Peter Burling/Blair Tuke vor den Österreichern Nico Delle Karth/Niko Resch sowie Dylan Fletcher/Alan Sign (Großbritannien).

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Veröffentlicht am : 14.02.2016