Meldung aus dem Alle Klassen-Klassenraum :

Der RS Aero hat in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Foto Paul Wyeth

Travemünder Woche

Grünstrand gehört der RS-Familie

Wie schon 2015, als die RS Feva vor Travemünde mit einem Aufgebot von 162 Teams ihre Weltmeisterschaft aussegelten, wird auch in diesem Jahr der Grünstrand der Mittelpunkt der Segler aus den aus England stammenden RS-Klassen sein. 140 Boote mit rund 200 Seglern sind in den fünf verschiedenen Bootstypen der RS-Familie gemeldet.

Sie segeln um Welt- oder Europameisterschaften, kommen aus ganz Europa, aber auch aus den USA oder den Vereinten Arabischen Emiraten. Das größte Feld stellt dabei die jüngste Klasse. Gerade erst im vergangenen Herbst hat World Sailing, der Weltseglerverband, dem RS Aero den Status als internationale Klasse zuerkannt. Jetzt segeln vor Travemünde über 50 Segler aus zehn Nationen um den EM-Titel.

Christian Brandt, der deutsche Importeur für die RS-Klassen, ist mit dem Meldepotenzial insgesamt zufrieden: „Bei den RS 100 und 200 hätte es sicherlich etwas mehr sein können. Und auch die 400er haben noch Potenzial. Aber die Zahlen für die Weltmeisterschaft der RS 500 und die EM der RS Aero sind gut.“ Bei den schwächelnden RS-Klassen macht Brandt mit einem Augenzwinkern den Brexit als einen Faktor aus: „Der 200er und der 400er werden fast ausschließlich in England gesegelt. Und es ist derzeit schwer, die Teilnehmer von der Insel zu locken. Der 100er ist ohnehin ein sehr spezielles Boot.“ Mit seinem Gennaker liegt das Einmann-Boot RS100 zwischen traditionellen Klassen wie dem Laser und modernen Klassen wie dem Musto Skiff, bei denen neben Gennaker sogar mit Trapez agiert wird. Doch viele entscheiden sich eben nicht für den Kompromiss, sondern für die Extreme. Die EM im RS100 wird also in einem überschaubaren Feld ausgesegelt, immerhin sind Teilnehmer aus vier Nationen vertreten. Der Gold Cup der 200er, die inoffizielle WM, ist dagegen ein rein britisches Geschehen. Und im Feld der 25 Teams um die EM-Krone der 400er hält einzig eine niederländische Mannschaft die Fahne des Kontinents gegenüber der britischen Übermacht hoch.

Ganz anders kommt der RS Aero daher. Die leichte Jolle trifft den Mainstream, hat sich in wenigen Jahren seit der Entwicklung weltweit über 1000 Mal verkauft und etabliert sich nun auch als Regatta-Klasse. Mit einem Gewicht, das geringer ist als beim Optimisten, und einem überschaubaren Handling ist der Aero das Boot für die Segler, die aus den traditionellen Jollen kommen, inzwischen aber die Vorteile modernen Bootsbaus nutzen wollen. So sind viele Wiedereinsteiger in den Segelsport im Aero unterwegs, aber auch aus jüngeren Jahrgängen wachsen Segler in die Klasse hinein. „Das ist ein sehr gesundes Wachstum. Die Klasse hat sich gleich weit über die Grenzen Englands hinaus verbreitet. Es ist selten, dass es so etwas gibt. Über 50 Meldungen für die allererste EM ist ein riesiger Erfolg. Denn viele Einsteiger in die Klasse schauen erst einmal und melden nicht gleich für Regatten“, so Brandt. Er selbst hat auch für die Europameisterschaft gemeldet, weiß aber aufgrund einer Verletzung noch nicht, ob er hier tatsächlich starten kann. „Im Einmann-Boot könnte das etwas zu schwierig werden. Vielleicht segele ich auch RS 500.“

Die Zweimann-Trapezklasse hat zwar schon ein paar Jahre mehr auf dem Rumpf als der Aero, beginnt sich aber jetzt richtig als Regattaklasse zu entwickeln. So gibt es Umsteiger aus anderen Klassen, die sich nun im RS 500 probieren. Gleich mehrere deutsche Segler, die im vergangenen Jahr noch vor Travemünde im Laser 2 um WM-Ehren segelten, sind nun auf den RS500 gewechselt – können also vor Travemünde erneut in ein Weltmeisterschaftsgeschehen eingreifen. Mit über 40 Crews aus acht Nationen wird die WM ihrem eigenen Anspruch gerecht. Und das quantitativ größte Potenzial steckt für diese Klasse in den Niederlanden. Heiße Anwärter auf einen Platz auf dem Treppchen sind aber die Schweden und die kleine Schar der Briten, die in dieser RS-Klasse mit gerade einmal sechs Teams gegenüber 20 niederländischen Crews deutlich in der Minderheit sind.

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Veröffentlicht am : 04.07.2016