Additive für den Motor

Warum sind Additive für das gesamte Kraftstoffsystem so wichtig? Wir erklären, wie Additive wirken und den Motorlauf verbessern. Denn auch das Motoröl kann mit Additiven versorgt werden

Additive (lat. additivum = hinzugeben, beiliegend) sind Zusatzstoffe, die zum eigentlichen Betriebsstoff, also dem Kraftstoff oder dem Motor- oder Getriebeöl, hinzugefügt werden. Sie helfen, die Qualität des Betriebsstoffes sicherzustellen, sie zu verbessern und bestimmte Eigenschaften zu garantieren. Sie werden entweder bereits herstellerseitig beigemischt oder können ab Dezember von Fachpersonal beigegeben werden.

Bei Treibstoffen machen Additive am Gesamtvolumen nur einen vergleichsweise geringen Anteil aus. Sie sollen beispielswiese helfen, die Klopffestigkeit oder die Verbrennung zu verbessern, sollen zur Reinigung der Kraftstoffanlage, der Ventile und des Brennraumes beitragen, die Lagerfähigkeit des Brennstoffes verbessern oder werden als Biozid hinzugefügt, um die Kontaminierung mit Bakterien („Dieselpest“) zu verhindern.

Bei Ölen hingegen kann der Anteil der Additive sogar bis zu 25 bis 30 Prozent betragen. So sind beispielsweise Additive zur Erhöhung der Druck- und Scherfestigkeit des Öls unerlässlich. Aber auch der Korrosionsschutz, der Schutz vor Alterung oder der zur Verhinderung der Bildung von Schaum spielen eine wichtige Rolle. Ohne entsprechende Additive kann selbst ein hochwertiges Grundöl seinen anspruchsvollen Aufgaben beim Betrieb eines modernen Motors nicht gerecht werden.

Marketing oder Must-have?

Die Wirkung von Additiven wird von selbsternannten „Sparfüchsen“ oft angezweifelt, und nicht selten wird als eigentlicher Zweck hier lediglich die Gewinnmaximierung der Hersteller unterstellt. „Alles schon herstellerseitig drin – weitere Zugabe sinnlos …“, lautet eine der oft vertretenen Meinungen zum Thema. 

David Kaiser, Chef-Chemiker des Additiv- und Schmierstoffherstellers Liqui Moly aus Ulm, kennt diese Gerüchte: „Da Additive natürlich den Preis des Betriebsstoffes erhöhen, werden sie oft von den Mineralölgesellschaften selber nur in dem Maße beigegeben, wie es für die Einhaltung der Normen notwendig ist“, erklärt Kaiser. „Dabei richten sich die Hersteller nach einem Standard-Anwendungsprofil, das vorsieht, dass ein Kraftstoff binnen 90 Tagen – abhängig von den Lagerbedingungen – verbraucht wird. Bei Booten, die aber lange im Winterlager liegen oder nur selten genutzt werden, verlassen wir dieses Profil aber häufig, sodass eine Verbesserung der Eigenschaften mit einem Additiv, dass die Lagerfähigkeit des Kraftstoffes über einen längeren Zeitraum gewährleistet, durchaus sinnvoll ist“, so Kaiser. 

Doch nicht nur als Langzeit-Bestandteil des Betriebsstoffes kommen Additive zum Einsatz. Auch zur kurzzeitigen Pflege können sie als „chemisches Werkzeug“ und Problemlöser eingesetzt werden. 

So kann beispielsweise direkt vor dem Ölwechsel ein Additiv dafür sorgen, dass der Motor vom Ölschlamm befreit und gespült wird. Dieses Additiv verbleibt nur sehr kurz im Motor und wird mit dem alten Öl wieder entfernt. Andere Additive reinigen das Kraftstoffsystem von Ablagerungen und Rückständen, die bei der Verbrennung entstehen. Diese Rückstände lagern sich an den Einspritzdüsen ab, sodass eine saubere und effiziente Einspritzung des Kraftstoffes verhindert wird.

Die Legende, dass solche Additive eher schädlich sind, da die Ablagerungen, Verschmutzungen im Motor über die Zeit dazu beitragen, den Motor und dessen verschlissene Bauteile „abzudichten“, verweist David Kaiser ins Märchenland: „Als Erstes sollte man sich einmal vor Augen halten, dass kein Ingenieur einen Motor daraufhin konstruiert, das er verschmutzt ist“, sagt Kaiser und fügt hinzu: „… und wer sich einmal die harten verkrusteten Verbrennungsrückstände an Ventilen oder Kolbenringen angesehen hat, der begreift schnell, dass hier gar nichts dichtet, sondern eher das Gegenteil der Fall ist.“

Der Chemiker stellt aber auch klar: „Der Einsatz von Additiven hilft zwar, Kraftstoff zu sparen und den Verschleiß zu minimieren – dies aber immer im Vergleich von einem älteren Motor zu einem neuen Motor. Hier können Additive durch einen Reinigungseffekt schon relativ kurzfristig nach wenigen Betriebsstunden einen spürbaren, positiven Effekt erreichen, wie ruhigeren Motorlauf, mehr Drehmoment oder besseres Startverhalten. Die Verbesserung der Eigenschaften eines neuen Motors kann aber über die bloße Zugabe von Additiven nicht erreicht werden.“

Getestet und geprüft

Zahlreiche unabhängige Tests haben die positiven Auswirkungen bestätigt: So lautete im Jahr 2007 das Resümee der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) nach einem einjährigen Test mit Additiven: drei Prozent reduzierter Verbrauch, geringerer Schadstoffausstoß, weniger Reparaturen bei gleichzeitig im Ganzen eingesparten Kosten. Hier „spulten“ sieben Omnibusse rund 440.000 Testkilometer ab. Wäre der komplette Fuhrpark mit dem Additiv befüllt worden, hätte sich danach auch der CO₂-Ausstoß um 335 Tonnen im Jahr senken lassen. 

Qualitätsunterschiede

Wie beim Kraftstoff gibt es auch bei den Additiven qualitative Unterschiede. „Auch Additive müssen Standards einhalten. Bei den großen Markenherstellern ist das meist auch kein Problem“, sagt David Kaiser. „Allerdings tummeln sich auch vereinzelt Produkte und sogenannte ‚Wundermittel‘ aus Fernost auf dem Markt, von deren Einsatz man besser absehen sollte“, sagt der Chemiker und warnt: „Hier drohen Gesundheitsgefahren für den Anwender, die Wirkstoffe sind in Bezug auf die Umweltverträglichkeit problematisch, oder aber das Additiv ist sehr aggressiv und entfernt vielleicht die Verschmutzungen im Motor, die Dichtungen aber unter Umständen auch gleich mit, sodass Motorschäden drohen.“

An Bord

Natürlich können Additive keine Wunder bewirken oder größere Verschleißschäden „reparieren“. Wer erst mal die gefürchtete Dieselpest im großen Umfang im Tank hat, der wird dem Problem nur mit einer gründlichen, mechanischen Reinigung des Tanks und des Kraftstoffsystems Herr. Ein Dieselschutz-Additiv ist aber sinnvoll, um der Kontaminierung vorzubeugen.

Gerade für Boote und Yachten, deren Kraftstoff lange lagert, die sich vielleicht auch in korrosiver salzhaltiger Umgebung aufhalten und die im Ausland ggf. auch mal minderwertigen Kraftstoff tanken, können Additive bei der Reinigung und Pflege des Motor- und Kraftstoffsystems helfen, die Lebensdauer des Motors zu erhöhen und den Spritverbrauch etwas senken. Somit schont der Einsatz von Additiven langfristig nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Ein kleiner Bord-Vorrat an ausgewählten Additiven, die regelmäßig und zielgerichtet beigemischt werden, ist also durchaus sinnvoll.

Was Sie noch über Motoröle wissen sollten, lesen Sie in Ausgabe #7 des segeln Magazins.

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