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Borddurchlass tauschen

So gelingt der Austausch der alten Borddurchlässe in wenigen Minuten – das richtige Werkzeug vorausgesetzt

Wenn das Boot an Land auf dem trockenen steht, sollten unbedingt die Borddurchlässe und Seeventile kontrolliert werden. Falls Auffälligkeiten zu erkennen sind, sollte am besten gleich das ganze System aus Ventil und Durchlass getauscht werden. Der Wechsel ist einfacher als gedacht – wenn das richtige Werkzeug vorhanden ist. Wer sein Unterwasserschiff richtig optimieren möchte kann bei der Gelegenheit auch den Borddurchlass einspachteln, um den Wasserwiderstand zu verringern. Allerdings solte daran gedacht werden, dass ein zukünftiger Wechsel dann schwieriger wird.

Eine regelmäßige (Sicht-)kontrolle ist wichtig: Finden sich Verkalkungen, Grünspan oder gar Ausblühungen am Ventil? Lassen sich pinkrote Punkte an der Innenseite des Borddurchlasses ausmachen, sind das Anzeichen von Auszinkung. Dann ist ein Austausch ein Muss.

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  • Prüfen Sie auch die Anschlussstellen, also Schlauchschellen auf Korrosion, Schläuche auf Knicke oder gar Risse.
  • Zur Sicherheit sollten zwei Schellen aus rostfreiem Stahl am Schlauch angebracht sein.
  • Halten Sie die Ventile durch Fetten gängig; regelmäßiges Öffnen und Schließen hilft gegen Festkorrodieren.
  • Festigkeitskontrolle: Rütteln am Kugelhahn oder Schlauch erzeugt tiefere Einblicke: alles fest?
  • Wichtig ist das Anbringen und jährliche Tauschen von Opfer­anoden (Zink) wie am Saildrive oder Ruder (speziell bei hohem Salzgehalt): So werden die wertigeren Durchlässe und Ventile vor galvanischer Korrosion geschützt.

Tückisch ist die von außen kaum sichtbare Materialzersetzung durch galvanische Korrosion, von der gerade die heute oft minderwertigen Messingventile betroffen sind. Denn die Legierung aus Zink und Kupfer entzinkt im Salzwasser allmählich, bis zuletzt ein poröser Kupferschwamm übrig bleibt, der keine Festigkeit mehr hat. Finale Folge: ein spontaner Stressbruch mit starkem Wassereinbruch als Konsequenz. So gehört ein passender Holzpflock zur Sicherheit an jedes Ventil gebändselt, wenngleich sich das Leben der Durchlässe durch entsprechende Pflege durchaus verlängern lässt.

Wann sollte der Borddurchlass getauscht werden?

Wann der richtige Zeitpunkt zum Ventilwechsel gekommen ist, lässt sich schwer sagen. Im salzhaltigen und mildem Mittelmeer, das Korrosion so noch begünstigt, tauschen Vercharterer minderwertige Seeventile manchmal nach weniger als fünf Jahren gegen korrosionsresistente, um Dichtungsproblemen vorzubeugen. Eine Richtlinie gibt es nicht.
Neben äußeren Einflüssen wie dem Salzgehalt spielt auch die Materialwahl der Armaturen eine Rolle. Und die Qualität der verwendeten Legierungen hat abgenommen. Die Sportbootrichtlinie besagt nur, dass es „für unterhalb der Wasserlinie montierte Öffnungen Verschlussmöglichkeiten geben muss“ – nicht aber, aus welchem Material diese sein sollen.

Austausch des Borddurchlasses

Bevor die neuen Borddurchlässe eingesetzt werden können, müssen die alten oft unter Anwendung von roher Gewalt entfernt werden. Nach all den Jahren sitzen die Muttern an den Durchlässen meist so fest, dass sie nicht ohne Weiteres gelöst werden können. Zudem ist der Platz unter Deck beschränkt und verhindert das Ansetzen größerer Hebelarme um die Muttern zu lösen.

Einfacher geht es von Außen mit dem entsprechenden Werkzeug: der Flex. Mit einer montierten Schruppscheibe lässt sich der äußere Messingring des Borddurchlasses innerhalb weniger Minuten abtragen. Das Loch lässt sich hierbei als Führung verwenden und verhindert das Abrutschen der Flex. Allerdings muss aufgepasst werden, dass nicht die Gelcoatschicht abgetragen und das darunter liegende Laminat beschädigt wird.

Ist der äußere Ring abgetragen, genügt meist ein leichter Stoß und der Durchlass kann mitsamt dem Ventil von innen entfernt werden.

Nachdem die Borddurchlässe richtig eingesetzt worden sind und die Dichtmasse durchgetrocknet ist, können die neuen Ventile montiert werden. Bevor der Kugelhahn auf das Gewinde des Borddurchlasses geschraubt wird, muss das Gewinde jedoch richtig eingedichtet werden. Dies kann klassisch mit Hanf und Fermit geschehen, bedeutet jedoch eine sorgfältigere (und zeitintensivere) Vorbereitung und ist in den verwinkelten Einbauorten der Seeventile nicht immer ohne weiteres möglich. Einfacher ist das Eindichten mit einer flüssigen Gewindedichtung (Loctite). Weniger zu empfehlen ist die Verwendung von Dichtmassen.

Benötigtes Werkzeug

  • Flex
  • Dichtmasse
  • Hammer
  • Schraubendreher
  • Passender Rundstahl
  • Gewinde-Dichtungs-Paste (Fermit) sowie Hanf oder Loctite

Schritt für Schritt

  1. Der abschließende Flansch des Borddurchlasses muss zunächst behutsam mit der Flex und Schuppscheibe plan geschliffen werden. Vorsicht: Man endet schnell im Gelcoat oder Laminat, was neue Reparaturen nach sich zieht. Am besten im flachen Rumpf-Winkel ansetzen und den Flansch gleichmäßig (Flex drehen) abschleifen!
  2. Hat man den Flansch nahezu plan geschliffen, fällt er ab oder lässt sich leicht abhebeln, sodass man…
  3. … den eigentlichen Borddurchlass nun mit Hammer und einem passenden Rundstahl behutsam herausklopfen kann.
  4. Jetzt müssen die alten Silikonreste, auf denen keine neue Dichtungsmasse haftet, sorgfältig mit 60er-Schleifpapier abgeschliffen werden.
  5. Auch der Rumpfdurchlass sollte per Schleifpapier von alten Resten befreit werden.
  6. Nun kann der Borddurchlass eingebaut werden: Vorher muss das Gewinde (speziell am Flansch) mit Dichtmittel eingecremt werden.
  7. Gleiches gilt für die Kontermutter innen. Nach dem Trocknen der Masse kann man den Durchlass kontern. Tipp: Während einer von innen das Gewinde anzieht, sollte ein zweiter von außen beispielsweise mit einem passenden Stück Flacheisen kontern, damit sich der Durchlass nicht mitdreht. Fast alle Durchlässe haben dazu außen zwei Auskerbungen.

1 Comment

  1. Genial ist auch Loctite Dichtfaden. Gibt es bestimmt auch von anderen Firmen…

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