Buchtipp: Hart am Wind

Der Segelthriller des britischen Autors und leidenschaftlichen Seglers Bernard Cornwell erzählt die Geschichte von dem im Falklandkrieg verwundeten Soldaten Nick Sandman, der in ein gefährliches Spiel auf See gerät

Der britische Autor Bernard Cornwell hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch seine historischen Romane ausgezeichnet und mit ihnen ein breites Publikum erreicht. Dass der Historiker in den 1980er Jahren auch Segelthriller geschrieben hat, ist hingegen unbekannt. Im Jahr 2018 legte der Verlag das erste Segelbuch Cornwells erstmals in deutscher Sprache als Taschenbuch auf. Die restlichen Romane erschienen als eBook.

Im Falklandkrieg wird der Soldat Nick Sandman schwer verwundet. Die Ärzte machen ihm wenig Hoffnung, dass er je wieder wird laufen können. Doch Nick möchte mit seinem Schiff Sycorax um die Welt segeln, schlägt die Anweisungen der Ärzte in den Wind und schafft es, seine Beine wieder zu bewegen. Einige Monate später humpelt er zu seinem Liegeplatz und stellt fest, dass der Privatliegeplatz im Fluss an einen reichen Fernsehstar verkauft worden ist und sein Schiff als Wrack an Land liegt. Um seinem Traum zu verwirklichen lässt er sich auf einen Pakt mit dem Fernsehstar ein, der Nicks Geschichte nutzen möchte, um ein neues Filmprojekt auf die Beine zu stellen. Doch er gerät in ein gefährliches Spiel, das sich um Mord und Betrug dreht und in einem Showdown auf See endet.

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Cornwell schafft es, die eher etwas seichte Story spannend zu erzählen und einen Bogen aufrecht zu halten, der den Leser dazu animiert weiterzulesen. Die Erzählkunst Cornwells hilft über einige Schwächen in der Story hinweg. Dennoch ist das Buch nur etwas für eingefleischte Segler – zu denen Cornwell gehören muss, denn die Sucht nach einem Leben unter Segeln wird in dem Buch so glaubwürdig dargelegt, dass der Leser wahrscheinlich viele Parallelen zu sich selber entdecken wird.

Der Roman spielt in den 1980er Jahren. Einer aus heutiger Sicht nahezu glorifizierte Segel­­epoche. Das Schöne ist, dass es nicht altbacken wird. Neben dem Krankenhausbett liegen beispielswiese stapelweise Segelzeitschriften, navigiert wird noch mit dem Sextanten und der Seekarte. UKW-Funk ist die einzige Möglichkeit auf See in Kontakt zu kommen. Wer die Leinen loswirft, verschwindet, bis er an einem anderen Punkt auf der Erde wieder auftaucht. Das ganze Buch erzählt von einer Zeit, in der Segeln mehr war als nur ein Hobby. Es war eine Leidenschaft und Lebenseinstellung. Daher bereitet es auch Freude, das Buch zu lesen. Die Übersetzung ist an vielen Stellen im nautischen Bereich allerdings mangelhaft. So wird das Funkgerät regelmäßig mit „Ultrahochfrequenzgerät“ übersetzt. Das entspricht dem englischen „VHF“ (Very high frequency), doch im Deutschen gibt es zuweilen Rätsel auf.

Taschenbuch, Rowohlt, 10,99 Euro

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