Schwerpunkt Herbst

Die richtige Pflege für die Segelbekleidung

Segelbekleidung besitzt fantastische Eigenschaften. Selbst der stärkste Regenguss kann dem Träger nichts anhaben. Doch sobald das Wasser nicht mehr abperlt, lässt auch die Atmungsaktivität nach. Wir zeigen, wie und womit die Segeljacke wieder dem stärksten Schauer standhält

Bei einer intakten wasserdichten Membran bleibt die Kleidung unter dem Ölzeug zwar trocken, aber für den Träger ergeben sich unangenehme Auswirkungen: Sobald das Obermaterial durchtränkt ist, wirkt das Wasser wie eine Versiegelung, sodass die Atmungsaktivität eingeschränkt oder gar aufgehoben wird. In der Folge sinkt der Tragekomfort rapide, und der Körper beginnt zu frieren, da das nasse Gewebe die Wärme schneller abtransportiert. Je nach Art der Bewegung an Bord, wird auch der Rest der Kleidung durch den Schweiß nass. Die Vorteile moderner Ölzeug-Bekleidung, wasserdicht und gleichzeitig at­mungsaktiv zu sein, sind somit aufgehoben.

Lotus-Effekt

Um die Beeinträchtigung der Atmungsaktivität zu verhindern, wird das Obermaterial werkseitig aus mit einer wasserabweisenden Schicht geschützt. Die sogenannte DWR (Durable Water Repellent) lässt Wasser abperlen und verhindert, dass Wasser, Schmutz und Öl in das Gewebe eindringen können. Wasser hat die Eigenschaft, sich zu einer Kugel zu formen, um die Oberfläche zu minimieren. Sobald Wasser jedoch mit einem festen Stoff in Verbindung kommt, wirken Kräfte, die verursachen, dass das Wasser auf der Oberfläche des Stoffes haftet und sich auf ihr verteilt. Das Ziel einer wirkungsvollen Imprägnierung ist es, die Kontaktfläche zwischen Wasser und Oberfläche so weit zu reduzieren, dass das Wasser kaum Fläche zum Haften hat und von selbst in eine Kugelform übergeht. Die Natur hat sich dieses Verhalten schon lange zunutze gemacht und bei der Lotospflanze zur Perfektion gebracht. Die äußere Schicht der Blattoberfläche ist mit vielen, nur wenige Mikrometer großen Erhebungen mit natürlichem Wachs versehen. Durch die hydrophoben (wasserabweisenden) Wachse und die hohe Oberflächenspannung des Wasser kommt ein Großteil des Wassers nicht mehr in Kontakt mit der Oberfläche und bildet seine natürliche Form: eine Kugel. In der Kugelform und der kaum vorhandenen Haftung an der Oberfläche perlt das Wasser einfach ab. Von der Industrie wurde dieses Prinzip kopiert und nach der Pflanze folgerichtig Lotus-Effekt genannt.

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Vorbild Natur: Auf den Blättern der Lotospflanze bildet Wasser kleine Kugeln (Bild: iStock)

Die hydrophobe Schicht verhindert auch eine Zersetzung der empfindlichen, wasserdichten Membran unter dem Außengewebe. Gerade eindringendes Salzwasser kann der Sperrschicht schaden und sie auf Dauer undicht werden lassen.

Ölzeug nutzt sich ab

Mit der Zeit nutzt sich die Imprägnierung allerdings ab und Wasser perlt immer schlechter ab, bis es schließlich in den Stoff einzieht. Wenn das Ölzeug intensiv genutzt wird und einem starken mechanischen Abrieb durch Segel oder Rettungsweste unterliegt, verabschiedet sich die Imprägnierung womöglich schon nach einer Saison oder verliert spürbar ihre Wirkung.

Bilden sich dunkle Flecken auf dem Ölzeug, wenn es nass wird, sollte die Imprägnierung aufgefrischt werden (Bild: Kai Köckeritz)

Glücklicherweise lässt sich die wasserabweisende Schicht aber wieder in eine neuwertige Funktionsweise zurückversetzen. Ist die Segeljacke erst eine Saison alt, genügt es in vielen Fällen schon, die Bekleidung auf niedriger bis mittlerer Stufe für eine halbe Stunde in den Trockner zu geben. Durch die Wärme kann die originale Imprägnierung wieder aufgefrischt werden. Falls die Jacke anschließend noch immer mehr einem Schwamm ähnelt, muss eine neue Imprägnierung aufgetragen werden.

Die Segeljacke in der Waschmaschine

Einige Waschmaschinen besitzen ein eigenes Waschprogramm für Outdoorkleidung (Bild: Siemens)

Die Aussage, Ölzeug müsse eine Patina besitzen und nie gewaschen werden, trifft nicht zu. Zumindest sollte die Bekleidung regelmäßig und ausführlich mit Süßwasser gespült werden, damit im Gewebe festsitzende Salzkristalle ausgespült werden. „Es ist wichtig, dass das Bekleidungsteil vor dem Imprägnieren sauber ist“, sagt Markus Schuster von der Firma Fibertec, einem deutschen Hersteller von Imprägnierungen für Funktionsbekleidung. Allerdings nicht mit haushaltsüblichen Waschmitteln, da Waschmittelrückstände eine Haftung des späteren Imprägniermittels verhindern. Jeder Hersteller von wasserabweisenden Applikationen bietet für den Zweck in der Regel ein spezielles Waschmittel an. Da die mechanische Belastung für die Membranen im normalen Waschprogramm zu groß wäre, sollte mit möglichst geringen Umdrehungen gewaschen werden.

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Gepostet von segeln am Sonntag, 22. April 2018

Zwei Arten von Imprägnierung

Die neue hydrophobe Schicht kann auf zwei verschiedene Arten aufgetragen werden: entweder während der Wäsche durch ein Einwaschmittel oder nach der Wäsche durch ein Spray. Wird das Ölzeug selten getragen und soll nur hin und wieder vor einem Regenschauer schützen, ist das Einwaschen der Imprägnierung die einfachste Lösung. Hierzu wird in das Weichspülerfach der Waschmaschine das Imprägniermittel gegeben, das die Maschine erst ganz zum Schluss und nach dem Ausspülen der Waschlösung in die Trommel führt. Allerdings wird logischerweise auch die Innenseite der Garnitur imprägniert, sodass die Funktion der Membrane beeinträchtigt werden kann. Wird das Ölzeug regelmäßig und unter anspruchsvollen Bedingungen getragen, ist das nachträgliche Einsprühen die bessere Wahl, da nur das Außenmaterial imprägniert wird und das Mittel richtig in den Oberstoff eingearbeitet werden kann. Die Methode ist mit mehr Aufwand verbunden, aber im Endeffekt wirkungsvoller.

Hitze aktiviert die Imprägnierung

Die wasserabweisende Schicht des Ölzeugs funktioniert wieder (Bild: Kai Köckeritz)

Erst unter Zuführung von Hitze erlangt die neue wasserabweisende Schicht ihre volle Wirkungsweise, da die Wärme die Mikrometer kleinen Erhebungen wieder aufrichtet. In einem Praxisversuch wuschen wir jeweils eine Jacke mit der gleichen Imprägnierung. Eine Jacke trocknete an der Luft, die andere im Trockner. Die an der Luft getrocknete Segeljacke zeigte zwar wasserabweisende Eigenschaften, aber auf der im Trockner behandelten Jacke perlte das Wasser ab, wie bei einer Segeljacke frisch von der Stange. Einige Hersteller geben an, dass die Bekleidung nicht im Trockner getrocknet werden sollte.

Die Pflegehinweise sollten beachtet werden

Auch wenn andere Hersteller den Einsatz des Trockners erlauben, sollte das Pflegeetikett beachtet und befolgt werden. Wenn die Hitze nicht aus dem Trockner kommt, aktiviert das Bügeleisen die Imprägnierung.

Pflege der Segelbekleidung

Die großen Belastungen während des Segelns nutzen das Ölzeug schnell ab. Wenn es unter dem Ölzeug nass und feucht wird, denken viele schnell, dass ihr Ölzeug bereits defekt ist und ein neues Modell gekauft werden muss. In den meisten Fällen ist die Membran aber intakt und allein die Imprägnierung sollte aufgefrischt werden. Mit der richtigen Pflege und einer regelmäßigen Wäsche mit Imprägnierung verlängert sich die Lebenszeit der eigenen Segelbekleidung erheblich. Zumindest am Ende jeder Saison sollte das Ölzeug in die Wäsche wandern. Bei intensivem Einsatz oder nach langen Törns gehört das Ölzeug ebenfalls in die Waschmaschine.

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