Schwerpunkt Herbst

Entfeuchter: So bleibt das Schiff unter Deck trocken

Wenn es kälter wird, lauert der Hauptfeind des Bootes in der Luft. Die Feuchtigkeit kann unter Deck Schäden anrichten und die Gesund­heit gefährden. So bleibt es im Boot trocken

Ob und wie viel Feuchtigkeit sich unter Deck sammelt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. In einer beheizten Halle gibt es in der Regel weniger Probleme als in einem Außenlager. Auch in der unbeheizten Halle bleibt es im Schiff meist noch trocken. Im Winterlager, unter freiem Himmel, beginnt es schon kompliziert zu werden. Eine dicke Winterplane, die passgenau das Boot und Teile des Rumpfes umschließt, schützt das Boot sehr gut vor der Witterung. Auf anderen Booten decken Planen große Teile des Decks ab, aber der Wind kann ungehindert über das Deck fegen. Manche Eigner bauen ihre alte Kuchenbude auf, um wenigstens das Cockpit zu schützen. Alle Herangehensweisen haben ihre Berechtigung, und nahezu alle Boote überstehen den Winter ohne Schäden. Doch bei der Feuchtigkeit unter Deck diskutieren zwei Gruppen darüber, was die beste Möglichkeit sei, um Schimmel auf dem Holz und sparkige Polster zu verhindern. Die eine Gruppe verrammelt das Boot nahezu hermetisch und stellt unter Deck zahlreiche Entfeuchter auf, während die zweite Gruppe – meist mit großer Plane – dafür plädiert, eine ständige Zwangsbelüftung unter Deck zu erreichen. So viel Luken wie möglich bleiben einen Spalt weit offen, sodass die Luft unter Deck zirkulieren kann und ausgetauscht wird. Ähnlich wie das Stoßlüften im Winter, um die Feuchtigkeit aus dem Haus oder der Wohnung zu bekommen.

Zwar gäbe es die Möglichkeit, das Boot im Winter entsprechend zu heizen, um zu verhindern, dass die Luftfeuchtigkeit an den Oberflächen kondensiert, doch der Energieaufwand liegt bei Weitem zu hoch. So ergibt sich für den Eigner nur die Möglichkeit, die Feuchtigkeit aus der Luft zu ‚filtern’ und für einen möglichst großen Luftaustausch zu sorgen. Doch hier liegt das Problem. Wenn immer wieder frische Luft in das Innere des Bootes strömt, bringt sie auch jedes Mal wieder Feuchtigkeit mit. Die Luftentfeuchter kommen dann eventuell nicht mehr mit. So kann es auch vorkommen, dass das Wasser an der kalten Rumpfschale kondensiert und in die Bilge fließt. Durch die stehende Feuchtigkeit in der Bilge bleibt auch die Luftfeuchtigkeit weiterhin hoch, sodass der Schimmel sich ausbreiten kann. Wer in den letzten Jahren im Frühjahr immer viel Wasser im Boot hatte und über den Winter Fenster und Luken einen Spaltbreit offen ließ, sollte eventuell das Gegenteil versuchen. Alle Fenster, Luken und den Niedergang geschlossen halten, um zu verhindern, dass zu viel neue Feuchtigkeit mit der Luft in das Innere gelangt.

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Granulat

In den meisten Entfeuchtern wird ein Granulat eingesetzt, das hygroskopische Eigenschaften besitzt. In der Regel wird Calciumchlorid verwendet. Dieses Salz bindet die Feuchtigkeit aus der Luft. Ähnlich wie ein Schwamm, der in einen Eimer gelegt wird. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Feuchtigkeit nicht im Granulat (Schwamm) gebunden wird, sondern als ‚Hydrat-Komplex’ in Form einer leicht eingedickten Flüssigkeit. Die Flüssigkeit tropft in einen darunterliegenden Auffangbehälter. Das Salz wird dabei verbraucht und muss nachgefüllt werden, wenn es sich komplett verbraucht hat. Ein Kilogramm des Granulats kann circa vier Liter Wasser binden. Da das Raumvolumen an Bord im Vergleich zu Kellerräumen beispielsweise eher klein ausfällt, reichen bereits einige dieser Entfeuchter aus, um zuverlässig zu Entfeuchten. Der aufgewirbelte Staub des Granulats kann Reizungen der Schleimhaut verursachen.

Adsorber

Adsorber sind ebenfalls stark hygroskopisch, binden die Flüssigkeit aber in sich selber. Bekanntester Vertreter ist das Kieselgel. Unter dem Namen Silicagel liegt es in kleinen Packungen beinahe jedem elektronischen Gerät bei, um es vor Feuchtigkeit zu schützen. Es besteht aus Siliciumdioxid und besitzt eine große innere Oberfläche, die für die Eigenschaften der kleinen Kügelchen verantwortlich ist. Es kann etwa ein Drittel des Eigengewichts an Wasser aufnehmen und ist sogar regenerierbar. Um erkennen zu können, wann die Kugeln gesättigt sind, besitzen sie einen Farbindikator. In trockenem Zustand sind sie orange. Je mehr Wasser sie aufnehmen, desto blasser werden sie. Nach einigen Stunden im Backofen bei circa 130 Grad werden sie wieder orange und können erneut zum Entfeuchten verwendet werden. Der große Vorteil gegenüber Granulat liegt in der Regenerierbarkeit und dem Binden der Feuchtigkeit im Material selbst. Allerdings sind die Anschaffungskosten etwas höher, da mehr Material im Boot ausgebracht werden muss. Zum Ausbringen eignen sich kleine Baumwollsäcke oder auch einfach Socken, die gefüllt und zugeknotet werden. Für eine ausreichende Leistung werden circa zehn Kilogramm benötigt, die gleichmäßig im Schiff verteilt werden. Beinahe alle ‚Drybags’ verwenden Silicagel.

Elektrische Entfeuchter

Die elektrischen Geräte werden grob in zwei Klassen unterteilt: Kondensator- und Adsorpionsgeräte. Bei den Kondensatoren läuft ein kleiner Kompressor mit einem Kühlmittel. Die Luft wird angesaugt, trifft auf die sehr kalte Verdampferplatte und kühlt schlagartig ab. Die Feuchtigkeit kondensiert und läuft in den Auffangtank. So wird eine sehr hohe Leistung von mehreren Litern pro Tag erreicht. Mit sinkender Außentemperatur nimmt die Leistung sehr stark ab.

Adsorptionsgeräte arbeiten mit hygroskopischen Mitteln, die Feuchtigkeit entziehen. Die Luft wird über einen Ventilator angesogen und über die Adsorber geführt, die die Feuchtigkeit aufnehmen.

Allerdings benötigen die Geräte sehr viel Strom, Adsorber noch etwas mehr als Kondensatoren. Wer sein Boot über den Winter im Wasser lässt und einen elektrischen Entfeuchter betreibt, sollte klären, wie im Winter der Strom abgerechnet wird. Viele Betreiber rechnen im Winter oft nach Zähluhr ab. Der fällige Betrag bei einem ständig laufenden Entfeuchter erreicht da schnell astronomische Höhen.

Anzahl der Entfeuchter

Bei der Menge der aufgestellten Entfeuchter gilt: ‚Viel hilft viel‘. Ein Grundsatz, den man in diesem Fall befolgen sollte. Sie sollten im Schiff verteilt werden, sodass in jedem abgetrennten Raum mindestens ein Entfeuchter arbeiten kann. Schrank- und Schapptüren sollten mindestens einen Spalt weit offen stehen. Große Stauräume sollten zusätzlich mit einem kleinen Entfeuchter bestückt werden. Mit dieser Konstellation aus etwas Zwangsbelüftung und viel Entfeuchtern sollte Spark, Muff und Schimmel kein Problem mehr darstellen.

1 Comment

  1. Sehr interessanter Artikel. Je nach Lagerort und Ausstattung des Bootes kann es auch den gegenteiligen Fall geben, in dem es sinnvoll bzw. notwendig ist einen Befeuchter zu verwenden. Einen interessanten Artikel dazu gibt es hier: https://www.trotec-blog.com/blog/trotec/trotec-erfahrung-die-optimale-raumluftfeuchte-fuer-holzboote-im-winterquartier/#more-37535
    So oder sollte die Luftfeuchtigkeit bei ca. 65% liegen.
    Grüße

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