ePropulsion: Vom Insel-Traum zur Weltmarke

E-Mobilität ist das Schlagwort des Straßenverkehrs. 2017 lag die Zahl der Autos mit alternativem Antrieb weltweit bei rund 3 Millionen. Den weitaus größten Markt mit über 1,2 Millionen Fahrzeugen macht China aus. Doch E-Mobilität spielt nicht nur auf Asphalt, sondern auch auf dem Wasser eine zunehmende Rolle. Denn der Elektromotor passt perfekt zum Wassersport: leise, leicht und umweltschonend.

Kein Wunder also, dass ein Motor dieser Technologie für den Wassersport-Bereich bei dem wachsenden chinesischen Markt im Reich der Mitte beheimatet ist. Das Unternehmen ePropulsion erobert von Hongkong aus den Weltmarkt. Das populärste Modell, der handliche Außenborder Spirit 1.0, hat seinen Markt in ganz Europa, in den USA und Kanada, in Brasilien und Chile, in Japan, Korea und Malaysia sowie in Australien und Neuseeland – kurzum: in der ganzen Welt – gefunden. Zur boot in Düsseldorf war der Spirit gleich mehrfach zu sehen: Auf dem Stand von ePropulsion und beim deutschen General-Importeur, dem Technik- und Zubehör-Lieferanten Ditoma GmbH aus Ludwigsburg (bootspunkt.de) – aber z.B. auch auf dem „Love-your ocean“-Stand der Deutschen Meeresstiftung.

Danny Tao, der Gründer und CEO von ePropulsion war selbst nach Düsseldorf gekommen, um seine Produktpalette für den Wassersportbereich zu präsentieren. Und er zeigte sich begeistert von der weltgrößten Wassersport-Ausstellung. „Im nächsten Jahr müssen wir auf jeden Fall noch größer auftreten. Bisher hatten wir den Fokus aber auf der Entwicklung des Produkts und nicht auf Messeauftritten“, sagt der 29-jährige Unternehmer, der inzwischen erfahren darin ist, aus kleinen Anfängen schnell zu wachsen. Erst 2012 war die Idee für einen Boots-E-Motor entstanden, danach ging die Firmen-Entwicklung rasant. Heute hat ePropulsion 60 Mitarbeiter in der Produktion und Verwaltung.

Vorausgegangen war der Firmengründung das Studium zum Mechanik- und Elektro-Ingenieur durch Danny Tao. 2012 hat er dies mit dem Bachelor-Titel an der Hongkong University of Science and Technology (HKUST), einer der renommiertesten Universitäten in Asien, abgeschlossen. Doch die Zeit an der Uni diente nicht nur der Wissensbildung, sie war auch die Gelegenheit, den Link zum Wassersport herzustellen. Als Taucher, Surfer, Kajak-Fahrer nutzte Tao die Lage der Uni direkt am Strand der Clear Water Bay im Osten Hongkongs. Erst ging es mit einem Freund im Kajak zu einer fünf Kilometer entfernten Insel, einem Paradies für Wassersportler. Später wollten weitere Freunde mit, und der angehende Ingenieur schaffte ein Ruderboot an. „Keine gute Idee“, erinnert sich Tao: „Das Boot zog Wasser, und es war unglaublich anstrengend zu bewegen.“

Der Wunsch, die Wasserwelt um die Uni zu erkunden, führte Danny Tao zunächst auf das Kajak und dann zum ersten E-Motor. Die Entwicklung wurde ständig weitergeführt. Heute ist das Team von ePropulsion stark gewachsen. Fotos: ePropulsion

Also musste mehr Power her. Ein Vier-Takt-Außenborder sorgte für ordentlich Schub, aber auch viele Probleme: Er war laut, dreckig und schwer. „Das hat mit nicht gefallen. Und in 2012 nahm die Entwicklung von E-Motoren in Autos Fahrt auf. Ich habe mich gefragt, warum sollte das nicht auch für Boote gehen.“ Gefragt, getan: Danny Tao kaufte einen gebrauchten E-Motor, installierte einen Schaft und einen Propeller und brachte ihn an Bord. Damit waren zwei Probleme des Verbrennungsmotors beseitigt. Der E-Motor war leise und sauber. Allerdings schleppten die Studenten nun schwere Akkus statt Tanks vom Labor zum Strand.

Die Erkenntnis, dass es besser gehen muss, mündete in der Gründung von ePropulsion. Das Projekt, ein Unternehmen aufzubauen, war nun die Masterarbeit von Danny Tao. Und dabei hatte er namhafte Begleitung: Li Zexiang, der Mann, der die DJI-Drohne zum weltweiten Überflieger machte, war Taos begleitender Professor, und ist jetzt Investor und Vorstandsmitglied bei ePropulsion. Seine Kompagnons in der Geschäftsführung, Peter Pan (COO) und Wayne Wang (CTO), kennt Tao bereits aus Studienzeiten, als sie Konkurrenten bei Robotic-Wettkämpfen waren.

2014 erstand der erste E-Motor aus der Produktion von ePropulsion. 2015 wurde der Motor bei der Mets in Amsterdam vorgestellt. Dabei kam es auch zum Kontakt zu Dirk Weissenborn und Michael Held von der Ditoma GmbH. Die beiden umtriebigen Wassersport-Fans nahmen den Motor in das Portfolio ihrer Wassersportmarke Bootspunkt auf. Inzwischen ist zwischen den Geschäftspartnern aus China und Deutschland eine intensive Beziehung erwachsen. Und Weissenborn und Held wirken mit ihrem Input auf die Entwicklung von ePropulsion ein.

„Wir mussten noch einiges lernen. Erst dachten wir, dass die Power entscheidend ist, aber inzwischen wissen wir, dass das Gewicht des Produkts eine größere Rolle spielt“, erklärt Danny Tao. Daher wurde schließlich der leichte und handliche Spirit 1.0 entwickelt, der sich zum Verkaufsschlager unter den elektrischen Außenbordern entwickelt.

Das Team von Ditoma, Dirk Weissenborn (re.) und Michael Held, ist der General-Importeur für die Motoren von ePropulsion. Foto: Ralf Abratis

„Es ist eine sehr unkomplizierte Zusammenarbeit mit ePropulsion. Ideen und Tipps werden sehr schnell umgesetzt“, erklärt Dirk Weissenborn. Eingaben zur Länge von Kabeln oder der Schäfte, zum Klapp-Mechanismus der Pinne oder auch der Möglichkeit einer Fernbedienung führten so zur schnellen Optimierung des Spirit 1.0. Mit seinem geringen Gewicht (knapp neun Kilogramm für den Akku, ca. zehn Kilogramm für Motor, Schaft und Pinne), dem gekapselten, wasserdichten Akku (bis ein Meter), der zudem schwimmfähig und innerhalb von fünf bis sieben Stunden wieder geladen ist, ist der Spirit 1.0 sehr anwenderfreundlich. Innovative Ideen wie der getriebelose Direktantrieb, das automatisierte Verfallen in den Sleep-Modus und die hohe Wiederholungszahl beim Laden (500 Mal) machen den ePropulsion zu einem langjährigen Begleiter für Wassersportler – leise, leicht und umweltschonend. Ein Traum für einen entspannten Tag auf dem Wasser. Infos und Händlernachweis unter www.epropulsion.de

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