Heizen an Bord

Wer heizt, gewinnt Zeit – Segelzeit. Denn mit einer Heizung an Bord lässt sich die Segelsaison in die kalten Tage verlängern, ohne dass es unter Deck ungemütlich wird

Feuchtkalte Salons bieten nicht nur Schimmel eine Lebensgrundlage, auch das persönliche Wohlbefinden wird durch Tropfsteinhöhlen deutlich geschmälert. Zwei Faktoren bestimmen das Raumklima maßgeblich: Zum einen die Temperatur und zum anderen die Luftfeuchtigkeit. Beides lässt sich durch den Gebrauch von Klimaanlagen, Heizungen und Lüftung beeinflussen. Bei uns in Nordeuropa sind Klimaanlagen temperaturbedingt zwar eine Seltenheit an Bord, Heizungen jedoch finden sich auf vielen mittleren und größeren Booten und machen es möglich, die Segelsaison deutlich zu verlängern. Gerade im Frühjahr und im Herbst, wenn die Temperaturen mitunter im einstelligen Bereich liegen oder gelegentlich sogar unter den Gefrierpunkt sinken, lässt sich durch den Einsatz von Heizungen der Komfort an Bord immens steigern und die Saison verlängern. Auch werden Reisen in die nördlichen Breiten möglich, die sonst kältebedingt eher unattraktiv erscheinen würden. Verschiedene Heizungssysteme, die ihre Energie aus unterschiedlichen Ressourcen beziehen, bieten jeweils Vor- und Nachteile.

Gebläse

Die mit Abstand verbreitetste Form den Innenraum eines Bootes zu beheizen, ist die Gebläseheizung. Diese wiederum wird in zwei Arten unterteilt: Warmluftheizungen und Wasserheizungen. Bei beiden wird einer abgeschirmten Brennkammer Außenluft zugeführt und ein Brennstoff verbrannt, was einen Wärmetauscher erwärmt. Ihnen gemein ist, dass sie eine 12 Volt-Stromversorgung zum Betrieb von Pumpen und Lüftern benötigen. Als Energieträger für die Verbrennung kommt meist Diesel zum Einsatz, aber auch Petroleum und Gas sind möglich. Die Firma Truma, die mit ihren Trumatic E-Heizungen lange Zeit der einzige Hersteller von an Bord zugelassenen Gasheizungen war, hat die Produktion jedoch inzwischen aus betriebswirtschaftlichen Gründen eingestellt. Allerdings werden im Internet noch immer Trumatic-Heizungen für den Bordeinsatz angeboten. Wie die Flüssiggasanlage zum Kochen, muss eine Gaszheizung alle zwei Jahre durch einen autorisierten Fachmann geprüft werden.

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Gebläseheizungen werden elektronisch geregelt und sind, da mit Abgasleitungen nach außen ausgerüstet, sehr sicher. Hinzu kommt, dass sich Diesel als Brennstoff meist in ausreichender Menge an Bord befindet und zudem in der Handhabung recht sicher ist. Der Betrieb ist auch unter rauen Bedingen auf See möglich, da diese Heizungen selbst bei starker Krängung ihren Dienst verrichten. Ein großer Pluspunkt dieser Heizungen ist, dass ihre Brennräume zum Innenraum des Bootes gekapselt sind. So können keine toxischen Verbrennungsabgase inhaliert werden und dem Segler schaden. Die Geräte lassen sich meist in mehren Modi betreiben. So kann die Heizung zum Beispiel bei etwas erhöhtem Kraftstoffverbrauch schneller auf Temperatur kommen oder ohne Brenner-Betrieb als Lüftung genutzt werden. Auch lassen sich die modernen Heizungen per App auf Smartphone oder Smartwatch steuern. So kann das Boot bereits aus der Hafenkneipe heraus für die spätere Rückkehr an Bord vorgewärmt werden.

Luft

So funktioniert eine Dieselwarmluftheizung (Bild: Jan Bindseil)

Bei der beliebten Warmluftheizung wird das Medium Luft entweder von außen oder aus dem Innenraum an dem Wärmetauscher entlang geführt und nimmt die Wärmeenergie der Verbrennung auf. Ein elektrisch betriebenes Gebläse sorgt einerseits dafür, dass weiter frische Luft angesaugt und andererseits die warme Luft über Schlauchleitungen an ihren Zielort transportiert wird. Die Schlauchleitungen haben einen recht großen Durchmesser zwischen 60 und 100 Millimetern. Oft sind diese Schläuche nicht isoliert, was einen Energieverlust zur Folge hat, da die Wärme an Backskisten und Schränke durch die die Schlauchleitungen verlaufen abgegeben und somit zum Teil verschwendet wird. Wer seine Heizung häufig nutzt oder vielleicht sogar an Bord lebt, sollte daher darüber nachdenken, die Warmluftschläuche zu isolieren, um den Kraftstoffverbrauch zu senken. Die Temperatur wird zentral an der Bedieneinheit im Salon eingestellt und durch einen Thermostaten geregelt. In den zu beheizenden Kabinen dienen Klappen auf den Warmluftaustritten dazu, den Warmluftstrom zu regulieren. Die einzelnen Austritte beeinflussen sich jedoch. Wird in einer Kabine der Austritt geschlossen beziehungsweise der Querschnitt verkleinert, verändert sich auch in den anderen Kabinen der Luftstrom. Aus diesem Grund sind Warmluftheizungen für Boote mit mehr als drei beheizten Räumen nicht zu empfehlen. Je nach Ausführung der Heizung kann zwischen Umluft- und Außenluftbetrieb gewechselt werden. Beim Umluftbetrieb wird die Innenraumluft angesaugt und erwärmt. So wird weit weniger Energie, sprich Brennstoff, benötigt, um eine konstante Raumtemperatur zu halten, da die kalte Außenluft nicht erwärmt werden muss. Allerdings kann Feuchtigkeit so kaum aus dem Boot geschafft werden. Beim Betrieb mit Außenluft wird die kalte, trocknere Außenluft, die weniger Feuchtigkeit als die Luft aus dem Inneren enthält, angesaugt und erwärmt. So kann das Bootsinnere gut entfeuchtet werden. Eine Warmluftheizung wärmt einen Raum sehr schnell. Der Raum kühlt jedoch auch schnell wieder ab, wenn das Aggregat abschaltet. So besitzen Heizungen dieser Bauart relativ große Auf-und-ab-Bewegungen in der Temperaturkurve. Hersteller von Warmluftheizungen sind Eberspärcher (Modellreihe Airtronic), Wallas (Modellreihe Dt und t), Webasto (Modellreihe Air Top), Komp (Modellreihe Aeroheat) und Planar.

Heizleistung

Bevor man sich eine Heizung kauft, sollte überlegt werden, welche Räume geheizt werden müssen (Bild: Jan Bindseil)

Auch wenn es verführerisch erscheint, das Schiff von achtern bis zur Bugspitze zu heizen, sollte überlegt werden, welche Räume unbedingt geheizt werden müssen. Nasszelle und Schlafkabinen können beheizt werden, müssen aber nicht. Schließlich hält man sich vorwiegend im Salon auf. Empfehlungen der Hersteller beziehen sich immer auf das geschätzte Volumen aller Räume an Bord. Wird nur ein Teil des Schiffes beheizt, verringert sich auch die benötigte Leistung der Heizung, sodass auch ein kleineres Modell in die engere Auswahl kommen könnte. Da ein Schiff in den seltensten Fällen über rechte Winkel verfügt, gestaltet sich die Ermittlung des Raumvolumens eher schwierig und kann nur grob geschätzt werden. Eine äußerst grobe Überschlagsrechnung aus der Länge mal der Breite des zu beheizenden Raumes kann einen circa-Wert für die Berechnung liefern. Hat man den ungefähren Wert ermittelt, bieten die Hersteller für ihre Heizungen oft Diagramme an, die den Wärmebedarf in Kilowatt in Relation zum Rauminhalt angeben. Eine Faustformel besagt, dass etwa 120 Watt pro Kubikmeter beheizten Raumvolumens notwendig sind. Je nach Material und Isolierung des Boots variiert dieser Wert nach oben und unten. So kann zum Beispiel ein Boot mit einem Rumpf aus gut isolierendem Sandwichlaminat auch mit 80 Watt pro Kubikmeter gut geheizt werden. Die Dimensionierung der Heizungsanlage sollte wohl überlegt sein. Eine zu schwach ausgelegte Anlage, die permanent auf Maximum arbeitet, ist genauso wenig wünschenswert wie eine Heizungsanlage, die viel zu stark ist und schon in der niedrigsten Stufe das Boot zum Kochen bringt.

Luftauslässe

Da Wärme nach oben steigt, sollten die Luftauslässe möglichst in Bodennähe angebracht werden, um eine Luftzirkulation im Schiff zu erreichen und die Wärme gleichmäßig zu verteilen. Die Anzahl an Auslässen ist allerdings beschränkt und jeder Luftaustritt sollte begründet werden. Sind zu viele Lüftungsgitter im Schiff verteilt, kann es sein, dass nur noch ein laues Lüftchen austritt. Das Volumen der angesaugten Luft reicht schlicht nicht mehr aus. In der Folge heizt das Aggregat zwar weiter, aber die Wärme kann nicht mehr ins Schiff abgeführt werden. Im schlimmsten Fall überhitzt die Heizung und schaltet sich ab bis, sie wieder runtergekühlt ist. Je nach Größe der Heizung und Aussage des Herstellers variiert die mögliche Anzahl der Auslässe. Bei einer Leistung bis 2.000 Watt sollten nicht mehr als drei Auslässe vorhanden sein. Soll die Effizienz gesteigert werden, können auch doppelwandige Warmluftschläuche verwendet werden. Einwandige Schläuche geben über ihre Oberfläche bereits Wärme in die Backskiste ab. Durch die gute Isolation eines doppelwandigen Schlauchs geht die Wärme unterwegs nicht verloren. Ebenfalls ist es wichtig, keine zu engen Schlauchradien zu den Auslässen zu legen, sonst kommt die Luft nicht um „die Ecke“, und die Wärme staut sich am Knick. Es droht die Überhitzung der Heizung.

Platzwahl

Die Heizung sollte am besten nach achtern in die Backskiste verbannt werden. Lüftergeräusch und Pumpe sind dann kaum zu hören. Alternativ kann sie auch im Motorraum montiert werden. Dann sollte die Frischluftansaugung aber unbedingt von außen kommen.

Wasser

Wasserheizungen arbeiten nach einem ähnlichen Grundprinzip. In einer gekapselten Brennkammer wird durch Verbrennung Wärme erzeugt und anschließend im Schiff verteilt. Das Medium, welches die Wärmeenergie an den Zielort transportiert, ist jedoch anstatt Luft Wasser. Wie bei der heimischen Heizungsanlage wird das erwärmte Wasser durch Rohrleitungen in die zu erwärmenden Kabinen bewegt. Hierfür bedarf es einer auf 12 Volt Basis betriebenen Umwälzpumpe im System.

Wasserheizung von Eberspächer (Bild: Archiv:J.Eberspächer)

In den Kabinen angekommen, durchläuft das warme Wasser Heizkörper, die die sie umgebende Raumluft erwärmen. Ein großer Vorteil der Wasserheizung ist, dass jeder Heizkörper und damit jeder Raum mittels eines thermostatischen Regelventils einzeln reguliert werden kann, ohne die anderen Heizkörper im System zu beeinflussen. Außerdem ist Wasser ein weit besserer Wärmespeicher als Luft, was für eine konstantere Temperatur sorgt. Jedoch benötigen Wasserheizungen mehr Zeit, um auf die gewünschte Temperatur zu kommen. Für größere Boote mit mehreren zu beheizenden Kabinen bietet sich eine Wasserheizung also an. Die Installation ist jedoch deutlich aufwendiger als die einer Warmluftheizung, was das Nachrüsten oft schwierig macht. Die Anlage ist im Vergleich insgesamt teurer. Die Wärme einer Wasserheizung, wie sie von Herstellern wie Webasto und Eberspärcher angeboten werden, wird gemeinhin als angenehmer empfunden als die einer Warmluftheizung, bei der durch die Gebläse auch immer etwas Staub im Raum umhergewirbelt wird. Ein weiterer Vorteil einer Wasserheizung ist, dass sie in Kombination mit einem Boiler auch das Brauchwasser erwärmen kann. Des Weiteren kann sie an den Kühlwasserkreislauf der Maschine angeschlossen werden. Bei Fahrt unter Maschine erwärmt die sonst verlorene Abwärme des Motors das Heizungswasser und umgekehrt kann mit der Wasserheizung das Kühlwasser der Maschine vor dem Anlassen vorgewärmt werden, was die thermische Beanspruchung des Motors reduziert.

Die Exoten

Schaut man in die Salons älterer Fahrtenyachten oder in die Sortimente von Ausrüstern wie Toplicht, stößt man auf Heizungen, die im Vergleich wie aus einer anderen Zeit erscheinen. Dieselbetriebene Schalenbrenner-Öfen wie der Dickinson Newport besitzen einen höher liegenden Tank und speisen den Brenner durch die Schwerkraft mit Brennstoff, weswegen auf eine Förderpumpe verzichtet werden kann. Diese Heizungen arbeiten sehr zuverlässig, sind vergleichsweise leise, vertragen aber keine großen Krängungen, weswegen sie eher im Hafen zum Einsatz kommen.

Die berühmten Refleks-Öfen gibt es in zahlreichen Auführungen von 1,4 bis sieben Kilowatt Leistung. Zusätzlich mit Kupferheizspiralen und einer Umwälzpumpe ausgestattet, können sie auch als Wasserheizung dienen und Heizkörper im ganzen Schiff erwärmen. Außerdem kann auf der Herdplatte auf der Oberseite des Ofens gekocht werden.

Öfen wie der Taylors 079K, der eine Heizleistung von 2,1 Kilowatt bei einem Petroleumverbrauch von etwa 0,19 Liter pro Stunde besitzt, arbeiten mit einem Petroleum-Vergasungsbrenner mit Spiritusvorheizung und werden aus einem Drucktank mit Brennstoff gespeist. So sind sie weitestgehend krängungsunabhängig und können auch auf See eingesetzt werden.

Eine weitere Variante sind Öfen, die Feststoffe wie Holz, Kohle oder Spänebriketts verbrennen. Oft mit Sichtfenstern versehen, sorgen sie zusätzlich zur Wärme auch für gemütliches Licht im Salon. Jedoch erzeugt die Asche, die beim Verbrennen anfällt, für nicht unerheblichen Staub an Bord.

Alle diese Öfen werden üblicherweise im Salon stehend oder hängend installiert. Ein Kaminrohr befördert die Verbrennungsgase nach außen und muss, um die nötige Sogwirkung zu erzeugen mindestens 2,50 Meter lang sein. Die Verbrennungsluft beziehen sie aus dem Bootsinneren. Dies birgt bei unzureichender Belüftung die Gefahr, dass der Sauerstoff des Innenraums langsam aufgebraucht wird. Daher muss bei allen Heizungen, die ihre Verbrennungsluft aus dem Inneren des Bootes beziehen, darauf geachtet werden, dass genug Frischluft nach Innen gelangen kann.

Die Mobilen

Tragbare, elektrisch betriebene Heizlüfter sind mit rund 50 Euro sehr günstig in der Anschaffung und bieten eine gute Ergänzung zur festen Heizung an Bord. Eine 230 Volt Landstromversorgung vorausgesetzt, sind sie in der Lage, einzelne Kabinen oder den Salon schnell auf eine angenehme Grundtemperatur zu erwärmen. So können sie auch als ‚Anwärm-Heizung’ verwendet werden, bis die fest installierte Heizung ihre Betriebstemperatur erreicht hat. Auf kleinen Booten sind sie hingegen oft die einzige Chance, effektiv und sicher zu heizen.

Aus Sicherheitsgründen sind moderne Keramik-Heizer den Heizlüftern mit Heizspirale vorzuziehen. Die eingebaute Keramikkachel wird auf Temperaturen erwärmt, die unter den Temperaturen liegen, die nötig sind, um Stoffe zu entzünden, die versehentlich in die Nähe des Heizers kommen. Da mobil und damit an Bord der Gefahr des Umfallens ausgesetzt, müssen elektrische Heizer grundsätzlich über eine Kippsicherung verfügen, die sie ausschaltet, sobald eine bestimmte Neigung überschritten wird. Da Steganlagen oft nur über eine sechs Ampere Absicherung verfügen, sollten Heizer für den Bordgebrauch darunter liegen. Empfehlenswert ist außerdem ein Stromsparmodus, bei dem der Lüfter in der Regel unter zwei Ampere Stromaufnahme und um die 400 Watt Leistung liegt. Eine Alternative zum Keramik-Heizer ist der mobile Ölradiator. Preislich liegt er wie die Keramik-Kachel bei circa 50 Euro und liefert eine angenehme trockene Wärme. Ein großer Vorteil gegenüber dem Keramik-Heizer: Er arbeitet vollkommen lautlos. Die meisten Ölradiatoren besitzen drei Leistungsstufen von circa 600 bis circa 2000 Watt. Mobile Gasheizungen sind unter Deck tabu. Zu groß ist die Gefahr, durch Umfallen einen Brand zu verursachen, da sie über keine Abschaltautomatik verfügen.

Fazit

Es hat Gründe, warum heutzutage fast nur noch Diesel-Warmluftheizungen an Bord verbaut werden. Sie sind effektiv, sicher, die Installation ist nicht allzu aufwendig, der Brennstoff steht meist an Bord zur Verfügung, und die Preise halten sich im Rahmen. Für große Boote, mit mehr als drei zu beheizenden Räumen oder Booten, die oft in sehr kalten Regionen genutzt werden, macht auch eine teurere und in der Installation umfangreichere Wasserheizung Sinn. Auf Kleinkreuzern, bei denen meist nur im Hafen geheizt wird, leisten Keramik-Heizer oder Ölradiatoren gute Dienste.

1 Comment

  1. Die neueste Entwicklung sind Heizfolien für Niederspannung, welche in Fussboden, Wand oder Decken eingebaut werden. Ohne jegliche Wartung oder Verschleiss

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