iPad ohne GPS als Plotter nutzen

Tablets sind längst dabei, den konventionellen Kartenplotter an Bord abzulösen. Damit das funktioniert, müssen die kleinen Alleskönner vor allem Wissen, wo sich die Yacht gerade befindet. Genau da hat Apple bei meinem iPad Mini eine kleine Falle eingebaut: Geräte, die nur eine WLAN-Schnittstelle haben und kein Mobilfunk unterstützen, können auch kein GPS empfangen
Positionsdaten per GPS2IP vom iPhone an andere Geräte senden

Tablets sind längst dabei, den konventionellen Kartenplotter an Bord abzulösen. Damit das funktioniert, müssen die kleinen Alleskönner vor allem Wissen, wo sich die Yacht gerade befindet.

Genau da hat Apple bei meinem iPad Mini eine kleine Falle eingebaut: Geräte, die nur eine WLAN-Schnittstelle haben und kein Mobilfunk unterstützen, können auch kein GPS empfangen. Zur Navigation eigenen sich diese Tablets daher nur unwesentlich besser als eine Seekarte aus Papier.

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Das fehlende GPS Signal lässt sich aber natürlich auch ohne GPS-Empfänger bereitstellen. Die bequemste Lösung für das eigene Boot ist ein NMEA Multiplexer mit WLAN Schnittstelle, der die Positionsdaten und auch andere Informationen vom NMEA-Protokoll in ein bordeigenes WLAN einspeist. Bei Lunatronic beispielsweise gibt es dafür den ☛MiniPlex-3Wi-N2K. Für 379 Euro stellt der dann alle an Bord anfallenden Daten (auch NMEA2000) im Netz zur Verfügung. Eine solide Einbaulösung für Yachten mit AIS, Windfahne, Autopilotsteuerung und so weiter.

Auf Charteryachten oder beim Mitsegeln müssen aber temporäre Lösungen genügen. Kaum ein Vercharterer wird mit großem Wohlwollen zusehen, wenn seine Kunden erst einmal eine Handvoll Kabel an die Bordelektronik klemmen. Dafür nimmt man Abstriche in Kauf. Denn das Wesentliche ist nur die Position.

GPS2IP iphone als GPS-Maus
Es muss ausgewählt werden, welche Adresse von GPS2IP benutzt wird
Je nach angeschlossenem Plotter können verschiedene NMEA Pakete bereitgestellt werden

Seit langem zum ersten Mal wieder als Mitsegler unterwegs hatte ich auf meinem Lofotentörn einen Weg gesucht, um am iPad die Route zu verfolgen: Als GPS Gerät wollte ich kurzerhand mein iPhone mit dem iPad verbinden und dessen Positionsdaten nutzen. Eine kurze Internetrecherche war leider ernüchternd. Das Telefon als GPS-Maus zu benutzen ist offenbar von Apple nicht vorgesehen.

GPS2IP im Apple Appstore ansehen
GPS2IP im Apple Appstore ansehen

Recht neu im App Store findet sich aber die ☛App „GPS2IP“ für 6,99 Euro. Die kann GPS Daten des Telefons als IP-Pakete ins WLAN schicken.

Dabei kann man auch die WLAN-Schnittstelle des Telefons im Hotspot Mode nutzen das iPhone wird damit dann doch zur GPS-Maus (auch für weitere angeschlossenen PC’s oder mehrere Tablets).

Im ersten Schritt muss an Bord auf dem iPhone der „Personal Hotspot“ aktiviert werden. Dann wird die App gestartet und beginnt NMEA Daten zu senden. Wichtig ist vor allem in den Einstellungen den Schalter für „Operate in background mode“ zu aktivieren. Das zu finden hatte bei mir eine Weile gedauert, weil das Menü etwas versteckt ist. Statt mit einem üblichen „Menüsymbol“ verbirgt es sich hinter dem kleinen „i“ am unteren rechten Bildrand. Ohne diese Einstellung stoppt der Plotter, sowie das Telefon in den Standby wechselt oder eine andere App benutzt wird.

Im iPad muss noch in der Plotter-App die IP-Adresse des Telefons als Quelle für die NMEA Daten ausgewählt werden. Dann kann es losgehen.

IP Adresse in iSailor einstellen
IP Adresse in iSailor einstellen

Zwei Probleme bleiben:
Der Personal Hotspot lässt sich nur aktivieren, wenn das Telefon auch eine Verbindung zum Telefonnetz aufbauen kann. Was die Anwendung auf Deutschen Bahnstrecken unbrauchbar macht, ist irrwitzigerweise in der Einsamkeit Nordnorwegens kein Problem gewesen. Es gab kaum einen Ankerplatz, an dem kein Mobilfunkempfang möglich war.

Störender ist da, dass der andauernde GPS-Empfang gewaltig am Akku des Telefons zerrt. Eine Strom-Verbindung zum Bordnetz ist daher unerlässlich. Aber die dürfte auch auf Charterschiffen kein Problem darstellen.

Für eine alleinige Navigation wäre mir diese Lösung trotzdem ein wenig zu wackelig, um einen Referenzplotter, neben dem vom Vercharterer bereitgestellten System an Bord zu haben, genügt dieser Weg aber vollkommen.

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