Kompass Refit

Verliert ein Kompass an Bord Flüssigkeit, ist meist die Ausgleichsmembran rissig. Aber der Kompass kann wieder fit gemacht werden

In der Seefahrt wird ein Kompass verwendet, in dem die Rose in einer Flüssigkeit schwimmt und sich nach dem Erdmagnetfeld ausrichtet. Bei den an Land verwendeten Trockenkompassen bewegt sich hingegen die Nadel auf einer starren Kompassrose. Die nasse Variante besitzt für die Seefahrt einige Vorteile, da sie immer den Kurs des Schiffes anzeigt, kardanisch aufgehängt ist und vor allem durch die Flüssigkeit im Innern gedämpft ist. Ohne die dämpfende Eigenschaft der Flüssigkeit würde die Rose wild umherspringen und nicht stoisch gelassen den Kurs anzeigen – selbst in der schlimmsten Hackwelle.

Verwendeten die Hersteller früher hauptsächlich Alkohol für die Füllung, schwimmt die Kompassrose heutzutage in einem speziellen Leichtöl. Das Öl gewährleistet, dass das Instrument selbst in extremen klimatischen Bedingungen präzise arbeitet. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) verlangt beispielsweise einen Arbeitsbereich für einen Kompass von -30 bis +70 Grad Celsius. In diesem Temperaturfenster darf die Flüssigkeit weder ihren Aggregatzustand ändern noch ihre dämpfende Eigenschaft verlieren. Das Leichtöl nimmt es mit diesen Anforderungen auf, reagiert allerdings bei den jeweiligen Temperaturen entsprechend: Bei Kälte zieht es sich stark zusammen und bei Hitze dehnt es sich aus. Um genau dieses Verhalten zu kompensieren, benutzen die Hersteller Ausdehnungsmembranen. Die Membran im Kompass geht die Volumenveränderungen sozusagen mit und gibt der Flüssigkeit den entsprechenden Platz zum Ausdehnen oder Zusammenziehen.

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Die Glaskuppel und die Flüssigkeit wirken vergrößernd auf die Kompassrose, die in der Realität sehr viel kleiner ist (Bild: Kai Köckeritz)

Kompass und Verschleiß

Doch genau die Bauteile wie Membran und Dichtungen unterliegen dem größten Verschleiß und sollten regelmäßig geprüft und ausgetauscht werden – sofern dies möglich ist, denn einige Kompasse können nicht geöffnet werden. „Tränen am Kompass oder Luftblasen im Gehäuse sind die ersten Anzeichen für ein Versagen der Membran“, sagt Lars Reeder, Geschäftsführer der Firma Hein & Oetting Feinwerktechnik, zu denen der traditionsreiche Kompasshersteller C. Plath gehört. Wird bei den ersten Anzeichen nicht gehandelt, landet die Flüssigkeit im Cockpit oder schlimmer: im Salon. Meist sind kleine Risse in der Membran für die Luftblasen verantwortlich. Bei Hitze dehnt sich die Membran aus, der Riss öffnet sich, und die Flüssigkeit läuft aus. „Wir empfehlen jedoch nicht, die Reparaturen selbstständig durchzuführen“, sagt Reeder. In der Vergangenheit sei zu viel eigenständig verschlimmbessert worden. Das beginnt bei der richtigen Flüssigkeit für einen Kompass. Im Netz geistern viele Tipps, wie beispielsweise Spiritus oder Petroleum als Ersatz zu verwenden. Das verschaffe zwar kurzzeitig Besserung, aber Dichtungen und Membrane werden durch die aggressiven Flüssigkeiten angegriffen. In der Folge geben sie schneller nach und müssen definitiv ausgetauscht werden. Zudem sollte die neue Flüssigkeit beim Befüllen gekühlt sein, damit sie das geringste Volumen hat. Wird zu viel Flüssigkeit in den Kompass gepresst, kann er unter starker Sonneneinstrahlung sogar platzen.

Bei Verwendung der falschen Flüssigkeit nimmt die Ausdehnungsmembran schaden – der Kompass läuft aus (Bild: Kai Köckeritz)

An einem alten Kompass, der mit einer falschen Flüssigkeit befüllt wurde, zeigen sich die Folgen der falschen Behandlung: Membran und Dichtungen sind porös und von Rissen durchzogen. Der Aufdruck der Kompassrose hat sich abgewaschen. Die Rückstände haben sich an der Glaskuppel abgesetzt und diese eingetrübt. Die Steuerstriche haben begonnen zu korrodieren. Kurz: Die Eigenreparatur hat mehr Schäden verursacht als behoben. Aber der Schaden lässt sich beheben.

 

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