Navigation mit der Papierseekarte: Symbole und Zeichen

Die gedruckte Seekarte hat noch lange nicht ausgedient. Unsere Übersicht ruft ein paar ihrer Elemente wieder in Erinnerung

Seit dem Siegeszug der elektronischen Navigation sind auch die großformatigen Papierseekarten auf dem Rückzug. Seitdem Tablets wie das iPad die Navigation zum Kinderspiel gemacht haben, liegen die guten alten Seekarten oft ungenutzt im Kartentisch und werden maximal noch als Backup-Lösung für Plotter und Co. an Bord behalten.

Navigationssoftwares erstellen mithilfe von ‚Autorouting’ automatisch Routen, die in den allermeisten Fällen fehlerfrei sind. Trotzdem darf ihnen nicht blind vertraut werden. Eine manuelle Kontrolle ist stets durchzuführen. Was dann aber unter Umständen fehlt, ist das genaue Wissen über den Verlauf der Route. Es mussten sich keine Gedanken darüber gemacht werden, wo welche Untiefe verläuft und an welcher Stelle eine Kursänderung zu machen ist.

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Studien haben gezeigt, dass Studenten, die mit einem Stift schrieben, sich Inhalte besser merken konnten, als diejenigen, die sie in einen Computer tippten. Dies kann auch auf die Kartenarbeit mit Zirkel, Dreieck und Bleistift angewendet werden. Eine auf der Papierseekarte vorbereitete Route ist im Kopf präsenter. Falls die Elektronik einmal ausfällt, und das wird sie irgendwann mal, dann ist die Papierseekarte wieder die ultimative Navigationshilfe. Es ist daher immer sinnvoll, vor dem Ablegen eine saubere Routenplanung auf Papier durchzuführen.

Der folgende interaktive Kartenausschnitt soll einige Elemente aus der Seekarte in Erinnerung rufen. Denn wer weiß, vielleicht liegen Ihre Seekarten ja auch schon lange ungenutzt in der Backskiste.

8 Comments

  1. Wunderbare Idee! Hab gleich mal geschaut und mich wieder erinnert.
    Doch meine elektronische Navigation verwendet die gleichen Zeichen und ist genauso detailliert, obwohl es Vektorkarten sind.
    Elektronisch bin ich redundant mit autarker, zusätzlicher Stromversorgung.
    Ok, bei Sonnenwind und Ausfall des GPS nützt mir das nix. Dann habe ich jedoch immer noch die elektronische Karte, die die letzte bekannte Position mitschreibt.
    Wozu brauche ich jetzt noch mal ne Papierkarte?…..
    Elektronik hin und her: Eine Karte sollte man lesen können, seinen aktuellen Steuerkurs wissen und navigatorisch einigermaßen bei der Sache sein.
    Mast und Schotbruch! (sagt heute auch keine mehr) 😉

  2. Gut der Aufruf, schlimm das man ihn braucht. Seemannschaft verschwindet mehr und mehr.

    Im Einzelfall hab ich noch gelacht und bspw. im Hafen einfach geholfen, wenn das Anlegen genau NULL vorbereitet ist. Motto, Festmacher noch in der Backskiste und Knoten, wie war das noch… Mache ich immer noch und werde ich tun, auch wenn ich innerlich den Kopf schüttle.

    Genauso übel ist es aber auch mit der Navigation. Mal den Funk verfolgt? Auch hier nicht mehr lustig, weil eben kein Einzelfall, wenn die Marina rückfragt, wo sind sie / wie lang brauchen sie noch, an welcher Einfahrt zur Marina soll sie unser Mitarbeiter zum Liegeplatz geleiten, welche Länge/Breite/Tiefe etc etc? Und dann nur Gestammel kommt. Aber auch das wird weniger, weil man ja übers Handy anruft. Die Übung den Funk zu nutzen geht flöten.

    Im Hafem kommt es dann zum Plausch mit durchweg netten Menschen, aber die Fragen “von woher seid ihr gekommen” und “welche Route hattet ihr genommen” enden meist in Gestottere oder gleich mit “Der Plotter weiß es. Hab die Aufzeichnung aktiviert”.

    Von daher bin ich mit dem Vorredner nicht einverstanden. Es reicht nur im Gutfall [Zitat] “Eine Karte SOLLTE man lesen können, seinen aktuellen Steuerkurs wissen und navigatorisch EINIGERMASEN bei der Sache sein.”, ansonsten definitiv zu wenig für eine ordentliche Seemannschaft und vorallem den Schlechtfall, wenn dann alle Übung futsch ist, weil man erst mal nachschauen muss, ob die Seezeichen im Plotter und auf der (wahrscheinlich nicht mehr aktuellen) Papier-Seekarte die gleichen sind… Hinweis: Der “Wasser-ADAC” kann auch nur ankommen, wenn man ihm sagen kann wo.

  3. Da bin ich ganz bei Bettina. Nach 66 erfolgreichen saisonen bin ich mit Karte immer sicher und gut angekommen. Natūrlich habe ich GPS und Plotter aber das ist besonders fūr meine zu selten mitsegelden Enkel ein muss. Mir fehlt einfach das Vertrauen in die Elektronik.

  4. Hätten die damals beim Volvo Ocean Race auf die Karte geschaut, dann wäre es ihnen aufgefallen, dass ein Riff im Wege lag.

  5. Ich habe während des diesjährigen Silverrudders fast ausschließlich mit wasserfesten “Plastik”-Seekarte navigiert. Der Vorteil: Ich beschäftige mich mit der Umgebung, versuche meinen Standort zu peilen, und schaue kurz auf die Karte auf dem Cockpitboden. Meine jahrelange Selbstbeoachtung hat mich gelehrt, dass ich dann viel aufmerksamer bin und alle wichtigen Dinge um mich herum wahrnehme: Wetter, Wind, andere Boote, Tonnen, Treibgut, Strömung, etc.
    Die letzten beiden Male mit Grundberührung habe ich auf meinem Handy mit Kartensoftware rumgespielt …

  6. Neulich bei der nächtlichen Ansteuerung der Wismarer Bucht hat mein Plotter die eingelegte Seekarte nicht mehr erkannt. Ich war froh, dass wir alle an Bord noch eine Seekarte lesen und interpretieren konnten und wir sie neben einer Kopflampe mit Rotlicht auch im Cockpit bereitliegen hatten. So war die Ansteuerung kein Problem. Zusätzlich haben wir unsere Position an noralgischen Punkten mit einer elektronischen Seekarte auf dem Tablet verifiziert. Navigation auf der Papierkarte MUSS beherrscht werden, nicht nur SOLLTE.

  7. Navigation mit Karte/Kompass/etc ist eine Kulturerrungenschaft wie Lesen/Schreiben, die “Kunst” sollte man bewahren. Aber wenn man meint, damit besser/sicherer navigieren zu können als mit elektr. Navi, der kann auch gleich Würfel und Sonnenscheibe bemühen

  8. Früher sind Piloten nach Straßenkarte geflogen. Heute erledigt das die elektronische Karte und das GPS. Die Technik entwickelt sich weiter, auch in der Seefahrt. Natürlich sollte man Papier Seekarten an Bord haben. Man kann sich allerdings die gesamte schöne neue Elektronik schenken, wenn man ihr nicht vertraut !

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