Seenotrettung mit Seenotsendern

PLB – Retter in der Not

Die sogenannten Personal Locator Beacons alarmieren über einen Satelliten die Rettungskräfte. Doch in Deutschland ist es unklar, ob der Notruf überhaupt ankommt

Die Vorstellung, das eigene Boot unter vollen Segeln und unter Autopilot von sich wegsegeln zu sehen, gehört zu den Albträumen des Seglers. War in der Vergangenheit in solch einer Situation alles verloren, besteht heute die Möglichkeit auf Rettung. Denn Notsender sind so klein geworden, dass sie in die Jackentasche oder gar in die Rettungsweste integriert werden können. Gerade die kleinen Personal Locator Beacons (PLB) scheinen die umgehende Rettung zu versprechen, da sie das Notsignal mit der genauen Position über ein Satellitennetzwerk senden und sich daher mitten im Nirgendwo Hilfe rufen lässt. Doch ganz so narrensicher scheinen die kleinen Wundergeräte nicht zu sein, denn wer nach dem Kauf den Sender bei der zuständigen Bundesnetzagentur registrieren lassen möchte, bekommt folgende Auskunft:

„Personenbezogene COSPAS-SARSAT Satelliten­funkbaken (Personal Locator Beacons, sogenannte PLBs) auf der Frequenz 406 MHz werden nicht mit einer MMSI konfiguriert. Sie können in der Bundesrepublik Deutschland nicht registriert werden. Notfall­alarmierungen durch PLBs sind in der bestehenden Rettungskette innerhalb der  Bundesrepublik Deutschland nicht vorgesehen. Bei PLBs, die von einer ausländischen Verwaltung registriert wurden, ist nicht sichergestellt, dass die zuständige Rettungsleitstelle bei einer Notfallalarmierung informiert wird.“

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PLB anmelden

Da PLBs prinzipiell registriert werden müssen, ließe sich für Deutschland sagen, dass sie nicht erlaubt sind. Doch ganz so dramatisch ist die Situation nicht. Ein PLB entspricht von der Technik her den gebräuchlichen EPIRBs (Emergency position-Indicating radiobeacon station) und werden innerhalb des COSPAS-SARSAT-Systems vorerst nicht unterschieden. Beide senden auf 406 Megahertz einen Notruf, der durch Satelliten im Orbit empfangen und an die Rettungsstellen geleitet wird. Erst zurück am Boden beginnt es unter Umständen kompliziert zu werden. Denn während die EPIRB auf ein Schiff zugelassen ist, wird der PLB auf eine Person registriert. Die EPIRB sendet dieselbe MMSI wie das Schiff, und kann daher am Boden gleich zugewiesen werden. Aus der internationalen Datenbank lässt sich erkennen, ob es sich um eine Yacht, einen Tanker oder Kreuzfahrer handelt und wie viele Personen sich maximal an Bord befinden. Für die einleitenden Rettungsmaßnahmen sind es wichtige Informationen. Drängt sich jetzt der Notruf eines PLBs dazwischen, wird er zwar ebenso behandelt, geht aber Umwege. Da der Notsender in Deutschland nicht personenbezogen registriert werden kann, muss auf einen Staat ausgewichen werden, in dem das üblich ist: England. Dort wird der Sender bei der Maritime and Coastguard Agency (MCA) eingetragen. Angeblich soll die englische Behörde darüber gar nicht so glücklich sein.

Die Rettungskette beimcAuslösen eines PLBs entspricht dem Ablauf einer EPIRB. Der Notsender empfängt seine unmittelbare Position mithilfe des GPS. Die Position und weitere Informationen schickt der Sender auf 406 Megahertz mit einer Sendeleistung von fünf Watt an die Satelliten des Cospas-Sarsat-Systems.
Die fünf geostationären oder polumlaufenden Satelliten leiten den Notruf an eine von 74 Bodenstationen weiter. Anhand der übermittelten Position und Daten wird die zuständige Rettungsgesellschaft alarmiert, die SAR-Einheiten losschickt
(Bild: Jan Bindseil)

Wird der Alarm solch einer PLB empfangen, wird er zuerst an das MRCC Falmouth weitergeleitet und dort bearbeitet. Aus der Datenbank wird dann ein deutscher Kontakt ausgelesen und MRCC Falmouth wendet sich um Unterstützung an das MRCC Bremen. Sollte die Position innerhalb des deutschen SAR-Gebietes liegen, übernimmt Bremen die weitere Koordination. Falls die Position außerhalb liegt, unterstützen die deutschen Seenotretter die Operation weiterhin. Soweit jedenfalls die Theorie. Nach Aussage der DGzRS verfügt die Seenotleitstelle in Bremen allerdings noch über keine praktischen Erfahrungen mit PLBs. Ebenso wie die Bundesnetzagentur lautet die Aussage der Seenotretter ebenfalls, dass PLBs kein Bestandteil der offiziellen Rettungskette sind. Solch eine Rettungskette ist vertraglich festgehalten. Dass PLBs nicht dazugehören, liegt schlicht darin begründet, dass sie im Vertrag (noch) nicht auftauchen. „Ist eine Alarmierungsmöglichkeit nicht Bestandteil einer offiziellen Rettungskette, gibt es keine Garantie für Sie, dass die Alarmierung Rettungsleitstellen erreicht“, lautet die Auskunft der DGzRS. Im Fall der PLBs ist eine Eintragung in der englischen Datenbank und die daraus resultierende Weiterleitung von England nach Deutschland der Schwachpunkt, der eine Rettungsmaßnahme eventuell verspätet anlaufen lässt. Allerdings führt sie nicht dazu, dass nichts unternommen wird.

PLB oder EPIRB

Da sich PLBs von EBIRBs nur in der Größe unterscheiden, ist es übrigens möglich, den PLB mit der schiffseigenen MMSI als EPIRB zu registrieren. So kann er in der Weste oder Tasche getragen werden und ausgelöst werden, falls das eigene Schiff ohne Skipper weiterfährt. Allerdings nur das eigene Schiff. Wer solch einen registrierten PLB mit auf ein anderes Schiff nimmt, kann die Rettungsmaßnahmen verzögern oder gar verhindern.

PLB oder AIS

Der größte Nachteil von PLBs beziehungsweise EPIRBS liegt in der fehlenden Empfangsmöglichkeit auf anderen Schiffen. Ein Containerschiff, das in zwei oder drei Meilen an einer Rettungsinsel mit ausgelöster EPIRB vorbei fährt, hat keine Möglichkeit das Notsignal zu empfangen und fährt womöglich vorbei, ohne Hilfe zu leisten. Zwar greift auch hier das internationale Notrufsystem, denn das Containerschiff würde früher oder später durch die zuständigen Seenotretter benachrichtigt werden, doch es vergehen wertvolle Minuten oder gar Stunden bis das geschieht.

Seit einigen Jahren sind AIS-SARTS sehr populär geworden. Sie senden im Notfall über die UKW-Frequenzen des AIS die Position und eine auf das Gerät registrierte MMSI aus. Im Gegensatz zu einer schiffsbezogenen MMSI beginnt die des AIS-SART nicht mit einer Länderkennung (beispielsweise 211 für Deutschland), sondern mit einer Gerätekennung. In diesem Fall ist es die 97. Ein AIS-Empfänger und Plotter erkennt anhand dieser Gerätekennung, dass es sich um einen AIS-SART handelt, und stellt diesen auf dem Display entsprechend anders dar und löst zudem einen Alarm aus. Wer solch einen Alarm empfängt, sollte ihn über Kanal 16 an Bremen Rescue weitergeben und in Kontakt bleiben, falls die Position in der Nähe liegt. Bei einem Test in Zusammenarbeit mit der DGzRS vor Warnemünde im Jahr 2012 gingen die AIS-Alarme, die wir in Absprache auslösten, alle in Bremen ein.

Da die MMSI bereits in das Gerät einprogrammiert ist, muss ein AIS-SART nicht extra registriert werden, sondern kann sofort genutzt werden. Im Gegensatz zu PLBs verfügen einige Geräte über eine automatische Auslösung. Beispielsweise durch das Aufblasen der Rettungsweste, die eine Reißleine aus dem Gerät zieht. Weatherdock hat sich durch die Auslösung bei Rettungswesten inspirieren lassen und einen kleinen Automaten mit Zellulosetablette in den easy one eingebaut, die sich bei Wasserkontakt auflöst und das Gerät auslöst.

PLB mit AIS

Die Einsatzmöglichkeiten von PLBs und AIS-SARTs sind klar definiert und unterscheiden sich von ihrer Funktionsweise stark. Das birgt einige Nachteile, denn ein PLB kann beispielsweise von Bord aus nicht lokalisiert werden. Im Gegensatz dazu sendet ein AIS-SART kein Notsignal über das Satelliten-System. Ein Gerät, das beide Systeme vereint, steht auf der Wunschliste vieler Segler ganz oben. Der Wunsch könnte wahr werden. Die Firma FT-Tec aus Österreich stellte mit dem SA16+ den ersten PLB/AIS-Notsender vor. Bisher ist das Gerät allerdings nicht erhältlich. Auf wiederholte Anfragen unsererseits bezüglich weiterer Informationen reagierte das Unternehmen bis Redaktionsschluss nicht. Einen Einführungspreis konnten wir daher nicht in Erfahrung bringen. Auch zieht sich die Zulassung jetzt bereits seit mehreren Jahren hin.

Wird der SA16+ ausgelöst, sendet er einen Alarm über die AIS-Frequenzen aus, der laut Herstellerangabe circa zehn Seemeilen weit reichen soll. Parallel zu dem AIS-Signal sendet das PLB-Modul auf 406 Megahertz ein Notsignal an das COSPAS-SARSAT Satellitensystem, um die weltweite Rettungskette in Gang zu setzen.

 

PLB-Modelle

OceanSignal PLB1

Preis: 299 Euro
GPS-Kanäle:  66
Frequenzen: 406 Mhz, 121,5 Mhz (Homing)
Sendeleistung: 5 Watt (406 Mhz),
50 mW (121,5 Mhz)
Wasserdicht: 15 Meter
Betriebszeit: Mindestens 24 Stunden bei -20 Grad Celsius
Gewicht: 116 Gramm
Batteriewechsel: nach 7 Jahren
Aktivierung: manuell
Abmessung: 77x51x33 mm
Schwimmfähig: Nur mit Schwimmtasche

ACR Aqualink

Preis: 449 Euro
GPS-Kanäle: k.A.
Frequenzen: 406 Mhz, 121,5 Mhz (Homing)
Sendeleistung: 6,3 Watt (406 Mhz), 50 mW (121,5 Mhz)
Wasserdicht: 5 Meter, max. 10 Meter
Betriebszeit: Mindestens 24 Stunden bei -20 Grad Celsius
Gewicht: 257 Gramm
Batteriewechsel: nach 6 Jahren,
11 Jahre lagerbar
Aktivierung: manuell
Abmessung: 592x148x37 mm
Schwimmfähig: ja

ACR Aqualink View

Preis: 639 Euro
GPS-Kanäle: k.A.
Frequenzen: 406 Mhz, 121,5 Mhz (Homing)
Sendeleistung: 6,3 Watt (406 Mhz),
50 mW (121,5 Mhz)
Wasserdicht: 5 Meter
Betriebszeit: Mindestens 24 Stunden  bei -20 Grad Celsius
Gewicht: 261 Gramm
Batteriewechsel: nach 6 Jahren,11 Jahre lagerbar
Aktivierung: manuell
Abmessung: 58x149x37mm
Schwimmfähig: ja
Besonderheit: Display mit Selbsttest

ACR ResQlink

Preis: 299 Euro
GPS-Kanäle: 66
Frequenzen: 406 Mhz, 121,5 Mhz (Homing)
Sendeleistung: 5 Watt (406 Mhz),
50 mW (121,5 Mhz)
Wasserdicht: 5 Meter, max. 10 Meter
Betriebszeit: Mindestens 30 Stunden  bei -20 Grad Celsius
Gewicht: 130 Gramm
Batteriewechsel: nach 5 Jahren
Aktivierung: manuell
Abmessung: 3x48x99 m
Schwimmfähig: Nein, Modell ResQlinkPlus ja

McMurdo Fastfind 220

Preis: 329 Euro
GPS-Kanäle: 50
Frequenzen: 406 Mhz, 121,5 Mhz (Homing)
Sendeleistung: 5 Watt (406 Mhz), 50 mW (121,5 Mhz)
Wasserdicht: 5 Meter
Betriebszeit: Mindestens 24 Stunden  bei -20 Grad Celsius
Gewicht: 150 Gramm
Batteriewechsel: nach 6 Jahren
Aktivierung: manuell
Abmessung: 34x47x106 mm
Schwimmfähig: Nur mit Schwimmhülle
Besonderheit: LED SOS-Morselicht,  Selbsttes

Kannad Safelink Solo PLB

Preis: 329 Euro
GPS-Kanäle: 50
Frequenzen: 406 Mhz, 121,5 Mhz (Homing)
Sendeleistung: 5 Watt (406 Mhz), 50 mW (121,5 Mhz)
Wasserdicht: 10 Meter
Betriebszeit: Mindestens 24 Stunden
Gewicht: 150 Gramm
Batteriewechsel: nach 5 Jahren
Aktivierung: manuell
Abmessung: 57,2×149,4×37,8mm
Schwimmfähig: ja
Besonderheit: LED SOS-Morselicht,  Selbsttest

 

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