Sailing-Sounds recorden

Vorbeirauschende Luft dient nicht nur unserer Fortbewegung auf dem Wasser, sondern auch für eine wunderbare Sound-Kulisse. Diese Klangeindrücke beim Segeltörn auf einer Audio-/Videoaufnahme einzufangen, ist aber schwierig – der Windzug sorgt im Mikrofon für polternde Störungen, die viele Aufnahmen unbrauchbar machen. Ein paar Tipps gegen den Sound-Frust

Ohne Luft kein Klangtransport zu unseren Ohren. Nur können Mikrofone nicht unterscheiden zwischen dem gewünschtem Wohl- oder Dramaklang und einer Böe, die es in der Aufnahme nur poltern und krachen lässt. Auch ohne Mikrofone sorgt schon der reine Windkontakt am Kopf für eine kräftige Geräuschkulisse am Ohr: Radfahrern fällt es deswegen schwer, herannahende Autos rechtzeitig zu hören, nochmals verstärkt leiden Hörgeräteträger darunter. Als Segler macht man sich dies sogar unwillkürlich zunutze: Eine Windrichtung spürt man einfacher, wenn man ein wenig mit dem Kopf pendelt und an den Ohren nicht nur die Temperatur des Windzugs spürt, sondern auch das leichte Rauschen an der Ohrkante.

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4 Tipps gegen Windstörungen in Segelvideos

  • Windeinflüsse müssen (auch vom internen) Mikrofon unbedingt ferngehalten werden
  • besser ein provisorischer Schutz (Socke ums Smartphone, draufgetapeter Schaumstoff), als gar keiner
  • nachträglich lassen sich Störungen kaum noch entfernen: Hochpass-/Low-Cut-Filter nutzen
  • externe In-Ear-Mikrofone liefert drastisch besseren Sound, sind vertretbarer Zusatzaufwand, müssen aber auch vor Wind geschützt werden. Und sei es durch die zugezogene Kapuze!

Inhalt

Mikrofone und ihr Gegner „Wind“

(Mikrofon-)Katzen an Bord

Ausprobiert: Recorder, Smartphone, DSLR

In-Ear-Mikrofone – eine Lösung?

Segelpraxis mit dem Ambeo-Mikrofon

Segler-Kunstkopf unter der Kapuze

Aufnahmepositionen: Eingeschränkte Perspektiven an Bord

Audio-Nachbearbeitung der Segelfilme: Funktioniert De-Wind?

Windschutzideen


Mikrofone und ihr Gegner „Wind“

Den kratzigen Audioeffekt kennt jeder, der einmal bei etwas Wind mit seinem Smartphone eine kurze Aufnahme gestartet hat: Es krächzt einfach nur furchtbar und klingt eher nach „Holzpalette schleift über rohen Estrich“ als „Wind in den Segeln“. Mikrofone sollen zwar den Sound (also feinste Luftbewegungen) registrieren, der überlagerte kräftige Luftzug von mehreren Bft aber soll das Signal nicht poltern oder gar clippen/übersteuern. Dabei handelt es sich ja aber um die jeweils gleichen „Luftpartikel“! Hier hilft nur, den Windzug vom Mikrofon fernzuhalten.

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(Mikrofon-)Katzen an Bord

In der Recording-Technik gibt es bewährte Gegenmittel. Besonders schnell setzen die tieffrequenten Attacken ein; kein Wunder, wenn man sich Frequenz und Wucht dieser böigen Windbewegungen vor Augen führt. Der bekannteste Schutz ist die „Tote Katze“: Um das gefedert aufgehängte Mikrofon wird ein großer Korb gebaut, der mit einem durchlässigen Fell ummantelt ist, sodass die Wucht des Luftzugs abgebremst wird. Jenseits eines professionellen Aufnahmeteams ist das natürlich unpraktikabel: Wenn man nicht als Reportage-Team an Bord, sondern nur allein oder zu zweit in der Nässe auf dem Boot unterwegs ist – wie soll man sich dann noch um eine Mordskonstruktion mit Tonangel, Kabeln usw. kümmern?

Richtig mikrofoniert gegen den Wind: NDR-Dreh bei “Klassisch am Wind”. So eine “tote Katze” gilt es praktikabel nachzubilden (Bild: Mike Peuker)

Alternativ behilft man sich daher mit direkt am Mikrofon befestigten Schaumstoffbällen oder – viel besser – durchlässigen Fellstücken. Aber auch das nützt einem bei einem Spaß-Törn nix, wenn man an der Pinne sitzt und spontan denkt: Wow, das muss ich schnell filmen! Denn dann hat man nur das Smartphone zur Hand, oder vielleicht die Kompaktkamera oder DSLR.

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Ausprobiert: Recorder, Smartphone, DSLR

Auf mehreren Folkeboot-Touren (der geklinkerte Rumpf produziert eine ganz eigene Sound-Ästhetik) haben wir mittlerweile etliche Aufnahmemöglichkeiten ausprobiert, denen eins gemein war: Unsere Aufmerksamkeit galt in der Linie dem Segeln, das Recording lief irgendwie nebenher. Im Zweifelsfall guckt man besser einmal mehr auf die Seekarte als auf die Kamera und verpasst lieber eine schöne Aufnahme als die Hafeneinfahrt. Und immer berücksichtigend: Das „richtige“ Toningenieurs-Equipment blieb bewusst zu Hause, es ist Urlaub (und auf dem Folkeboot eh recht eng).

Kleiner Digitalrecorder – keine schlechte Idee, aber: Etwas windgeschützt im Cockpit z.B. kann man (auch ohne gleichzeitige Videoaufnahme) schöne Basissounds einfangen, die man dann später unter „mißratene“ Smartphone-Videoclips mischt. Will man sicher sein, den Sound aufzunehmen und nicht nur Störungen: Mindestens eine dicke Socke über die Mikrofone ziehen. Aber bezüglich der Praktikabilität – will man gleichzeitig steuern, filmen und auch noch den Recorder bedienen?

Schon mit einem einfachen Recorder (mit der Aussteuerung vertraut machen!) wird der Ton zwar deutlich besser. Muss aber danach zum Bild synchronisiert werden – und nicht vergessen, die Mikrofone vor Wind zu schützen! (Bild: Detlef Hoepfner)

Smartphone – na ja: Die meisten Videos nimmt man vermutlich eh damit auf, also läuft auch dessen Mikrofon mit. Die Smartphones stecken meist in einem wasserfesten Case, das bereits das Mikrofon stört. Unsere Überraschung: Die Windgeräusche sind dadurch eher noch heftiger als ganz ohne Hülle. Aber zum Case gibt es keine Alternative, schon weil man das Smartphone dadurch per Sicherungsband mal irgendwo sichern kann, damit es nicht herumfliegt.

DSLR – interner Schrottsound: Die eingebauten Mikrofone einer Kamera liefern zwar ein Stereobild, sind bezüglich Windanfälligkeit aber das pure Grauen. Man könnte Fellschnipsel draufkleben, wir haben auch schon mal schnell ein Halstuch um die Optik (und damit vor die Mikrofone) gewickelt. In der aktuellen Saison haben wir das Halstuch vergessen, Resultat: 100% Soundschrott! Es gibt natürlich Aufsteckmikrofone, die man auch mit einem Fellschutz windsicherer machen kann. Aber die Kamera (derzeit D750) rollt bei uns gelegentlich beim Segelmanöver zwischen Tauen und den Füßen auf dem Cockpitboden herum (denn tiefer kann sie dann ja kaum noch fallen) – da steckt man doch nicht noch zerbrechlichen Klimbim oben an die Kamera dran.

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In-Ear-Mikrofone – eine Lösung?

Es gibt schon länger eine kleine Szene von Nerds, die als Sonderanfertigungen oder Kleinserien kompakte Mikrofone in der Form von In-Ear-Mikrofonen tragen und witzige Videos drehen, in denen sich ein sehr plastischer, immersiver Surround-Sound der Umgebungsklänge erleben lässt. Zusätzlich zum üblichen links/rechts entstehen (in Grenzen) auch Effekte vorne/hinten, man fühlt sich sehr vom Sound umhüllt. Einschränkung: Es funktioniert nur bei Kopf-/Ohrhörerwiedergabe, die ja aber eh derzeit sehr verbreitet ist. Soundman in Berlin ist einer dieser Pioniere.

Sennheiser hat diese Idee 2017/2018 ebenfalls aufgegriffen und in ein Serienprodukt überführt. Superpraktisch: Es kann ohne externes Interface direkt an einem einigermaßen aktuellen iPhone betrieben werden, und es dient auch gleichzeitig als Hörer. Sport- oder Actionszenen stehen dabei aber derzeit wohl nicht an erster Stelle. Unter dem „Ambeo“-Label forciert Sennheiser darüber hinaus aber auch eine ganze Reihe professioneller Produkte rund um die Produktion immersiver Sounderlebnisse, die Kollegen von Sound&Recording stellen sie hier vor.

Sennheiser Ambeo Smart Headset mit Bedieneinheit, zwei Ohrbügeln incl. Hörern, Mikrofonen und Smartphone-Stecker (Bild: Detlef Hoepfner)

Könnte diese Hörer/Mikrofon-Kombination für Smartphones auch beim Segeln eine Lösung sein, wo man doch rundum von tollem Gluckern und Rauschen umgeben ist? Also ab nach draußen mit Sennheisers Ambeo-Hoffnungsträger, der für einen Immersive-Sound-Grundlagenartikel auf www.production-partner.de sowieso zur Hand war. Mit den diversen Schaltern und Knöpfen sollte man sich doch besser mal fünf Minuten beschäftigen: Es gibt einige Funktionen, die auch das Wahrnehmen von Umgebungsgeräuschen verbessern, wenn man mit die Stöpseln im Ohr hat.

Die drei ersten Ergebnisse mit dem Sennheiser Ambeo vor dem Törn:

  • Das Sennheiser Ambeo liefert eine sehr schöne Raumabbildung. Da kann man jetzt lange nerdig über die Qualität der Vorne- oder Hinten-Ortung diskutieren – aber hey, das ist ein Consumer-Produkt. Und über die internen Wandler kann man aktiv mithören, man ist während der Aufnahme nicht isoliert. Gut!
  • Das Sennheiser Ambeo ist nicht weniger windanfällig. Die Hoffnung, dass Form, Abstimmung und Position der Mikrofone in den Ohren vielleicht besondere Vorteile bezüglich der Windanfälligkeit böten, hat sich leider nicht bestätigt. Dennoch sind später beim Segeln sehr coole Aufnahmen entstanden.
  • Die Handhabung: Erst heißt es immer, die Kabel zu enttüddeln und den richtigen Stöpsel ins richtige Ohr zu bekommen. Auf Dauer würde man sich bestimmt rot/grüne Markierungen für Back- und Steuerbord-Ohr drankleben.

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Segelpraxis mit dem Ambeo-Mikrofon

Gelegenheit zum Praxistest gab es 2018 sieben Tage lang auf dem Wasser rund um diverse dänische Inseln – theoretisch. Tatsächlich mit dem Ambeo aufgenommen wurde dann … leider nur rund eine halbe Stunde in Summe. Denn selbst bei einer ganzen Woche auf dem Folkeboot (einem über 70 Jahre alten Schmuckstück von www.klassisch-am-wind.de), ist man so viel mit wunderbaren Aufgaben wie Segelpraxis, Törnplanung, Wetterbeobachtung, Kartenarbeit, Kartoffelschälen oder Löcher-in-die-Luft-gucken beschäftigt, dass der ganze Elektronikkram in den Hintergrund rückt. Und sicheres Ankommen via attraktiver Routen steht im Vordergrund.

Die größte praktische Einschränkung: Man hat schon eine Segeljacke an – jedenfalls bei unseren fast durchgängig sehr stürmischen Tagen. Darüber die Rettungsweste, bei gegebenem Seegang oft mit Lifebelt. Das Smartphone (mit zusätzlich laufender Seekarten-App) wasserdicht verpackt in der Hosentasche. Jetzt noch zwei filigrane Kabel sortieren, Mikrofonstöpsel in die Ohren, das iPhone-Case öffnen und Mikrofon und Smartphone verbinden? Bei ruppigem Wetter eine Herausforderung. Aber die Alternative ist ja: Einfach am Smartphone den roten REC drücken und mit meist komplett unbrauchbarem Ton nach Hause kommen.

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Segler-Kunstkopf unter der Kapuze

Und wieder der Wind. Gegen die Windempfindlichkeit testeten wir zuvor einige banale Tricks, wie ein über die Ohren hochgezogenes Halstuch (kein überzeugendes Ergebnis, und hoffentlich hat uns niemand beobachtet …). Unterwegs griffen wird dann mehr oder weniger aus Ratlosigkeit dazu, einfach die Kapuze der Regenjacke über die Mikrofone in den Ohren zu ziehen.

Dem Audioprofi dreht sich da natürlich der Magen um: Nicht wegen der Schaukelei, sondern ein „Kunstkopfmikrofon am lebenden Subjekt“ mit drübergezogener Kapuze macht jetzt nicht so viel Sinn: Die ganzen Reflexionen rund um die Ohrmuschel werden ja total gestört, erhalten bleiben immerhin die Laufzeitunterschiede zwischen den Ohren. Und für die Hochtonaufnahme ist das auch nicht erste Wahl. Dabei ist ja ein Audioeffekt besonders schön: Im Folkeboot sitzt man sehr tief direkt in der Nähe der Wasseroberfläche. Die vom geklinkerten Rumpf gebrochenen Wellen rauschen direkt neben einem vorbei. Milliarden von winzigen Bläschen zerplatzen und erzeugen einen ganz eigenen Sound. Alles da in der Realität: Bässe vom zitternden Rumpf bis zu feinen Höhen in den Wellen.

Super bewährt hat sich neben dem fetten Sound auch das aktive Mithören während der Aufnahme bei den Sennheisers: An Bord bei etwas Welle herumkletternd bekommt man ja direkt ein ungutes Gefühl , wenn die Ohren zustöpselt sind. In dem Moment merkt man erst, wieviel Orientierungssinn auch über das Gehör läuft. Bei aktivierter Elektronik hört man dagegen eher so, als wären die Stöpsel gar nicht im Ohr – sozusagen das Gegenteil des (ebenfalls möglichen) Noise Canceling.

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Schöne Aufnahmepositionen: Man kann ja nicht weit weg auf dem Boot

Aufgenommen wurden mehrere Positionen: Tief über dem Wasser in Lee nach vorne sehen, dann nach hinten übers Heck blickend (und dadurch mehr von der Kapuze geschützt, da der Wind ja bei den meisten Kursen eher vorlich einfällt). Noch geschützter tiefer im Cockpit sitzend, wobei ein zweiter Sound immer stärker dominiert: Wenn der durch die Klinkerbauweise „stufige“ Holzrumpf in die Wellen taucht, produziert er recht fette, tieffrequente Klänge, die zuletzt noch im Bootsinneren aufgenommen wurden. Dort drinnen natürlich ohne Kapuze, wobei hier wenig Hochfrequenzanteile zu vernehmen sind, bis auf das diverse Geklapper von einigem Krempel (wie sicher man vorher auch alles verstaut haben mag). Die Ergebnisse sind, nachdem noch ein jeweils angepasster Hochpass gegen die verbliebenen Wind-Rumpler angewendet wurde, angesichts der Umstände verblüffend gut!

(Bild: Detlef Hoepfner)

Unser Favorit im Video: Der Blick auf den Kompass im Cockpit, der wenig Wind einfing, daher noch viel Tieftoninhalt behalten durfte und eine Mischung aus donnerndem Holzrumpf, rauschenden Wellen und den diversen Bootsgeräuschen bietet.

Auch ein seitlicher Blick in Lee zum Bug bietet dem Audiophilen einen Hörgenuss: An Backbord rauschen die Wellen von vorne seitlich nach hinten vorbei, an Steuerbord dominiert der Boots-Sound, und zwischendurch klappern Details wie der Schäkel, der am Großbaum irgendwo über/hinter einem für die herunterhängende Dirk angeschlagen ist. Schwierig zu unterscheiden ist manchmal, woher einige der „Crackles“ in den Aufnahmen stammen: Es kann sich um kleine Klappereien am Boot handeln, Wasserspritzer, das Schaben der Regenjacke am Mikrofon – oder kommen sich da Mikrofon und Haare in die Quere? Also direkt mal zum Friseur, Ohren freischneiden.

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Audio-Nachbearbeitung der Segelfilme: Funktioniert De-Wind?

Verlockend ist die Perspektive, die ganzen Fehler und Audiostörungen eines Videoclips in der Nachbearbeitung mit ein, zwei Tricks schnell zu korrigieren. Das ist im Fall der Windgeräusche eine Illusion. So lange es sich um sehr tieffrequente Störungen handelt, kann man diese – wie bei unseren AmbeoAufnahmen unter der Kapuze praktiziert – mit einem Hochpass dämpfen. Die Windrumpler verschwinden weitgehend, damit aber auch der “Rumms”, wenn die Welle den Bug trifft. Da kann man noch ein wenig pfuschen (wie im Intro des verlinkten Videos), indem man eine saubere Aufnahme im LF druntermischt. Zur Verdeutlichung ein Beispiel, aufgenommen im Hafen: Das wiederholte Muster aus senkrechten orangen Linien sind die schlagenden Fallen rundum, auf dem rechten Ohr (unten) besonders am Anfang Windstöße, und durchgängig “Low-End-Verzerrungen” im LF-/Tieftonbereich als hellorange Basis, die alle tiefen Klänge überdecken.

Besonders problematisch ist aber, wenn die Windstörungen im Frequenzspektrum sehr breit ausfallen. Und das ist meistens der Fall. Noch schlimmer: Es handelt sich nicht um einzelne, kleine Audioevents, sondern die Störung dauert mehrere Sekunden an. Die Videoaufnahme in Luv stehen und zum Bug blickend zeigt, dass dann die Abhilfe via Hochpassfilter schnell zu Frust führt: Die Aufnahme wird dann ziemlich “dünn”, weil man das Filter bis in den Mitteltonbereich hochschieben muss.

Der kräftige Windstoß anfangs auf dem rechten Ohr reicht im Spektrum bis über 1 kHz hinauf (gelbe Fläche im Kreis) – per Hochpassfilterung würde hier schon viel von der Aufnahme verloren gehen (Bild: Detlef Hoepfner)

Aber können hier nicht moderne Features wie das De-Wind-Plugin von iZotope RX6 rettend eingreifen? Nach unserer Erfahrung: Schwierig. Die Tools sind dazu entwickelt, aus einer nicht idealen Aufnahme ein konkretes Nutzsignal – wie einen Dialog – sauber herauszuisolieren. Wir haben aber breitbandiges Meeresrauschen, lange brechende Wellen, Windheulen im Rigg – wie soll da ein Algorithmus unterscheiden, welches Rauschen gewollt und welches böse Windstörungen in der Mikrofonkapsel sind? Wie auch immer wir die Parameter gedreht habe: entweder es blieb die Windstörung, oder es gab viel Artefakte, oder beides.

Windstörungs/Wellen-Mix von Bord – das zu trennen, würde ewig dauern (Bild: Detlef Hoepfner)

Was dagegen möglich ist, ist das partielle Entfernen kurzer Störungen Schnipsel für Schnipsel, eventuell getrennt für L und R. Auch die Rettung via Spektral-Repair kann da erfolgreich sein. Aber wenn man sich oben einmal dieses Spektrum von Bord ansieht, aufgenommen mit einem durchschnittlichen Smartphone: Völlig übertrieben, hier jetzt nächtelang die einzelnen Windstörungen im Mikrofon (grün, hundertfach sich wiederholend) vom Wellenrauschen (blau) trennen zu wollen. Vermutlich bekäme man eher das gewünschte Nutzsignal – Wellen- und Wasserrauschen – weggerechnet …

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Windschutzideen

Langer Rede kurzer Sinn: Mit den In-Ear-Mikrofonen bekommt man tolle, über Ohrhörer auch wunderbar räumlich-authentische Sounds hin, aber was auch immer man benutzt: es geht kein Weg an einem Windschutz vorbei. Und sei es eine schnell übers Mikrofon oder Smartphone gezogene Socke. Nach einiger Grübelei entwickelten wir eine weitere Idee für die smarten In-Ear-Mikrofone: Man müsste doch eine Art Kopfhörer bauen, nur als Windschutz … Um dann festzustellen, dass Rycote sowas bereits für die Soundman-Mikrofone baut und über die gängigen Musiker-Onlineshops anbietet. [Emoticon: flache Hand vor die Stirn schlagend …] Kann dann ja wohl nicht so abwegig sein!

Stattdessen haben wir noch zwei andere Abdeckungen gegen den Wind getestet: Als Alternative zu winterlichen Ohrwärmern gibt es paarweise Earbags in diversen Ausführungen. Aus Audiosicht sind natürlich gegen den Wind die „felligen“ Varianten besser; eine gewisse Leidensfähigkeit ist aber nicht nur aus optischen, sondern im Sommer auch aus thermischen Aspekten hilfreich. Sie werden einzeln über die Ohren gestülpt und verbessern Detlef Hoepfner tatsächlich den Sound etwas, indem sie Wind aus den Mikrofonen fernhalten – was dennoch bleibt, ist das störende Windgeräusch an den Ohrkanten. Zum Getümmel mit den Ohrmikrofonen kommen dann halt noch einmal diese zwei Überzieher, die immerhin gut zu verstauen sind.

Location-Recording … der Windfree hält bereits ganz gut Windstörungen von den Ambeo-In-Ear-Mikrofonen ab (Bild: Detlef Hoepfner)

Deutlichere Verbesserungen versprachen wir und durch eine Art Vorstufe zum professionellen Windschutz von Rycote, dem schwedischen Windfree: Er ist dazu gedacht (ganz ohne Mikrofonambitionen), sich beim Radfahren gegenseitig besser zu hören, indem man die Windgeräusche von den Ohren freihält. Ein Nackenbügel hält zwei Ohrmuscheln mit Schaumstoffeinsätzen, recht einfach verarbeitet, scheint einigermaßen stabil zu sein, aber für ein wenig Plastik überraschend teuer. Das Ergebnis: Er hält tatsächlich deutlich Wind und damit Tonstörungen ab. Auch ist er an Bord einigermaßen praktikabel und unempfindlich. Aufnahmeseitig optimal wäre sicher noch eine zusätzliche Fellschicht außen drauf. Größter praktischer Nachteil, auch wenn der Hersteller mit einigen Seglerfotos wirbt: Der Bügel verläuft hinterm Kopf relativ tief, und stößt damit gerne gegen einen hohen Kragen oder die Rettungsweste.

Fazit

Womit man dann fast schon wieder beim erwähnten Profi-Windschutz von Rycote wäre … und dem Fazit: Es hilft alles nix, außer man hält den Wind irgendwie vom Mikrofon weg – sei es per Kapuze, Mütze, einer dicken Socke oder im Idealfall einem fellartigen Windschutz. Belohnt wird man durch einen viel „wassersportlicheren“ Sound. Und wenn man noch zu Sennheisers smartem Ambeo greift: mit einer sehr plastischen Räumlichkeit, wie man sie in unserem Workshop-Video erlebt. Ein Gefühl, fast wie an Bord.

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Ein Gastbeitrag von 

Disclaimer: Boot gechartert bei Mike Peuker www.klassisch-am-wind.de, zusätzliche Aufnahmen und Tests bei www.segeln.ruhr, kreative Diskussionen mit den Jungs von www.soundandrecording.de und www.kameramann.de, Sennheiser Ambeo für ein anderes red. Thema geliehen bei Sennheiser

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