Seenotortung aus dem All geht in Erprobung

Wissenschaftler der Universität Leicester und Raumfahrtunternehmen arbeiten an einem System zur Ortung von Objekten auf den Weltmeeren, basierend auf hochauflösenden Satellitenbildern. Dies könnte die küstenferne Rettung aus Seenot maßgeblich verbessern

Theoretisch ist jeder Punkt auf der Erde innerhalb von 24 Stunden von Rettungskräften zu erreichen. Theoretisch. Voraussetzung hierfür ist, dass die Rettungsdienste (SAR) die Position eines Havaristen kennen. Oft sind zumindest ältere Positionsangaben oder Informationen über geplante Routen vorhanden, von denen ausgehend ein Suchgebiet definiert wird. Dies kann sich schnell über einige Hundert bis Tausende Quadratkilometer ausdehnen.
Wie zuletzt der Absturz des malaysischen Flugzeugs MH370 gezeigt hat, stehen die Retter noch immer vor dem Problem der Ortung. Selbst heutzutage, unter Zuhilfenahme modernster Technologien, verschwinden große Objekte, teilweise spurlos.

Wie sieht die Situation dann erst für Segler aus, die nicht die modernen Systeme eines Passagierflugzeugs an Bord haben und dazu deutlich kleiner sind? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt sich Dr. Nigel Bannister vom Fachbereich für Physik und Astronomie der Universität Leicester in Großbritannien:
„Wenn Sie sich auf dem offenen Meer befinden und Sie in Schwierigkeiten geraten, besonders in einem kleinen Boot, gibt es eine signifikante Chance, dass Sie nicht gefunden werden. Derzeit gibt es ein großes Problem bei der Ortung kleiner Fahrzeuge im Seeverkehr“.

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Die Idee ist es, die Bilddaten von kommerziell genutzten Satelliten zu nutzen und im Seenotfall auszuwerten, um Hinweise über die Position des Havaristen zu erlangen. In einer vorbereitenden Studie wurden 54 Satelliten identifiziert, die für diesen Zweck genutzt werden könnten. Der Vorteil hierbei ist, dass diese Satelliten bereits existieren und momentan ausschließlich Landmassen fotografieren. Die entstehenden Kosten würden sich also größtenteils auf die Entwicklung von Software zur Auswertung der Bilddaten beschränken.

Dr. Bannister weiter: „Wenn wir alarmiert werden, weil ein Schiff verloren gegangen ist, erlauben uns die Bilder die zuletzt beobachtete Position genau zu bestimmen. Dies könnte sehr mächtig sein, um die Größe des Suchbereichs einzuschränken und könnte die Zeit, die es braucht, um vermisste Boote oder Flugzeuge hoffentlich zu finden, reduzieren.“

Beteiligt an der Entwicklung des Systems sind neben der Universität Leicester das Neuseeländische Verteidigungsministerium und der Satellitenbetreiber DMC International Imaging. In der aktuell angelaufenen Testphase arbeiten die Wissenschaftler daran, das Bildmaterial der NigeriaSat 2 und UK-DMC 2 Satelliten automatisch auszuwerten, um Schiffe zu erkennen.
Geplant sei, das System innerhalb der nächsten paar Jahre einsatzbereit zu haben.

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