Seekarten

Unterschiede zwischen Vektor- und Rasterkarten

Der NV-Verlag bietet seine digitalen Ostseekarten jetzt auch als Vektorkarte an. Doch was sind die Unterschiede?

In den frühen 1990er Jahren erschienen die ersten elektronischen Seekarten auf dem Markt. Schon 1992 definierten die International Hydrographic Organi­zation (IHO) und die International Maritime Organization (IMO) eine einheitliche Regelung, wie die Daten für amtliche elektronische Karten gesammelt, ausgetauscht und an Bord angezeigt werden müssen. Heraus kam die S-57- Karte, die auch das BSH aus ihren Daten erstellt. Wichtigster Punkt des Standards ist die Realisierung als Vektorkarte und nicht als Rasterkarte. Bei Rasterkarten werden bestehende Papierseekarten als Grafik gespeichert und auf einem Bildschirm dargestellt. Da die Karte aber nur im Originalmaßstab ausreichend dargestellt werden kann, verpixelt die Darstellung bei einer höheren Zoomstufe. Vektorkarten werden hingegen aufwendiger erstellt und unterscheiden sich grundlegend von Rasterkarten, indem alle Elemente der Karte wie Linien oder Seezeichen mit ihrer geographischen Lokalisierung in einer Datenbank gespeichert werden. Aus dieser Datensammlung wird quasi bei jeder Zoomstufe übergangslos ein neues Bild generiert. Da jedes Element noch mit weiteren Informationen ausgestattet werden kann, kann einer Tonne beispielsweise die Information mitgegeben werden, nur ab einer bestimmten Auflösung (Zoomstufe) eingeblendet zu werden. Durch diese Attribute genannten Zusatzinformationen kann die Vektorkarte besser auf (kleinen) Monitoren dargestellt werden, da die Informationsfülle automatisch an die Auflösung angepasst wird – wenn die Attribute denn einheitlich und nach durchdachten Kriterien vergeben werden. Ein sicherheitsrelevanter Punkt der Vektorkarte: Bewegt sich die GPS-Position auf ein Element mit einem Attribut, das ein Flachwassergebiet angibt, kann das System eine Warnmeldung abgeben. So können mittlerweile Routenchecks durchgeführt werden, bei der das Programm prüft, ob die geplante Route für das Schiff Gefahrenstellen birgt.

Doch auch Vektorkarten unterscheiden sich in ihrem Aufbau untereinander. Drei Systeme konnten sich etablieren: Die standardisierte S-57 baut auf sechs verschiedenen Zellentypen auf. Die Zellen entsprechen bei der BSH Karte in etwa den verschiedenen Maßstäben der Papierkarten und reichen von einer Zelle mit kleinem Maßstab (Übersegler) bis hin zum größten Maßstab in Form von Detailplänen. Da jede Zelle auf einer eigenen Vektorkarte basiert, kann sich die Darstellung wie beispielsweise die Farbe der Tiefwasserbereiche beim Wechsel durch die Zellen verändern. Beim Einzoomen in ein entsprechendes Seegebiet wählt das System die geeignete Zelle aus. Es kann passieren, dass zwei Zellen übereinander gelegt werden, sodass die einzelnen Maßstäbe nicht mehr richtig zueinander gehören und Tiefenlinien und andere Hilfsmittel deutlich versetzt sind. 

Das zweite System basiert auf verschiedenen Ebenen und entspricht im Grunde der Zellenstruktur. Navionics setzt beispielsweise auf eine Datenbankstruktur, aus der stufenlos eine einzige Karte abgebildet wird. Sprünge zwischen verschiedenen Vektorkarten mit unterschiedlicher Farbgestaltung treten im Datenbanksystem nicht auf – jede Ansicht basiert auf der Ursprungskarte mit dem größten Maßstab. Ausnahme bilden die Hafenpläne, die gesondert eingesetzt werden.

Digitale Seekarten ausprobieren

In der App des NV-Verlages lässt sich jetzt von Raster- auf Vektorkarten umschalten

Wer sich beide Arten von digitalen Seekarten genauer anschauen und untereinander vergleichen möchte, kann bis zum 30. Juni 2019 kostenlos die NV-Karten für die Kieler Bucht ausprobieren. In der App lässt sich von Raster- auf Vektorkarten umschalten, sodass ein direkter Vergleich möglich ist. Hier wird erklärt, wie Sie die digitalen Karten herunterladen und nutzen können.

2 Comments

  1. So weit die Theorie, wo Vektorkarten immer die besseren sind. In der Praxis sind Vektorkarten erschreckend LEER, verglichen mit Papierkarten.

  2. Ob leer oder nicht – dazu habe ich mit NV Charts, Kartenwerft und iSailor mal eine Sammlung vergleichender Kartenausschnitte nebeneinander gestellt: http://www.sailsoundsoul.de/sailing/ostsee-seekarten-raster-vektor-app-vergleich/

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