Additive um der Dieselpest vorzubeugen dürfen ab Ende 2018 nicht mehr verkauft werden

Verkaufsverbot für Dieseladditive

Die Nachricht, dass biozidhaltige Diesel-Additive nicht mehr im freien Handel für Privat-Verbraucher verfügbar sein sollen, dürfte zum Beginn der Wintersaison in der Wassersportszene auf Unverständnis stoßen, denn gerade diese Dieselzusätze gelten derzeit als die einzig wirksame Waffe gegen die gefürchtete Dieselpest

Ein Großteil aller Rettungs-Einsätze bei Motorproblemen ist laut der DGzRS und SeaHelp auf verunreinigten Kraftstoff – in erster Linie durch die „Dieselpest“ – zurück zu führen. Vorbeugung ist also dringend angeraten. Doch wirksame Produkte wie beispielsweise Grotamar, Liqui Moly Dieselschutz oder ERC Diesel Plus enthalten den sogenannten Formaldehyd-Abspalter MBO, für den eine Genehmigung als Konservierungsmittel (gemäß der Biozid-Verordnung EU Nr 528/2012) noch aussteht. Bis ins Jahr 2020 ist die Verkehrsfähigkeit zwar noch gewährleistet, allerdings wird MBO ab dem 1.12.2018 in die Stoffliste der harmonisierten Einstufungen und Kennzeichnungen der CLP-Verordnung aufgenommen und muss verpflichtend als krebserzeugend (Gefahrenkategorie Carc. 1B) eingestuft werden. Derart gekennzeichnete Gemische unterliegen der Chemikalienverbotsverordnung und müssen strengste Anforderungen in Bezug auf die Abgabe erfüllen. Beispielsweise wird die Abgabe an private Endverbraucher in Selbstbedienung und im Versandweg/Online-Handel ausgeschlossen.

Wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) auf Anfrage mitteilte, „…werden im Rahmen der CLP-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen und Gemischen) chemische Stoffe auf ihr Gefährdungspotential hin überprüft. Für den Stoff MBO wurde dabei festgestellt, dass dieser unter anderem als krebserzeugend (Kategorie 1B) eingestuft werden muss. Nun besagt wiederum eine weitere Verordnung, die REACH-Verordnung (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe), dass Stoffe, die als krebserzeugend der Kategorie 1A oder 1B eingestuft sind, nicht in Gemischen in Verkehr gebracht werden dürfen, die zum Verkauf an die breite Öffentlichkeit bestimmt sind. Dies gilt für Konzentrationen oberhalb von 0,1%.“

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Als Lösung für dieses Problem wäre es laut der Bundesanstalt denkbar, die Konservierungsmittel schon vor dem Verkauf den Dieselkraftstoffen unter zu mischen. Somit wäre die MBO-Konzentration im Dieselkraftstoff unterhalb der Einstufungsrelevanten Konzentration und dürfte auch an den privaten Verwender abgegeben werden.

Gewerbliche Kunden mit entsprechender Sachkunde sind von dem Abgabeverbot nicht betroffen.  Damit könnte auf die Marinas und die Servicebetriebe die Aufgabe zukommen, die Tanks der Kundenschiffe mit einem Additiv zu befüllen und so der Dieselpest vorzubeugen, was letztlich natürlich Kostensteigerungen für den Skipper nach sich ziehen dürfte.

Allerdings wird auf Herstellerseite z.T. bereits reagiert. Tobias Gerstlauer, Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit/ DACH des deutschen Additiv- und Schmierstoffherstellers Liqui Moly aus Ulm erklärte auf Nachfrage: „Die Thematik betrifft auch uns. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck an einer Lösung, damit unsere Additive auch nach Dezember frei verkauft werden können. Wir sind zuversichtlich bis Dezember eine Lösung zu haben. “ Genaues wird derzeit zwar noch nicht bekannt geben, doch könnte das darauf hindeuten, dass in Ulm derzeit daran geforscht wird, eine gesundheitlich unkritischere chemische Formulierung für das Additiv zu entwickeln.

Ob man sich rechtzeitig zur Wintersaison also noch vor dem Stichtag am 1. Dezember mit einem Vorrat eindeckt, bleibt letztlich jedem selbst überlassen. In jedem Falle sollte man sich eventueller gesundheitlicher Risiken bewusst sein. Ein sorgsamer Umgang mit eventuellen Restbeständen und die Vermeidung von Hautkontakt durch entsprechende Schutzkleidung sollten daher selbstverständlich sein.

1 Comment

  1. Passt zu der schlechten Politik in letzter Zeit.

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