Schwerpunkt Herbst

Warme Getränke an Bord

Nach einem ungemütlichen Tag auf dem Wasser wird es Zeit, es sich unter Deck gemütlich zu machen. Ein heißes Getränk darf da natürlich nicht fehlen. Nur was? Und womit gelingt der Kaffee am besten? Wir geben Antworten

Tee | Kaffee | Kakao

TEE

Eine Tasse Tee hellt die Stimmung nach einem nasskalten Törn auf (Bild: TeeGschwendner GmbH)

 

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Wärme von innen

Die Legende will es, dass ein Windstoß die Entdeckung des Tees einleitete. Vor 5.000 Jahren schwebten einige Blätter eines Strauches in das heiße Wasser des chinesischen Urkaisers Shennong. Er probierte das eingefärbte Wasser und fand Geschmack an dem belebenden Getränk. Abseits der Legende lässt sich die Zubereitung des Tees allerdings kaum durch die Wirren der Geschichte zurückverfolgen. Doch wie kaum ein zweites Getränk schaffte es der Tee über Jahrtausende hinweg zu einem festen Bestandteil zahlreicher Kulturen zu werden. Eines seiner Geheimnisse liegt in seiner Vielfalt, denn ganz gleich ob Grün-, Schwarz- oder Weißer Tee stammt jede Sorte vom selben Strauch ab – camellia sinensis. Es gilt: Je höher der Tee wächst, desto edler der Tee. So stammen die besten Tees von den Hängen des Himalayas. Über den feinen Geschmack unterscheiden Anbaugebiet, Verarbeitung und Zubereitung.

Dampfbehandelt

Grüner Tee hat entweder einen frischen, einen duftig-blumigen oder einen bitterlich herben Geschmack, abhängig von Pflück- und Verarbeitungsqualität. Nach der Ernte werden die Teeblätter durch Dampf oder in einem erhitzten Wok wärmebehandelt, anschließend entweder per Hand oder maschinell gerollt. So bleiben die Inhaltsstoffe der Blätter – besonders die Vitamine A und C – erhalten. Weißer Tee, Gelber und Grüner unterscheiden sich im Erntezeitpunkt und in der getrockneten Blattstruktur, bei allen drei Teesorten wird aber eine weitere Oxidation durch das vorherige Erhitzen verhindert.

Fermentiert

Schwarztee wird nach einem bestimmten Welkverfahren direkt gerollt, wodurch die Teeblätter leicht zerrissen werden und der Zellsaft austritt. Es folgt die Fermentation, wodurch der Tee seine typische rötlichbraune Färbung annimmt. Ist dieser Prozess abgeschlossen, wird er sofort unter Heißluft getrocknet. Durch chemische Vorgänge während der Fermentation bekommt der Schwarze Tee seine besondere Note und seinen kräftigen Geschmack. Im Gegensatz zum Grüntee enthält er keine Vitamine mehr, sein Koffeinanteil ist ebenfalls geringer, wirkt aber intensiver und schmeckt gehaltvoller. Er zählt zu den beliebtesten Tees.

Richtig zubereiten

Die Ziehzeit entscheidet über einen guten Aufguss oder ungenießbarer Brühe. Für Grünen oder Schwarzen Tee reichen bereits zwei bis drei Minuten. Bei Kräutertee kommt es auf die Zusammensetzung an, hier sollte der Tee nach fünf bis fünfzehn Minuten aus der Tasse oder der Kanne entnommen werden. Die meiste Zeit nimmt sich der Früchtetee: Hier kann der Tee bis zu zwanzig Minuten ziehen. Während Schwarzer Tee, Oolong-, Kräuter- und Früchtetee eine Aufgusstemperatur von 100 Grad Celsius brauchen, sei es um ihren Geschmack voll zu entfalten oder ihre Inhaltsstoffe frei zu setzen, sollte beim Grünen Tee die empfohlene Temperatur nicht überschritten werden. Ansonsten kann der Tee sehr bitter und beinahe ungenießbar werden. Tipp: Das kochende Wasser für zehn Minuten stehen lassen und erst dann den Tee aufgießen. Tee verträgt zudem kein hartes Wasser. Ein Wasserfilter führt mitunter zu ganz neuen Geschmackserlebnissen.

Teefachgeschäfte bieten für den Herbst eigene Teemischungen an (Bild: TeeGschwendner GmbH)

Für mehr Pfiff

Purer Tee reicht nach dem nass-kalten Herbsttag auf dem Wasser nicht? Neben den unterschiedlichsten Zuckersorten ist Honig eine weitere Möglichkeit, den Tee gehaltvoller zu machen. Die Briten trinken ihren stärkeren Tee ausschließlich mit Milch, die Ostfriesen mit Sahne. Aber auch Zitrone ist gebräuchlich und an besonders kalten und düsteren Herbstabenden bringt auch ein Schuss Rum mehr Pfiff in die Teetasse.

KAFFEE

Der Wachmacher

Die Deutschen trinken am liebsten Kaffee. Gerade morgens. Oder nachmittags. Oder einfach zwischendurch. Ziegen haben den Menschen angeblich auf den Geschmack der Bohne gebracht. Äthiopische Hirten beobachteten, dass einige Ziegen Früchte eines Strauches fraßen und viel fideler als ihre schläfrigen Artgenossen waren. Bald berauschten sich auch die Hirten an den wildwachsenden Früchten. Im Vergleich zum Tee ist Kaffee noch ein relativ junges Getränk, das erst im 16. Jahrhundert in Arabien Fuß fassen konnte. Schon 100 Jahre später eröffneten die ersten Kaffeehäuser in Europa. Aus der richtigen Zubereitung entwickelte sich eine kleine Wissenschaft. Gerade unter Seglern wird diskutiert, wie der optimale Kaffee an Bord zubereitet werden kann. Wir haben versucht, dem auf die Spur zu kommen.

Der Mahlgrad

Je nach Zubereitungsart (Espresso, French Press, Filterkaffee) variiert auch der Mahlgrad. Wird er nicht angepasst, schmeckt der Kaffee schnell wässrig oder bitter. Generell gilt: Je feiner das Pulver, desto kürzer die Kontaktzeit mit dem Wasser. Ein Espresso benötigt in der Regel nur wenige Sekunden, bis er fertig ist. Das Pulver ist sehr fein. Bei der French Press-Kanne schwimmt der Kaffee mehrere Minuten in dem Wasser. Daher sollte der Kaffee möglichst grob gemahlen sein, sonst wird er bitter, da sich zu viele Inhaltsstoffe herausgelöst haben.

Die Menge

Pro Liter Wasser werden 60 Gramm Kaffee empfohlen. Das Abwiegen mit der Waage ist zwar besser, aber an Bord eher unpraktisch. Daher auf den Portionslöffel für Kaffee vertrauen. Er fasst ungefähr 14 Gramm Kaffeepulver.

Lagerung

Gemahlener Kaffee verliert schnell an Aroma. In luftdichten Dosen hält es sich noch etwas länger. Am längsten lassen sich ganze Bohnen lagern, ohne große Aromaverluste in Kauf zu nehmen. Handkaffeemühlen gibt es in guter Qualität ab circa 30 Euro.

Damit gelingt der Kaffee an Bord

Espressokanne

Ein Klassiker und seit den 1940ern auf dem Markt: Die Bialetti Moka Express. Der Mahlgrad sollte nicht zu fein, aber auch nicht zu grob sein. Fertig gemahlenes Espressopulver kann schon zu fein sein, sodass der fertige Kaffee bitter wird. Die Dosierung ist hingegen sehr einfach: Wasser bis zum Überdruckventil in den Kessel füllen, Pulver in den Siebeinsatz geben, leicht festdrücken und alles fest zusammenschrauben. Auf dem Herd bei geringer Hitze kochen bis es gurgelt. Tipp: Wird der Kessel bereits mit heißem Wasser gefüllt, soll der Kaffee noch besser schmecken. Entgegen der landläufigen Meinung fördert eine Patina in der Kanne keineswegs den Geschmack. Das Kaffeeöl wird irgendwann ranzig.
Moka Express (verschiedene Größen) von Bialetti: ab circa 20 Euro

French Press

Aufgrund der unkomplizierten Bedienung an Bord sehr verbreitet. Es sollte allerdings unbedingt darauf geachtet werden, einen groben Mahlgrad des Pulvers zu wählen. Aufgrund der langen Kontaktzeit mit dem Wasser, schmeckt der Kaffee bei einem feinen Pulver schnell zu bitter. Zudem hält das Sieb das Pulver nicht am Boden der Kanne, sodass jede Tasse relativ viel Kaffeesatz aufweist. Daher den Kaffee in der ganzen Bohne kaufen und entweder grob mahlen lassen oder an Bord mit einer Handmühle selber mahlen. Das fertige Pulver nicht mit kochendem Wasser aufgießen, sondern nach dem aufkochen ein bis zwei Minuten warten. Den namensgebenden Siebstempel erst nach vier bis fünf Minuten langsam herunterdrücken.
French Press von Bialetti: ab circa 20 Euro

Filterkaffee

Ebenfalls sehr weit verbreitet. Wer keine Kaffeemaschine an Bord hat, kann sich den Kaffee auch mit einem Handfilter zubereiten. Der Mahlgrad liegt bei mittlerer Stufe. Beinahe alle fertig gemahlenen Sorten besitzen einen mittleren Mahlgrad. Pro Tasse werden circa zwölf Gramm Pulver benötigt, das mit heißem, aber nicht kochendem, Wasser aufgegossen wird.

KAKAO

Einfach göttlich

Erst galt sie als heilig, später sprach man ihr heilende Kräfte zu, heute ist sie genau das Richtige, um sich nach einem regnerischem Herbsttag auf dem Wasser wieder aufzuwärmen – Heiße Schokolade.

Zermahlene Bohnen mit Wasser und Gewürzen, also ein scharf-bitteres Gebräu – so sollen die Azteken dem Seefahrer und Entdecker Christoph Kolumbus als erstem Europäer ihre Schokolade angeboten haben. Der Gott des Windes hat die Kakaobohne der Legende nach in die Kulturen der Maya und Azteken gebracht, das daraus gewonnene Getränk war vor allem der Elite vorbehalten. Nach diesem ersten Kontakt zwischen dem Kulturgetränk der Maya und Europa hat es Jahrzehnte gedauert, bis der spanische Eroberer Hernán Cortés den Wert des Kakaos erkannte: Der göttliche Trank erzeuge Kraft und bekämpfe die Müdigkeit, soll er seinem König Karl I. von Spanien geschrieben haben. Nach der Eroberung des Aztekenreiches brachten die Spanier die Kakaobohne 1519 mit nach Europa.
Die Spanier änderten die Zubereitung, sie gaben Zucker, Vanille oder andere Gewürze zu und brachten so die Schokolade in der spanischen Oberschicht in Mode. Es dauerte weitere 100, Jahre bis sie nach Frankreich kam, 1657 erreichte sie englischen Boden. Von da an breitete sie sich in ganz Europa aus.

So wird‘s gemacht
Milch erhitzen, Kakaopulver rein und fertig? Zugegeben: Das geht – ein kleines bisschen mehr Aufwand macht aus einem simplen Kakao aber eine gute heiße Schokolade!

Zutaten:
• 600 Milliliter (fettarme) Milch
• 100 Gramm Zartbitterschokolade
(mind. 52 Prozent Kakaogehalt)
• 100 Milliliter Schlagsahne

Milch in einem Topf erhitzen, dabei gelegentlich umrühren. Während die Milch erwärmt, die Schokolade grob hacken und in der Milch auflösen. Anschließend die Sahne steif schlagen, die heiße Schokolade noch einmal kräftig mit einem Schneebesen durchrühren und in zwei Becher füllen. Die Sahne kommt zum Schluss oben drauf.

Den Kakao aufwerten

Ist das noch nicht ausgefallen genug? Dann probieren Sie es einmal mit Gewürzen und dem einen oder anderem Schuss Rum: Für eine Tasse brauchen sie eine halbe, fein gehackte rote Chili, einen halben Teelöffel gemahlenen Zimt und zwei Esslöffel Rum. Das geben Sie in die heiße Schokolade, lassen es vier bis fünf Minuten ziehen und sieben alles vor dem Verzehr noch einmal durch. Eventuell macht es Sinn, die heiße Schokolade danach noch einmal zu erhitzen.
Weitere Variationen mit Vanille, Muskatnuss, Minze, Kardamom, Orangenschale, Kokosmilch, Karamellsirup, Erdnussbutter und vielen weiteren Zutaten sind möglich. Probieren sie einfach aus – der Herbst dauert lange genug!

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