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Buchtipp: Eskapade

Heide und Erich Wilts segeln an Bord der Freydis III durch die Nordwestpassage und nehmen die Leser des Buches mit auf den abenteuerlichen Törn

Was für eine Reise. Von Japan über die Aleuten, Alaska, durch die Nordwestpassage und nach Grönland. Ein paar tausend Seemeilen durch extreme Gebiete dieser Welt, die sich nur die wenigsten freiwillig als Segelrevier aussuchen würden. Noch dazu sind der Skipper und sin Fru, die Autorin dieses Buches, nicht mehr die Allerjüngsten. Beide gut jenseits der 70. Aber das ist ja das Schöne am Segeln. Es ist kein Fußball. Erfahrung zählt mehr als reine körperliche Fitness. Heute, während ich dieses schreibe, ist der Franzose Jean-Luc van den Heede, auch über 70, als gelassener und sehr deutlicher Sieger des „Golden Globe“ Rennens, einhand und nonstop um die Welt in kleinen Fahrtenschiffen mit der Technologie der 1960er Jahre, in den Zielhafen Les Sables d’Olonne in Frankreich eingelaufen. Eine andere, lange Geschichte – an dieser Stelle nur so viel dazu: Der alte Fuchs hat es vielen, sehr viel jüngeren, deutlich gezeigt. Jean-Luc wusste vor dem Start, worauf er sich einließ, er fühlt sich auf See zuhause und, sofern die Natur nicht zu wütig wird, richtig wohl.

Und das trifft sicher auch auf diese beiden großartigen Segler, Heide und Erich Wilts, zu. Was haben die beiden nicht alles schon erlebt, ersegelt, es ist schier unglaublich.Mehrfach um die Welt, klar, in den wunderschönen tropischen Gewässern, aber dann vor allem immer wieder in die hohen nördlichen und südlichen Breiten, bis an ihre eigenen und an natürliche (Eis)Grenzen in Arktis und Antarktis, inklusive einer unfreiwilligen Überwinterung im Südwinter auf der Insel Deception. Damals konnten sie ihr Schiff noch retten und später, in Feuerland, reparieren. Im März 2011 dann der wohl härteste Schlag, der Verlust ihres Schiffes beim berüchtigten Tsunami in Japan – zum Glück, kann man wohl sagen, waren sie nicht an Bord. Natürlich hätten sie um ihr Schiff gekämpft, es vielleicht gerettet, doch vielleicht wären sie auch selber zu Schaden gekommen.

Dies ist kein Buch nur über die Nordwestpassage. Die kommt zwar vor, aber eben nur als ein Abschnitt dieser Reise in wirklich entlegene Weltgegenden. Weit draußen im Pazifik verlorene Inseln Japans, die vollkommen vergessenen Aleuten, dann die Halbinsel Alaskas – all das wird erlebt und beschrieben, bevor es auf einem relativ kurzen aber umso spannenderen Stück durch die eigentliche NWP geht.

Wie gewohnt berichtet Heide Wilts nicht nur vom Segeln, sondern vor allem von den Landschaften, Orten und Menschen die sie unterwegs trifft. Aber auch das Bordleben wird beschrieben, denn auch das ist spannend, da die beiden mit immer mal wieder wechselnder Crew segeln. Dass es dabei überwiegend harmonisch zugeht, liegt wohl an den Charakteren der Protagonisten und daran, dass diese sich teilweise schon von früheren Segeltörns her kannten und schätzten.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass auch dieses neueste Buch von Heide Wilts absolut lesenswert ist, vor allem, wenn man sich für ausgefallene Segelabenteuer und entrückte Weltgegenden begeistert. Von ihren Büchern ist es das erste, das im Parimare Verlag in Elmshorn erschienen ist. Der hat sich offenbar wirklich Mühe gegeben, denn das Buch ist wunderbar ausgestattet, mit vielen Karten und vor allem noch sehr viel mehr Bildern, Fotos, die an der jeweils richtigen Stelle im Text zu sehen sind und nicht, wie in einigen ihrer früheren Bücher in anderen Verlagen, en bloc irgendwo in der Buchmitte. Fazit: Absolut empfehlenswert!

In Kooperation mit literaturboot.de

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