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Buchtipp: Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt

An Bord der Santa Maria Australis durchsegelte die Hamburger Schriftstellerin und Journalistin Tina Uebel mit Kapitän Wolf Kloss die arktische Nordwestpassage. "Nordwestpassage für 13 Arglose und einen Joghurt" ist ein spannender, selbstironischer Reisebericht dieses Abenteuers

Die Hamburger Schriftstellerin und Seglerin Tina Uebel hat, wie sie wiederholt schreibt, ein Polarproblem: Seit sie vom Virus der hohen Breitengrade infiziert ist, will sie vor allem dorthin. Am liebsten immer wieder, immer weiter. Gut, dann habe ich jetzt ein Uebel-Problem. Ihr Buch zu lesen ist, als sei man an Bord, unterwegs, und genau das will ich dann auch im realen Leben wieder sein: Wieder an Bord. Wieder unterwegs. Als Liveaboard, ohne Beschränkung in Zeit und Raum. So zu schreiben ist Anstiftung!

Ihre Sprache, in der sie in diesem wunderbaren Buch von ihren Polarerlebnissen und sehr vielem anderen noch erzählt, ist geschliffen, intelligent, unterhaltsam, vor allem aber sehr Humorvoll und voller Selbstironie. Nur in wenigen, in ganz wenigen ganz winzigen Momenten fühlt sie sich etwas überkandidelt an – aber immerhin fühlt sie sich an, ihre Sprache, und das ist schon viel mehr als man von den allermeisten anderen Texten sagen kann. Ja, es ist ein Vergnügen dieses Buch zu lesen. Es bietet alles, man wird unterhalten, man lernt dabei aber auch noch eine ganze Menge. Vieles davon für die Kategorie „wichtige Fakten, die kein Mensch wissen muss“, aber immerhin. Ach, und übrigens, man lernt dabei auch Tina Uebel ganz gut kennen. Sympathisch!

Dabei ist dieses Buch für Segler und Nichtsegler gleichermaßen lesbar und gleichermaßen inspirierend, voller Exkurse und Gedanken und Anekdoten. Irgendwas wird sich jeder hier herausholen können und falls nicht, wäre derjenigen öden Person dann ohnehin nicht mehr zu helfen.

Also endlich ein Polarbuch, das wirklich lebendig und kurzweilig ist. Und inhaltlich natürlich auch aktuell, wenn es, auch dies zum Glück mit Witz und Eloquenz, um Themen wie Ökologie oder Politik geht. Erfrischend wie ein Single Malt mit selbst geangeltem Gletschereis, den sich die Crew zuweilen gönnt und das Eis im Malt, was ja eigentlich ein Sakrileg ist, nur geduldet wird, weil es eben ein spezielles Eis ist.

Reiseliteratur zu schreiben ist schwierig. Es gibt viel davon, aber nur sehr wenig was den Beinamen Literatur auch wirklich verdient. Dieses Buch gehört ganz ohne Zweifel zur sehr guten Reiseliteratur.

Tina Uebel, Verlag C.H.Beck, 399 Seiten, gebunden, 19,95 Euro

In Kooperation mit literaturboot.de

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