Acht deutsche Kieler-Woche-Siege liegen in der Luft

Der Kieler-Woche-Motor läuft mit höchster Drehzahl. Nach einem prallen Segelprogramm am Sonntag hat der Wind den Seglern auch am Montag einen vollen Stundenplan geschrieben. Erneut ging es auf den Dreiecksbahnen für die einzelnen Klassen mindestens viermal um den Kurs.

Damit sind die komplizierten Windverhältnisse von Samstag bereits vergessen. Und Wetterexperte Meeno Schrader blickt weiterhin optimistisch auf die folgenden Tage. „Der Wind wird uns bis zum Ende der Kieler Woche nicht im Stich lassen. Es ziehen zwar einige Fronten durch und damit sind auch immer ein paar kräftigere Böen möglich. Aber in der Grundstruktur wird es sehr gut segelbar sein“, so der Diplom-Meteorologe, der zur Kieler Woche im Auftrag der boot Düsseldorf die Wetterprognosen erstellt.

Eine Info, die Kieler-Woche-Organisationsleiter Dirk Ramhorst gern hört. Aber auch schon nach drei Tagen ist er mit dem bisher Geleisteten sehr zufrieden: „Der mäßige Samstag ist aufgeholt. Es war heute ein sehr erfolgreicher Tag. Wir haben alles geschafft, was wir uns vorgenommen haben. Und es war mit den drehenden Winden und einer kabbeligen Welle auf den Bahnen in Richtung Eckernförde sehr anspruchsvoll.“

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29er: Einen Euro-Cup im besten Sinne erleben die 29er-Segler vor Kiel. Die Kieler Woche gehört zu der neunteiligen Serie, die bis zum Herbst durch ganz Europa tourt. Kiel ist die fünfte Station, und unter den Top-Ten tummeln sich gleich sieben europäische Nationen und eine neuseeländische Crew. An der Spitze geben weiterhin die Skandinavier den Ton an. Norwegen (Mathias Berthet/Alexander Franks-Penty) vor Schweden (Oscar Engström/Hugo Westberg) und Finnland (Ville Korhonen/Robin Berner) lautet die Reihenfolge. Als Elfte vertreten Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Diessner SC) die deutschen Farben in der Spitzengruppe. Florian Steuerer/Moritz Fiebig halten Kontakt zu den Top-Ten. Das Augsburger Duo wird Deutschland bei den Youth Worlds in Corpus Christi/USA vertreten.

505er: Nach einer fünfjährigen Durststrecke zur Kieler Woche hat der Kieler-Woche-Rekord-Sieger Wolfgang Hunger inzwischen den Kurs auf seinen 22. Titel auf seinem Heimatrevier eingeschlagen. Am dritten Regattatag verdrängte er mit Vorschoter Julien Kleiner seinen Kumpel und ehemaligen Vorschoter Holger Jess von der Spitze. Während Hunger/Kleiner bisher kein Rennen außerhalb der Top-Five in der Wertung haben, muss Holger Jess an der Vorschot des Australiers Michel Quirk einen achten Platz einbringen. Das macht derzeit den Unterschied zwischen den beiden Mannschaften zugunsten von Hunger/Kleiner aus. Auch Stefan Köchlin/Andreas Achterberg können am finalen Tag noch in den Titelkampf eingreifen. Für den Finaltag bläst Holger Jess zur Attacke: „Wir haben das schnellste Boot im Feld, das macht Wolfgang schon nervös. An der ersten Tonne waren wir dreimal Erster.“ Sein Steuermann, der Weltpräsident der 505er, musste allerdings eingestehen, dass sie danach nicht immer die cleversten Entscheidungen getroffen haben. Die Kieler Woche liegt zeitlich eng an der WM, weshalb einige internationale Teams fehlen. Mit der Entwicklung der Klasse ist Quirk allerdings sehr zufrieden: „Die Entwicklung ist international sehr gut, Deutschland hängt hier etwas zurück. Es kommen neue, gute Leute in die Klasse.“ Die Schwächephase der deutschen 505er macht Bootshändler Jess vor allem an der Bundesliga fest: „Wir verlieren hier viele junge Leute, weil sich keiner mehr in der Jolle quälen will. Aber das wird sich in den Vereinen in den kommenden Jahren noch rächen.“

Albin Express: Die starke Performance des ersten Tages konnte der Flensburger Jan Brink bei den Albin Express zwar nicht ganz wiederholen. Doch zum Wachwechsel durch die einzige nicht-deutsche Mannschaft in dem kleinen Feld reichte es noch nicht. Allerdings ist der Däne Jesper Nörbo-Sörensen bis auf einen Punkt an Brink dran, so dass ein spannendes Finale am Dienstag zu erwarten ist.

Contender: Im Duell des WM-Dritten von 2010 gegen den WM-Dritten von 2017 hat derzeit der 2010er-Medaillen-Mann den Bug vorn. Christoph Homeier (Bremen) reiht in den Wettfahrten derzeit zweite und erste Plätze in schöner Regelmäßigkeit aneinander. Dem kann der Däne Jesper Nielsen nicht ganz folgen. Und auch der 2005er-Weltmeister Jan von der Bank (Eutin) muss sich als Dritter derzeit mit der Position in Lauerstellung begnügen. Homeiers mögliches Problem vor dem Abschlusstag: Das Rennen des ersten Tages hat er nicht beendet und darf sich daher kein Streichresultat mehr erlauben.

Europe: An dem Tschechen Stephan Sivy hat sich Fabian Krichhoff in der Europe-Klasse vorbei gearbeitet. Im Ranking konnte sich der beste Deutsche allerdings nicht verbessern. Während der Norweger Lars Johan Brodtkorb die Spitze mit vier ersten Plätzen am Montag in eindrucksvoller Manier verteidigte, kletterte der Däne Kristian Valentin Medina Präst durch drei zweite und einen dritten Platz auf die erste Verfolgerposition. Kirchhoff festigte als weiterhin Dritter seine Anwartschaft auf eine Medaille.

Flying Dutchman: Kilian König/Johannes Brack (Hannover) haben die Weltmeister der vergangenen Jahre fest im Griff. Mit der Serie 3, 4, 1, 2 liegen die zweimaligen WM-Bronzemedaillen-Gewinner nun vor den Brüdern Jörgen und Jacob Bojsen-Möller (Dänemark), die 2016 den Welttitel gewannen, sowie den amtierenden Weltmeistern Szabolcs Majthenyi/Andras Domokos (Ungarn). Damit wird es für die viertplatzierten Titelverteidiger der Kieler Woche, Kay-Uwe Lüdtke/Kai Schäfers (Berlin), schwer, noch in den Dreikampf um die Spitze einzugreifen.

Folkeboot: Spätestens seit dem dritten Platz bei der wichtigsten Folkeboot-Regatta, dem Goldcup, von 2014 zählt die Mannschaft um den Laboer Sönke Durst zur absoluten Weltspitze bei den Folkeboote. 2016 wiederholten sie die Goldcup-Coup und jetzt schickt sich das Trio an, auf dem Heimatrevier erstmals die Kieler Woche zu gewinnen. In ihrem Kielwasser folgen mit bereits sechs Punkten Abstand die Goldpokal-Vizemeister von 2013, Walther Furthmann (Strande), und weiteren sieben Punkten Zählern Rückstand die zweimaligen Goldpokal-Sieger um Ulf Kipcke (Kiel).

Formula 18: Martin Friedrichsen/Björn Wendel (Flensburg) sind bei den F18-Katamaranen weiterhin mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Nachdem sie bereits am Sonntag von der eigenen Geschwindigkeit überrascht waren, setzten sie die Bootsperformance auch am Montag in Top-Ergebnisse um. Gegenüber den härtesten Verfolgern, Dieter Maurer/Katrin Oldenburg (Lübeck), bauten sie den Vorsprung auf inzwischen neun Punkte aus und streben damit ihrem ersten Kieler-Woche-Sieg entgegen.

Hobie 16: Auch eine Frühstart-Disqualifikation kann das Team Lauritz Bockelmann/Anke Delius (Kellenhusen) scheinbar nicht stoppen. Das „BFD“ in der Liste kann das Duo aktuell streichen und liegt damit vor den amtierenden Europameistern Ingo Delius/Sabine Delius-Wenig (Bocholt). Titelverteidiger Knud Jansen mit Ehefrau Inis ist als Dritter noch in Schlagdistanz.

Der Hamburger Stefan Karsunke ist vor dem Abschlusstag in der J/24 auf dem Podium. Foto: segel-bilder.de

J/24: Der Brite Mike Ingham hat zurückgeschlagen. Nachdem der Titelverteidiger Tag eins ruhig angegangen war, segelte er sich mit seiner deutschen Mannschaft nun in die Top-Position. Die Weltmeister von 2016, die Berliner um Daniel Frost, erwischten mit Platzierungen zwischen Tagessieg und Rang zwölf einen wechselvollen Tag und müssen sich hinter Stefan Karsunke (Hamburg) vorerst mit Rang drei begnügen.

Laser 4.7/Laser Radial: In den Nachwuchsklassen des olympischen Laser müssen die heimischen Teams aktuell den Gästen den Vortritt lassen. Während in der Einstiegsklasse, dem Laser 4.7, die Italiener, Russen und Niederländer die Top-Plätze einnehmen, scheint es bei den Laser Radial eine polnische Meisterschaft mit internationaler Beteiligung zu werden. Das Gold bei den Laser 4.7 ist dem Italiener Cesare Barabino von den Verfolgern Niek Kampherbeek (Niederlande) und Vladimir Novoselov (Russland) kaum mehr zu nehmen. Die Laser-Radial-Klasse führt Tytus Butowski (Polen) vor seinen Landsleuten Mikolaj Silny und Piotr Malinowski an.

Julian Hoffmann hat als Siebenter im Laser Radial noch Kontakt zur Spitze.
Foto: Klahn/Kieler Woche

OK-Jolle: Es ist ein Klassenwechsel mit Folgen – vor allem für die Gegner. Im vergangenen Jahr hat sich Finn-Segler Jan Kurfeld (Wismar) zur Europameisterschaft mal in der OK-Jolle probiert und sofort Gefallen gefunden. Jetzt hat er die Heim-WM zur Warnemünder Woche im Blick und zeigt dafür zur Kieler Woche schon mal seine Ambitionen an. „Zur WM will ich um eine Medaille mitsegeln“, so Kurfeld. Dass das möglich ist, beweist er mit der Führung zur Kieler Woche. Nach sieben Wettfahrten liegt er vor dem Weltranglisten-Ersten Bo Petersen (Dänemark) und ist damit ein heißes deutsches Eisen für die Heim-WM. Sein Trainingspartner Andre Budzien, der zweimalige OK-Weltmeister, fehlt zwar vor Kiel, will aber in Warnemünde ebenfalls angreifen.

Ergebnisse und Meldelisten finden Sie unter www.manage2sail.com

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