Anstrengung, Spaß und Spannung

Eine Serie an Siegen legten die Frauen des Royal Danish Yachtclub (KDY) am letzten Tag der Women’s Sailing Champions League im Rahmen der Kieler Woche hin, bis sie im letzten Rennen sich mit einem vierten Platz begnügen mussten. Das konnte ihnen aber nicht mehr den Gesamtsieg nehmen.

Ein bisschen anders hatten sie es sich trotzdem vorgestellt. „Uns sind kleine technische Fehler passiert“, erklärten Henriette Koch und Lotte Meldgaard Pedersen. „Wir wollen nicht nur die Regatta gewinnen, sondern auch die Rennen. Wenn wir antreten, wollen wir auch gewinnen.“

Der kleine Schönheitsfehler, verursacht durch ein verpatztes Spinnaker-Manöver, in der Ergebnisliste trübte aber nicht den Blick auf ihre Dominanz. Sie bestimmten nicht nur die einzelnen Rennen von der Startlinie weg, sondern auch das Gesamtklassement. „Wir sind fokussiert geblieben und hatten eine Menge Spaß“, berichtete die ehemalige 470er-Seglerin Henriette Koch, die seit 2003 immer wieder zur Kieler Woche dabei war, nun aber erstmals einen Siegerpokal von der Förde mitnehmen konnte. Zu ihrem Erfolgsrezept zähle auch ihre Segelstrategie, es möglichst simpel zu halten. Zum reibungslosen Ablauf trug zudem bei, dass die Frauen bereits seit vielen Jahren zusammensegeln. „Es kommt nicht nur auf die Technik an, sondern auch auf die Kommunikation.“ Und dadurch, dass Lotte Meldgaard Pedersen aufgrund der Geburt ihres Kindes die Pinne an Henriette übergeben hatte und auf die Vorschiffs-Position gewechselt war, mussten die Positionen sich zwar noch einspielen. Doch das hatte auch Vorteile. So profitierte die Steuerfrau von ihrer Vorgängerin auf dem Vorschiff. „Ich hatte vorne meinen Coach.“

Ganz so reibungslos verlief es bei ihren Landsfrauen vom WOW-Team (Women on Water) nicht. Bereits am ersten Wettfahrttag hatten sie mit den Segeln zu kämpfen. An der Luvtonne hakte es, sie konnten nicht rechtzeitig abfallen, das Schlauchboot der Fotografen aber auch nicht mehr ausweichen. Das Resultat war ein zwei Meter langer Schlitz im Schlauchboot. Die aufgeschreckten Fotografen konnten ausweichen, sodass niemand verletzt wurde und trotz Schlitz im Schlauch schafften sie es auch wieder an Land. Am Abschlusstag kam die Wow-Crew dann wieder einem schwimmenden Gegenstand sehr nahe. In diesem Fall verhedderten sie sich an der Tonne, verloren so ihren bis dahin ersegelten dritten Rang und kamen mit Abstand als letzte durchs Ziel.

Viele Winddreher und Böen machten die Bedingungen schwierig, wie Tine Abrahamsen vom Hellerup Sejlklub erklärte. Trotzdem legten sie ein starkes Finale hin. „Wir sind zum ersten Mal zusammen gesegelt und haben immer mehr dazugelernt. Am Schluss waren wir stark.“ Doch der Körper spüre die Anstrengungen vor allem des zweiten langen Tages, an dem die Crews bis nach 19 Uhr auf dem Wasser waren. Während also die dritte dänische Crew vom Hellerup Sejlklub vor dem finalen Flight nicht mehr vom zweiten Platz zu verdrängen war, entfachte sich noch einmal der Kampf um Platz drei. Sowohl der Deutsche Touring Yacht-Club als auch der Akademische Segelverein Warnemünde und der International Yacht Club Amsterdam lagen dicht beieinander. Die Spannung vor dem letzten Rennen stieg, denn in diesem segelten sie auch direkt gegeneinander. „Es war mega spannend. Wir wussten, dass wir das Rennen gewinnen müssen“, erzählte Johanna Meier vom Akademischen Segelverein Warnemünde glücklich. Sie hatten dem Druck Stand gehalten und es in Schnelligkeit umgesetzt. Als erste überquerten sie die Ziellinie und sicherten sich den dritten Platz. Ihr Resümee zur Women’s Sailing Champions League: „Gut anstrengend, Spaß und Spannung.“

„Es ist ein cooles Rennformat“, freute sich auch Henriette Koch. Der Respekt im Feld müsse sich nicht erst erarbeitet werden, so wie es bei der gemischten Champions League der Fall sei. Und je mehr der Wind auffrische, desto mehr sei es auch irgendwann eine Frage der Muskeln und in einem reinen Frauenfeld daher kein Nachteil.

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