Konzept 2020 geht auf

Vieles ist anders zur Kieler Woche 2020, aber auf den Wind ist Verlass. Auch nach der Verlegung in den September präsentieren sich die Bahnen auf der Außenförde in guter Form. Nach dem kräftigen Winden und starken Böen kamen an Tag zwei die Crews auf ihre Kosten, die bei mittleren bis leichten Winden vor allem taktisches Geschick in Top-Platzierungen umwandeln.

Der Wind war gut, bis die Schauer kamen. Nach dem großen Schauer kam er ganz zum Erliegen. Daher haben wir nicht in allen Klassen das volle Programm geschafft“, berichtete Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Neben dem Segelsport hat Ramhorst aber auch den Blick auf die Einhaltung der Hygieneregeln: „Wir haben den Eindruck, dass es gut angenommen wird. Und unser Konzept greift. Nach fünf Fällen von Temperaturauffälligkeiten haben wir Schnelltests vorgenommen, die aber alle negativ waren.“

420er

Die Akteure in der Nachwuchsklasse gehörten zu denjenigen, die nur ein verkürztes Programm segeln konnten. Allerdings war nicht allein der Wind schuld, sondern auch die Ungeduld der jungen Segler. Durch einige Frühstarts ging zu viel Zeit verloren, um auch noch das dritte geplante Rennen über die Bahn zu bringen. Die Ergebnisse der Klasse, die wegen der großen Meldezahl in zwei Gruppen segelt, wurden am Abend noch gerechnet.

Sonne und Wind gab es zu den zwei Wettfahrten der 420er. Foto: Sascha Klahn

505er

Bei den Fiven führt kein Weg an Wolfgang Hunger (Strande) und Holger Jess (Eckernförde) vorbei. Die Seriensieger der Kieler Woche sind auch in 2020 das Paradebeispiel für Beständigkeit. Alle bisherigen Wettfahrten kamen sie in den Top-Drei ins Ziel, übernahmen damit klar die Gesamtführung. Wolfgang Hunger steuert damit seinen 23. Erfolg an. „Die Serie ist schon ein Thema, weil man immer wieder darauf angesprochen wird. Und das beeinflusst auch“, sagt Hunger. Stress auf der Bahn gab es allerdings aus einem anderen Grund: „Am ersten Tag ist uns in der zweiten Wettfahrt der Großschotblock gebrochen, und eine 1:2-Übersetzung ist dann nicht besonders gut. Zwischen den Rennen müssten wir daher etwas umbauen“, so Hunger. Die Konkurrenz konnte es nicht ausreichend nutzen. Und an Tag zwei waren Hunger/Jess mit der Serie 1, 1, 3 kaum zu schlagen. „Das dritte Rennen war sehr wechselhaft. Wir waren mal auf Platz eins, aber auch mal nur Achter. Daher ist Rang drei okay“, sagte Vorschoter Holger Jess, der mit seinem Steuermann jede Gelegenheit nutzt, um sich mit der Konkurrenz zu messen: „Wir haben an Pfingsten Trainings organisiert, waren vor vier Wochen bei der Dänischen und vor zwei bei der Schwedischen Meisterschaft“, so Jess. „Wir sind dankbar, dass die Kieler Woche gesegelt wird und sehr motiviert. Nur so über die Förde zu segeln, ist dann eben doch etwas langweilig“, ergänzt Hunger. In der Gesamtwertung haben sich die beiden ein kleines Punktepolster vor Kai Bertallot/Moritz Klingenberg (Kiel) und Stefan Böhm/Gerald Roos angelegt.

Contender

Die fehlende Regatta-Praxis macht Contender-Weltmeister Max Billerbeck (Kollmar) weiterhin am Start zu schaffen. „Die erste Kreuz muss ich eigentlich gar nicht segeln“, ärgerte er sich über die jeweiligen Platzierungen in den drei Rennen an der ersten Tonne. Danach startete er zwar jeweils eine Aufholjagd, schaffte es immerhin auf die Ränge 3, 5, 7. In der Gesamtwertung rutschte er damit aber hinter seinen Trainingskollegen Eike Martens (Hamburg) auf Rang vier ab. „Eike ist stark gesegelt“, zollte Billerbeck Respekt. Ohne Makel agieren die Dänen. Sören Dulong Andreasen und Jesper Armbrust teilen bisher alle sechs Tagessiege untereinander auf. Andreasen führt insgesamt knapp vor seinem Landsmann.

Europe

Nach einem Tag mit Schwarz-Rot-Gold an der Spitze präsentiert sich das Feld der Europes wieder in gewohnt rot-weißem dänischen Outfit. Anna Livbjerg, die Kieler-Woche-Titelverteidigerin, kann ihre Frühstart-Disqualifikation aus dem zweiten Rennen streichen und steht nun an der Spitze eines dänischen Trios mit den Verfolgern Simon Christoffersen und Frederik Blöcher. Bester Deutscher ist auf Platz neun der Kieler Johann Tammen.

J/24

Seit Jahren gehört die Crew um Stefan Karsunke aus Hamburg zu den Top-Mannschaften in der J/24-Szene. Auf einen Kieler-Woche-Sieg muss das Team aber lange warten. 2006 hat Karsunke zuletzt das Event gewonnen, jetzt öffnet sich wieder das Tor zu einem weiteren Sieg. Nach fünf Wettfahrten liegen die Hamburger vor den Stadtrivalen von Manfred König und Hauke Krüss.

J/70

Das Hamburger Spitzenduo hat sich zu einem Trio erweitert. Claas Lehmann, der ehemalige 505er-Weltmeister, machte an Tag zwei mit einem Tagessieg und einem dritten Platz gehörigen Druck auf die beiden Spitzen-Steuermänner des Auftakts, Michael Grau und Carsten Kemmling. Auf Platz eins bleibt der Deutsche Meister von 2019, Michael Grau. Sein Taktiker David Chapman, der Profi aus Australien, hatte sich schon vorher auf die Rennen gefreut: „Der Samstag war schon sehr tough – wellig und windig. Wir sind besser zurechtgekommen, als wir es erwartet hätten. Denn wir mögen lieber flaches Wasser und moderaten Wind. Deshalb sind die leichteren Bedingungen besser für uns.“ In der ersten Tageswettfahrt spiegelte sich das zwar nicht im Ergebnis wider, denn mit Platz zehn segelte die Grau-Crew das Streichresultat ein. Danach aber überzeugten sie mit einem überlegenen Tagessieg. Auch Carsten Kemmling musste sein Streichresultat hinnehmen, liegt nun punktgleich mit Lehmann auf Gesamtrang zwei.

J/80

Boot repariert, Schnelligkeit wiedergefunden. In der J/80 ließ sich Martin Menzner (Stein) bisher nur von einem gerissenen Unterliekstrecker von Platz eins abbringen. Nachdem der Schaden am Samstagabend wieder repariert worden ist, gab es am Sonntag zwei weitere Siege zur klaren Gesamtführung. Dem Speed können auch die German-Open-Sieger von 2019 nicht folgen. Arne Wilcken (Kiel) muss als Zweitplatzierter derzeit die Überlegenheit der Menzner-Crew anerkennen. „Die sind einfach schnell“, so Thore Hansen aus dem Wilcken-Team.

Batbold Gruner aus Bad Zwischenahn verteidigte die Führung in der Nachwuchsklasse Laser 4.7. Foto: Sascha Klahn 

Laser 4.7

Einem herausragenden ersten Tag ließ Batbold Gruner einen guten zweiten Tag folgen, konnte die Ergebnisse von zwei Siegen zum Auftakt aber nicht ganz wiederholen: „Es ist noch ganz gut ausgegangen, aber ich habe heute nicht in den Modus gefunden, hatte nicht den Speed von gestern“, blickte er mit einer großen Portion Selbstkritik auf die Ergebnisse. Die reichten allerdings, um die Spitze zu verteidigen. Nach den Plätzen 5, 3, 4 führt der Dritte der Deutschen Jugendmeisterschaft von 2018 vor dem Schweden Erik Norlén und dem Dänen Magnus Heegard. „Nachdem so viele Regatten ausgefallen sind, hat die Kieler Woche einen extrem hohen Stellenwert“, so Gruner.

Laser Radial

Der Nachwuchs macht es der Weltmeisterin schwer: Bei den Laser Radial konnte sich der Niederländer Paul Hameeteman an der belgischen Top-Seglerin Emma Plasschaert vorbeischieben. Unter den 81 Teilnehmern lieferten sich die beiden Benelux-Segler*innen ein Fernduell segelten in verschiedenen Gruppen. Hameeteman hatte seine Konkurrenz besser im Griff, punktete mit 1, 1, 2, während der Weltmeisterin von 2018 diesmal mit 2, 2, 5 kein Tagessieg gelang. Auf Rang drei lauert die Dänin Anna Munch. Die hat bereits einen Kieler-Woche-Sieg in den Büchern stehen – allerdings 2014 in der Europe. Auf die Position als bester Deutscher hat sich Anton Nikolai Loeck geschoben. Der Flensburger belegt Rang acht.

Musto Skiffs

DDie Musto Skiffs legten vom ersten auf den zweiten Tag einen erstaunlichen Zuwachs hin. Die Beteiligung wuchs um 50 Prozent von acht auf zwölf Starter. Ein dennoch unbefriedigendes Meldeergebnis, das Deutschlands Top-Segler Iver Ahlmann aber zu begründen wusste: „Corona ist der Hauptgrund. Von den Niederländern fehlen einige, weil sie in dieser Saison nicht fit sind. Zudem wird in England gerade die nationale Meisterschaft gesegelt. Aber von dort wäre wegen Corona ohnehin kein großer Zulauf gekommen.“ 2020 ist ein hartes Jahr für die deutsche Szene der rasanten Skiffs. Eigentlich hätten sie im August vor Eckernförde gesegelt werden sollen, wurde wegen der Pandemie aber abgesagt. „Wir wollen die WM nun in zwei Jahren in Deutschland wiederholen. So ein Ereignis gibt einer Klasse immer einen Push. Aber es ist gar nicht so einfach, die richtigen Leute für die Klasse zu finden. Der Kreis wird wegen des großen Angebots immer kleiner“, sagt Ahlmann, der mit drei Siegen in Folge die Führung übernahm: „Ich habe Druck auf Paul Dijkstra gemacht und dann von seinen Fehlern profitiert.“ Der Niederländer nimmt Platz zwei vor Jan Busch (Aachen) ein.

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