„Die Kieler Woche ist doch großartig“

Die Förde gehört zu Kiel, wie das Segeln zur Kieler Woche. Daher werden bei deren 125. Auflage Segelregatten und Sommerfest verstärkt zusammengebracht. „Es sind zwei Seiten einer Medaille“, erklärte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer beim Journalistenfrühstück der Sportjournalisten-Vereinigung Schleswig-Holsteinisch in Schilksee. „Die Kieler Woche ist unser Prunkstück, das wir noch ein bisschen polieren, um es noch mehr...

Die Förde gehört zu Kiel, wie das Segeln zur Kieler Woche. Daher werden bei deren 125. Auflage Segelregatten und Sommerfest verstärkt zusammengebracht. „Es sind zwei Seiten einer Medaille“, erklärte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer beim Journalistenfrühstück der Sportjournalisten-Vereinigung Schleswig-Holsteinisch in Schilksee. „Die Kieler Woche ist unser Prunkstück, das wir noch ein bisschen polieren, um es noch mehr zum Glänzen zu bringen.“

„Wir wollen stärker nach außen zeigen, dass das Segeln dazugehört“, so Kämpfer. Auf acht Leinwände in der Innenstadt können Besucher die Regatten verfolgen. Das ist eine der 125 Neuerungen zum Jubiläum. In einem Strategieprozess werden drei Kernaspekte für eine profilstarke moderne Kieler Woche herausgearbeitet: Segeln, der Geist der Völkerverständigung und die Möglichkeit, das jeder teilhaben kann. „Ich glaube, dass es möglich ist, auch ohne Geld einen tollen Abend zu haben.“

„Die Kieler Woche ist doch großartig. An guten Tagen haben wir mehr Gäste als das Oktoberfest in München.“ Doch in Bezug auf die internationale Wahrnehmung sei außerhalb des Segelsports noch Luft nach oben. Die Kieler Woche glänze aber mit der Vielfalt an 2000 unterschiedlichsten Veranstaltungen. „Ich kenne keine Stadt der Welt, die das so fantastisch verbindet, ohne ihre Wurzeln zu verletzen.“

Um sich international besser darzustellen, seien Partnerschaften, wie die diesjährige mit Aarhus wichtig, erklärt der Oberbürgermeister. Eine andere Möglichkeit sei es, Events wie den Zieleinlauf des Ocean Races nach Kiel zu holen. 2002 mit der Illbruck sei das eine tolle Erfahrung gewesen, aber auch eine finanzielle Herausforderung. Zusammen mit der Wirtschaft könne überlegt werden, wie das hinzubekommen sei.

Ein weiteres Segelevent außerhalb der Kieler Woche und die Einbindung von Europa- und Weltmeisterschaften während der Kieler Woche seien machbar und ein Gewinn, so Organisationsleiter Dirk Ramhorst. Aber man dürfe die rund 400 ehrenamtlichen Helfer auch nicht überstrapazieren. Wenn die Kieler Woche ihren hohen internationalen Standard halte, sollte in Zukunft die Kannibalisierung unter den Veranstaltungen verhindert werden, hofft Dirk Ramhorst im Hinblick auf die fehlenden 470er in Kiel. Zu nah sind die Weltmeisterschaften in Japan terminiert. Der vom Weltseglerverband angedachte Event-Kalender soll ab 2020/2021 Überlappungen verhindern.

Andere Felder der olympischen Bootsklassen sind sehr gut besetzt, so wie das Feld der 49er und 49erFX erklärt Susann Beucke. „Die Kieler Woche ist beliebt bei den Internationalen und zieht viele Segler an. Für uns ist das eine Pflichtveranstaltung, weil Tina und ich die Kieler Woche unheimlich mögen.“ Das Team Lutz/Beucke wolle die Rennen nutzen, um zu prüfen, wie ihre Arbeit im Trainingslager an der Geschwindigkeit bei viel Wind gefruchtet hat. Ein kleiner Zwischenschritt auf dem Weg nach Tokio 2020. „Mich motiviert der 49erFX an sich. Er ist schnell und athletisch, und selbst nach sechs Jahren komme ich noch meistens mit einem Lächeln im Gesicht vom Wasser.“

Erst seit etwa vier Jahren segelt Tim Fischer im 49er – zusammen mit Florian Graf. Das junge Team will sich im Feld der erfahrenen Segler behaupten und mitmischen. „Wir wollen jeden Tag Gas geben.“ Wenn es mit den Olympischen Spielen 2020 nicht klappen sollte, seien sie noch jung genug für 2024. Aber soweit wollen sie noch nicht denken, sondern sich erst einmal auf die aktuelle Qualifikation fokussieren. Wie ihre Chancen stehen, sei schwierig einzuschätzen, erklärt Florian Graf. „Die Qualifikation beginnt im Dezember. Bis dahin können alle Teams noch einen Sprung machen.“ Insbesondere unter den Nachwuchsseglern gebe es einen „unglaublichen Zusammenhalt“, so Tim Fischer. „Irgendwann wollen wir die großen Teams richtig ärgern können und hinter uns lassen.“ Bei den vergangenen Weltmeisterschaften haben sie bereits gezeigt, dass sie das Talent und die Fähigkeiten dazu haben. Fischer/Graf sicherten für Deutschland den Nationenplatz für die Olympischen Spiele in Japan.

Wie es nach 2020 weitergeht, darauf liegt zwar noch nicht der Hauptfokus, doch Susann Beucke denkt bereits darüber nach. „Tokio wird durchgezogen“, aber danach wolle sie Brücken bauen, um nicht komplett mit dem Segeln aufzuhören. Vom olympischen in den Profisegelsport zu wechseln, sei nicht einfach, vor allem nicht für eine Frau. „Die Akzeptanz ist nicht so hoch.“ Für sie sei es aber ein „mega cooler anderer Aspekt des Segelns.“ Daher hat sie begeistert die Einladung mit Boris Hermann eine Etappe auf der Imoca zu segeln angenommen. Ob das ihre Zukunft ist? „Das weiß man erst, wenn man es ausprobiert hat.“ Eine Atlantiküberquerung mit zehn Männern und einer weiteren Frau hat sie bereits gesegelt. „Es riecht schon streng, aber ich hab vorgeschlagen, sich zwischen den Zehen vor dem Schlafengehen zu waschen“, sagt sie grinsend.

Auch in der männlichen 49er Konkurrenz gibt es Offshore-Ambitionen. „Ich bin dem Ocean Race gegenüber nicht abgeneigt, aber zurzeit liegt der Fokus auf dem 49er. Mein Beruf ist der 49er. Ich informiere mich über das Offshore Segeln, aber das ist nur Freizeit“, so Fabian Graf. „Ich bin eher für den olympischen Bereich und werde als 49er-Spezialist weiterfahren“, winkt Tim Fischer einen möglichen Bootswechsel ab. „Ich habe einen guten Teampartner, daher bleibe ich erstmal dabei“, steigt auch sein Vorschoter wieder mit ihm ins Boot.

Im Anschluss ans Frühstück im Zelt ging es dann für die Athleten aufs Wasser. Die Bedingungen versprechen einen guten ersten Tag für die olympischen Klassen.

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