Guter Wind, schnelles Segeln!

Die Kieler Woche ist an Tag drei wie schon am Vortag auf den schnellen Parcours eingebogen. Die dünne Wolkenschicht verminderte zwar den Thermikeinfluss, drückte ein wenig auf die Windgeschwindigkeiten und sorgte für größere Böentätigkeit, aber das Programm auf den Bahnen der elf Klassen konnte zügig über den Kurs gebracht werden. „Wir haben einmal mehr fast alles gesegelt, was ging“, sagte Organisationsleiter Dirk Ramhorst. „Es war zwar etwas weniger Wind als vorhergesagt, und dafür war die Welle etwas stark. Aber bisher wurden die Erwartungen übererfüllt.“

Das gilt wohl auch für Heiko Kröger. Dem elften Kieler-Woche-Sieg des Hamburgers steht kaum noch etwas im Weg. Der 2.4mR-Meister segelte in den neun Wettfahrten bisher sieben Siege, einen zweiten und einen dritten Platz ein. Damit ist die Konkurrenz von 22 Athleten aus sieben Nationen überfordert. Der letzte Tag in den internationalen Klassen wird für den Paralympics-Sieger von 2000 daher zum Schaulaufen.

Auch Anna Livbjerg aus Dänemark segelt in der Europe in einer eigenen Liga – bei allen Windbedingungen. Ihre Bilanz entspricht der von Kröger, daher reicht der Dänin in den beiden noch ausstehenden Rennen ein mittlerer Platz, um ihren Kieler-Woche-Sieg von 2017 zu wiederholen.

Noch beeindruckender ist die Serie von Szabolcs Majthényi/András Domokos. Im Flying Dutchman gewinnen die ungarischen Weltmeister einfach jedes Rennen. Kai Schäfers (Arnsberg) musste mit Vorschoter Andreas Happich zwar vorerst den zweiten Platz räumen und rutschte auf Rang drei ab, aber damit ist der Vize-Weltmeister dennoch zufrieden. Zur WM in Neuseeland segelte Schäfers an der Vorschot von Kay-Uwe Lüdtke. „Aber nach der WM und der DM hatte mein Steuermann nicht mehr genug Zeit. Dass ich jetzt die Pinne übernommen habe, ist kein Problem. Ich segele FD seit meinem 14. Lebensjahr und wechsele immer zwischen Steuer und Vorschot.“

Die 29er wurden mit vier Wettfahrten im Vergleich zum Vortag (fünf Rennen) etwas geschont. Für Elena Krupp/Carla Borlinghaus (Wörthsee) steht nach dem Tag ein 24. Rang unter den 118 Teams in der Liste. „Damit sind wir zufrieden, denn im Vergleich der Mädchenteams, die zu den Youth Worlds in Polen fahren, sind wir derzeit Zweite“, sagte Elena Krupp. An der Spitze des gesamten Feldes stehen gar die Jungs vom bayerischen Nachbarsee. Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Ammersee) werden zu den Youth Worlds bei den 29er-Jungs die deutschen Farben vertreten und sind dafür schon bestens in Form. „Es lief alles super, auch wenn wir eine Frühstart-Disqulifikation kassiert haben. Aber wir sind zuversichtlich, dass wir den Platz halten können“, sagte Steuermann Schupp, während sein Vorschoter warnte: „Morgen müssen wir aufpassen und etwas vorsichtiger agieren. Der Frühstart haut schon rein.“

Nach einem harten Tag am Sonntag konnten die Foiling Dinghys in der etwas abgeschwächten Brise ein wenig durchatmen. Gleichwohl hat sich das Feld der Piloten auf den fliegenden Motten und Wespen deutlich reduziert. Die kräftigen Winde und die wilden Wellen vom Sonntag hatten sowohl Mensch als auch Material mitunter überfordert. Viele Teilnehmer mussten eine Extrarunde in der Werkstatt drehen. So startete nur noch ein Sextett in den dritten Tag. Die Zieleinläufe scheinen dabei festgezurrt zu sein. In fast schöner Regelmäßigkeit kreuzte der Schweizer Adriano Petrino vom Luganersee die Ziellinie vor den Kielern Max Lutz und Julian Ramm, die beide Hochgeschwindigkeiten aus ihren Zeiten als Konkurrenten im olympischen 49er gewohnt sind.

Bei den Musto Skiffs hält der Brite Rick Paecock die Spitze. Iver Ahlmann (Büdelsdorf) als bester Deutscher lauert als Vierter knapp hinter dem Podium.

Wird es doch noch einmal eng mit dem 22. Kieler-Woche-Sieg von Wolfgang Hunger? Nach einer souveränen Serie in den ersten sieben Wettfahrten haben Hunger und Vorschoter Holger Jess die Tür für die britischen Verfolger Penny und Russell Clark zunächst einmal geöffnet. Mit einem siebten Platz segelten die Hausherren ihren Streicher ein, während die Eheleute aus England als Sieger ins Ziel rauschten. Doch in der folgenden Wettfahrt wurde mit den Plätzen vier für Hunger/Jess und zehn für Clark/Clark der alte Abstand wieder hergestellt.

Der Contender-Europameister des vergangenen Jahres dreht auf und macht Druck auf den Führenden. Nach einem mittelmäßigen Einstieg in die Kieler Woche bei den leichteren Winden am Samstag hat der Däne Sören Dulon Andreasen immer besser in den Wettkampf gefunden und den Abstand zu Spitzenreiter Christoph Homeier (Bremen) auf nur noch zwei Punkte verkürzt. Dass ihm die Kieler Förde liegt, hat der Mann aus Hellerup immer wieder bewiesen – zuletzt im vergangenen Herbst, als er die Deutsche Meisterschaft vor Schilksee gewann.

In den beiden Laser-Klassen ist das Abschneiden der deutschen Teilnehmer von unterschiedlicher Bedeutung. Während bei den jungen 4.7-Seglern der Kieler Ole Schweckendiek als überlegen Führender vor seinem bisher größten Karriere-Erfolg steht, hat die Kieler Woche für Malte Winkel bei den Laser Radial nur Spaßcharakter. Winkel segelt sonst 470er. Da die Klasse aber aus dem Programm gestrichen wurde, stieg er kurzerhand um. „Ich wollte unbedingt vor Kiel segeln. Strategie und Taktik kann man gut auf dem Laser üben. Und es macht Spaß. Die Olympia-Teilnahme im 470er im nächsten Jahr steht aber klar im Vordergrund“, sagte Winkel, der aktuell auf Platz 14 liegt. Die Spitze hat der Australier Otto Henry übernommen.

Bei der Europameisterschaft der OK-Jollen wurde der Angriff auf die Spitze für Jan Kurfeld hart ausgebremst. Die WM-Dritte des vergangenen Jahres kassierte im ersten Rennen des Tages seinen Streicher und musste auch danach ein paar weitere Punkte zuviel im Vergleich zu EM-Titelverteidiger Fredrik Lööf kassieren. Der Schwede ist daher rundum zufrieden: „Es ist ein einzigartiges Event, und die OK-Jolle ist für mich ein wenig back to the roots. Nach einigen Jahren professionellen Segelns liegt der Fokus nun auf der Familie und meiner zehnjährigen Tochter. Dafür ist die OK-Jolle toll. Eine schönes kleines Boot und tolle Leute in der Klasse. In Kiel war ich das erste Mal mit 16 Jahren und habe große Erinnerungen an die Zeit mit meinem Vater hier.“ Lööf führt die EM-Wertung vor dem Franzosen Valerian Lebrun und Jan Kurfeld an. Der zweimalige Weltmeister André Budzien (Schwerin) hat dagegen noch nicht so in Tritt gefunden. „Aber das Boot hat Potenzial. Noch haben wir nicht so zusammengefunden. Das kommt bestimmt zur nächsten Saison. Ich muss mich noch etwas einfuchsen.“

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