Heiße Luft, wenig Wind

Mit deutschen Fehltritten startete der vorletzte Tag der 125. Kieler Woche in den schnellen Olympiaklassen. Damit wird es bei den Nacra17 und 49erFX enger für deutsche Goldmedaillen zur Kieler Woche. Im Gegenzug setzten die Finn-Asse Phillip Kasüske und Max Kohlhoff Big Points im Kampf um die Medaillen und sind für das Finale hoffnungsfroh. Nach einer...

Mit deutschen Fehltritten startete der vorletzte Tag der 125. Kieler Woche in den schnellen Olympiaklassen. Damit wird es bei den Nacra17 und 49erFX enger für deutsche Goldmedaillen zur Kieler Woche. Im Gegenzug setzten die Finn-Asse Phillip Kasüske und Max Kohlhoff Big Points im Kampf um die Medaillen und sind für das Finale hoffnungsfroh.

Nach einer Spätschicht am Freitag kam der Samstag schwer in Fahrt. In der Strander Bucht arbeiteten Thermik und Gradientwind gegeneinander und sorgten für löchrige Windfelder. Die schnellen Klassen (49er, 49erFX und Nacra17) waren daher zwar früh auf dem Wasser, nach einer Wettfahrt aber auch schon wieder im Hafen, um dort abzuwarten, dass sich die Brise im Laufe des Tages stabilisieren würde. Das tat sie aber nicht. Um 17.30 Uhr wurden schließlich alle weiteren Wettfahrten abgesagt. Besser ging es auf den meisten der weiter außen gelegenen Bahnen. So segelten die Laser und Finns jeweils zwei Wettfahrten, die J-Klassen sogar vier und die 420er ein Rennen.

Früh auf der Bahn, zu früh über die Linie: Die Berlinerinnen Victoria Jurczok/Anika Lorenz kassierten in der einzigen Tageswettfahrt der 49erFX eine Frühstart-Disqualifikation und haben damit nun das Streichresultat auf der Liste, das sie bisher so vehement vermieden hatten. Dennoch verteidigten sie einen Sechs-Punkte-Vorsprung und haben damit im Medal-Race, der einzigen Wettfahrt am Abschlusstag, alle Trümpfe in der Hand, um ihren ersten Kieler-Woche-Sieg einzufahren. Ins Straucheln sind die nationalen Konkurrentinnen Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) geraten. Durch ihren 24. Platz sind sie nun Fünfte, haben zwar noch eine Chance auf eine Medaille vor Kiel, aber nicht mehr auf die goldene.

Für die neuseeländischen Segelstars Peter Burling/Blair Tuke verlief der Tag ebenfalls nicht wunschgemäß. Rang 16 warf die 49er-Olympiasieger von 2016 und Gewinner des vergangenen America’s Cup auf den sechsten Rang zurück. Schon am Freitag fanden die Kiwis nicht auf die Erfolgswelle. Peter Burling nahm es gelassen: „Das Wetter ist super, der Wind schwierig. Aber es ist gut, hier zu sein und sich in der starken Konkurrenz zu messen.“ Nach AC 2017 und Teilnahme am Volvo Ocean Race 2017/18 ist der Fokus jetzt wieder in Richtung Olympia ausgerichtet. „Aber wir müssen uns noch qualifizieren. Die nationale Konkurrenz ist stark, aber das pusht einen ja nur nach oben.“ Burling/Tuke sind vor dem Medal Race Fünfte, die Führung haben die Polen Lukasz Przybytek/Pawel Kolodzinski inne. Einzige deutsche Mannschaft im Finale am Sonntag sind die zehnplatzierten Tim Fischer/Fabian Graf.

Ein weiterer Ausrutscher im Nacra17 kostete die bisher führenden Kieler Paul Kohlhoff/Alica Stuhlemmer die Spitzenposition. Der Abstand auf den Goldrang ist allerdings noch klein, so dass es im Medal-Race möglich sein wird, die Österreicher Thomas Zajac/Barbara Matz anzugreifen. Zajac, der Olympia-Dritte von Rio, ist in jedem Fall glücklich mit seinem Auftritt: „Die Kieler Woche hat bei uns im österreichischen Verband einen hohen Stellenwert, und es ist immer cool hier zu segeln.“ Nach der Kieler Woche, die das Duo Zajac/Matz gern zum dritten Mal in Folge auf einem Podiumsplatz beenden möchte, wird es für die Österreicher nach Japan zum Olympia-Testevent gehen, anschließend nach Neuseeland zur WM-Vorbereitung. „Das Nationenticket für die Spiele haben wir schon geholt. Jetzt geht es für uns auch noch um die interne Qualifikation. Wir haben in Österreich durchaus zwei, drei Mannschaft, die bei Olympia segeln könnten“, so Barbara Matz.

Gute deutsche Chancen auf einen Podiumsplatz zur Kieler Woche gibt es im Finn. Phillip Kasüske (Berlin) überzeugt durch eine beständige Serie von Top-Fünf-Ergebnisse und liegt insgesamt auf dem zweiten Platz. „Es war anstrengend in den vergangenen Tagen, aber es ist ganz gut gelaufen. Ich habe mir nur wenige Feher erlaubt. Der Kroate Milan Vujasinovic hat in den letzten Wettfahrten einen super Job gemacht, sich offenbar perfekt auf das Revier eingespielt“, sagte Kasüske und wagte bereits einen Blick voraus auf das kommende Frühjahr: „In Genua wollen wir die letzte Chance nutzen, um Deutschland für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Max Kohlhoff und ich arbeiten dafür eng zusammen.“ Auch Kohlhoff ist als Fünfter vor Kiel noch eng dran an den Medaillenplätzen.

Svenja Weger sicherte sich im schweren zweiten Rennen am Samstag den Sieg und damit Platz sechs in der Gesamtwertung. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Bei den Lasern ist dagegen ein Podiumsplatz für Deutschland kaum mehr möglich. Bei den Radial-Frauen erwischte Svenja Weger einen wechselhaften Tag mit einem 15. Platz und einem Sieg zum Abschluss. „In der ersten Wettfahrt bin ich durch die Mitte gesegelt, das wurde nicht belohnt. Es ging über links. Das zweite Rennen war schwierig, da der Wind kurz vor dem Ziel einbrach und es eigentlich mehr Treiben als Segeln war. Aber insgesamt war es okay“, so die Kielerin. „Wenn es im Laufe der Serie der ein oder andere Ausrutscher nach unten weniger gewesen wäre, hätte es noch besser sein können. Aber der sechste Platz aktuell ist okay, und vielleicht geht ja noch ein bisschen was morgen.“ Neben Weger geht auch noch Pia Kuhlmann als Zehnte in das Medal Race. Die Schwedin Josefin Olsson verteidigte ihre Führung und hat mit zwölf Punkten Vorsprung gute Chancen, sich das Gold von Kiel zu sichern.

Bei den Laser-Männern wurde das bisher führende Trio aus Großbritannien durch den Schweden Wilhelm Kark gesprengt. Er liegt jetzt zwischen Spitzenreiter Jack Cookson und dem drittplatzierten Daniel Whiteley. Nico Naujock (Berlin) wird als einziger Deutscher im Medal-Race segeln. Als Siebter sind seine Chancen auf eine Top-Drei-Platzierung allerdings nur gering.

Die vier internationalen Klassen hatten unterschiedlich intensive Segeltage. Nur zu einer Wettfahrt reichte es bei den 420ern. Hier brachten sich Theresa Steinlein/Jonas Royla (München) durch einen zweiten Platz auch in der Gesamtwertung auf Rang zwei. In den internationalen Klassen wird kein Medal-Race gesegelt, so dass in den zwei geplanten Wettfahrten am Sonntag auch noch der Angriff auf die führenden Polen Patryk Kosmalski/Tomasz Lewandowski möglich ist.

Der Sieg in der J/24 ist dagegen so gut wie vergeben. Mit einer beeindruckenden Siegesserie im Rücken werden sich die US-Amerikaner um Keith Whittemore nicht mehr durch die Hamburger (Stefan Karsunke) oder Berliner (Frithjof Schade) vom Thron stoßen lassen.

In den fast ausschließlich deutsch geprägten Klassen der J/70 und J/80 steuern Philipp Bruhns (Berlin, J/70) und Arne Wilcken (Kiel, J/80) auf Siegkurs. Allerdings sind die Punktabstände noch gering, so dass am Schlusstag noch Verschiebungen möglich sind.

Geplante Startzeiten für die Medal-Races:

11.00 Uhr: Nacra 17 und Finn

11.40 Uhr: Laser Radial

11.45 Uhr: Nacra 17

12.20 Uhr: Laser Standard

12.30 Uhr: 49er

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