Kleine Delle in der perfekten Kieler Welle

Nach sechs perfekten Segeltagen gab es vor Schilksee zwar wieder viel sommerlichen Glanz, aber diesmal nur schwachen Wind. Schon am Morgen bestimmte eine glatte Wasserfläche das Bild auf der Außenförde und sorgte für eine lange Startverschiebung. Im Anschluss ging der Blick der Wettfahrtleitungen immer wieder auf die Förde hinaus – und der der Segler an...

Nach sechs perfekten Segeltagen gab es vor Schilksee zwar wieder viel sommerlichen Glanz, aber diesmal nur schwachen Wind. Schon am Morgen bestimmte eine glatte Wasserfläche das Bild auf der Außenförde und sorgte für eine lange Startverschiebung. Im Anschluss ging der Blick der Wettfahrtleitungen immer wieder auf die Förde hinaus – und der der Segler an den Signalmast. Doch der rot-weiße Wimpel als Zeichen für Startverschiebung wollte sich nicht vehement genug rühren. Ein zwischenzeitliches Auslaufen-Signal für die 49erFX endete in einem abgebrochenen Startversuch. Die restlichen Flotten der sechs Olympia- und vier internationalen Klassen harrten im Hafen aus, nur vereinzelt unternahmen einige J-Crews einen Ausflug auf das Wasser – zum Baden. Am späten Nachmittag wurden alle Klassen doch noch auf die Bahnen geschickt – mit zörgerlichem Erfolg. Die Skiff-Frauen schafften auf der landnahen Bahn zwei Rennen, die weiteren Klassen segelten bis in den Abend hinein.

Nervenaufreibend war die charaktersitische Umschreibung für den Rennverlauf bei den 49erFX. „Es war super-anstrengend, der Wind war instabil in Richtung und Stärke. Man hatte immer den Eindruck, dass die anderen den Wind haben und man selbst nicht. Da ist es wichtig, ruhig zu bleiben. Das gelingt mir selten, aber Anika besser. Dafür waren die Ergebnisse dann ganz gut“, berichtete Victoria Jurczok von einem spannenden Tag mit ihrer Vorschoterin Anika Lorenz. Mit den Platzierungen 5 und 6 wahrten die Berlinerinnen die Top-Position. „Die Beständigkeit ist das Entscheidende. Wir haben bisher noch keinen echten Ausrutscher. Deshalb sind wir zufrieden. Ein Kieler-Woche-Sieg fehlt uns noch in unserer Vita. Deswegen wäre es cool, den Platz weiter zu verteidigen. Aber das ist schwer“, so Anika Lorenz.

Mit dem Blick voraus in Richtung Olympia, erklärte Steuerfrau Jurczok: „Die Nationen-Qualifikation ist eigentlich drittrangig. Denn wir wollen bei der Weltmeisterschaft so gut sein, dass das kein Thema sein sollte.“ Der interne Wettstreit um das Olympia-Ticket mit Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande) soll möglichst lange ruhen, um sich bis zu den Spielen intensiv zu pushen.

Lutz/Beucke erwischten indes einen durchwachsenen Tag. Dem 14. Platz im ersten Tagesrennen folgte ein vierter Platz. „Es war heute ultra-schwierig. Im ersten Rennen ging es über die rechte Seite, aber da kamen wir nicht hin und hatten an der ersten Tonnen dann auch noch eine kleine Kollision. Danach waren wir ganz hinten“, berichtete Tina Lutz. „Es wäre wichtig gewesen, frei zu segeln, um so mit dem Druck und den Drehern zu agieren. Aber das war dann natürlich nicht mehr möglich.“ In der zweiten Wettfahrt konnte sich das süd-norddeutsche Duo besser befreien. „Der vierte Platz war okay. Dass wir kurz vor dem Ziel noch den dritten Platz verloren haben, kam nicht von ungefähr. Die Italienerinnen sind bei leichten Wind sehr schnell, haben 20 bis 30 kg weniger Crewgewicht“, zog Vorschoterin Susann Beucke noch ein zufriedenes Fazit nach dem Tag.

Die weiteren Klassen auf den Dreiecksbahnen segelten noch bis in den Abend hinein, um nach dem Nachlassen der Thermik den stärker werdenden Westwind zu nutzen.

Auf den Weg in eine lange Nacht machten sich die Yacht-Crews. Um 18.35 Uhr schickte Wettfahrtleiter Ralf Paulsen die Flotte aus Double-Handed-Crews, Yardstick-Booten und ORC-Yachten von der Außenförde auf den 118 Seemeilen langen Kurs. Die Bahn führt die Flotte von 31 Mannschaften im Uhrzeiger-Sinn durch die Dänische Südsee – zunächst nach Svendborg und dann um Langeland herum. Der Auftakt hätte atmosphärisch kaum besser sein können. Bei Sonnenschein und Westwind ging es unter Gennaker und Spinnaker in Richtung Dänemark. Die kurze Nacht in der Inselwelt dürfte die Mannschaften vor viele navigatorische Aufgaben stellen, aber mit einem sommerlich-launigen Abend entschädigen.

Für den weiteren Verlauf der Kieler Woche verspricht Wetterexperte Dr. Meeno Schrader wieder Besserung. Am Samstag kann es noch schwachwindig bleiben, aber eine Seebrise sollte sich nach Meinung des Kieler Meteorologen nach dem Windeinbruch über Mittag durchsetzen. Und für den Sonntag zu den Medal Races der Olympiaklassen verspricht Schrader vier bis fünf Windstärken bei Sonne und 30 Grad Celsius.

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