Maximale Wettfahrt-Ausbeute

Dem gebremsten Aufgalopp zur Kieler Woche auf den Dreiecksbahnen folgte am zweiten Tag ein langer Ritt für die 13 Klassen. Zwischen vier und fünf Wettfahrten wurden auf den acht Bahnen gesegelt, und erst nach Stunden auf dem Wasser kehrten die Athleten von der Außenförde zurück – die meisten allerdings rechtzeitig genug, um das Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM sehen zu können.

Damit konnte auch Organisationsleiter Dirk Ramhorst ein zufriedenes Fazit des ersten Wochenendes ziehen: „Wir haben heute das Maximum rausgeholt und konnten einiges aufholen. Damit fällt der mäßige erste Tag nicht so ins Gewicht.“ Die Sportler wünschten sich nach diesem Tag allerdings auch etwas Ruhe. „Das war nicht einfach mit der kurzen steilen Welle“, so Ramhorst. An den Spitzen der Felder ergibt sich nach dem zweiten Regattatag ein buntes Feld mit Gesamtführenden aus vier Nationen. Naturgemäß haben die Deutschen in den meisten Klassen den Bug vorn.

29er: Ein skandinavisches Trio liegt bei den Nachwuchs-Skiffs nach vier Rennen vorn. Die Norweger Mathias Nerthet/Alexander Franks-Penty führen vor Oscar Engström/Hugo Westberg (Schweden) und den Dänen Frederik Fomsgaard/Mads Fuglbjerg. Die besten Deutschen, Ben Heinrich/Carolina Horlbeck (Kiel/Lübeck), haben auf Rang vier zwar einen Ausrutscher in der Liste, aber auch zwei Rennsiege.

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505er: An der Spitze der Fiven rangiert nach vier Wettfahrten eine neue Kombination, aber auch ein alter Bekannter. Der Eckernförder Bootshändler Holger Jess zieht zur Kieler Woche im Vorschiff des Australiers Michael Quirk die Strippen – und das offenbar sehr erfolgreich. Auf dem Heimatrevier von Jess hat das Duo die Führung vor Stefan Köchlin/Andreas Achterberg übernommen. Für Holger Jess winkt nach dem Sieg von 2015 mit Meike Schomäker der nächste Erfolg vor Kiel. Es wäre der zehnte in seiner 505er-Karriere seit 1994.

Albin Express: Der Flensburger Jan Brink hat mit seiner Crew bei den Kielbooten der Albin Express die besten Karten in der Hand, um das Triple voll zu machen. Nach den Kieler-Woche-Siegen 2016 und 2017 führen Brink und Co auch jetzt wieder das Feld an – dicht gefolgt allerdings von Andreas Pinnow aus Kiel.

Contender: Nachdem der Bremer Christoph Homeier auf seinem ehemaligen Heimatrevier die erste Wettfahrt nicht ins Ziel gebracht hatte, legte er am zweiten Tag mächtig los. Mit zwei Siegen und zwei zweiten Plätzen setzte er sich an die Spitze des Felds vor dem dänischen Segelmacher und Dritten der WM 2017, Jesper Nielsen aus Dänemark.

Europe: Zweimal hat der Norweger Lars Johan Brodtkorb bereits die Kieler Woche gewonnen – zuletzt vor zwei Jahren. Jetzt schickt er sich an, den dritten Coup zu landen. Zumindest liegt er nach vier Rennen in der Führungsposition vor dem Tschechen Stephan Sivy und Fabian Kirchhoff (Dümmer). „Ich bin ganz gut in die Serie gestartet, auch wenn der fünfte Platz zum Ende heute das Streichresultat war. Die Konkurrenz ist sehr stark, da viele bereits für die WM in Deutschland im August trainieren wollen. Daher wäre ein Platz auf dem Treppchen schon ein starkes Ergebnis“, berichtete Kirchhoff, der eigentlich schon das Ende seiner Karriere ins Auge gefasst hatte. „Aber dann bin ich bei der WM vor zwei Jahren Fünfter geworden und wollte noch einmal mehr. Nach Platz drei im letzten Jahr dachte ich, ich sollte aufhören. Aber dann kam die Heim-WM um die Ecke. Und da will ich natürlich dabei sein. Und natürlich würde ich gern um eine Medaille mitsegeln“, so der Referendar, der in Flensburg Beruf und Sport gut kombinieren kann.

Flying Dutchman: In der ehemaligen Olympia-Klasse ist höchste Sportkompetenz am Start. Neben den elfmaligen Weltmeistern Szabolcs Majthenyi/András Domokos segeln auch der dänische Olympiasieger von 1988 Jörgen Bojsen-Möller und sein Bruder Jacob um den Sieg mit. Aktuell müssen die sich aber hinter den Gesamtführenden Kilian König/Johannes Brack (Hannover/Edersee) einreihen.

Folkeboot: Die Laboer Sönke Durst/Marc Rokicki/Ulrich Schäfer geben derzeit bei den Folkebooten das Tempo vor. Nach einem Tag ohne echten Ausrutscher führen sie das von Crews der Kieler Förde dominierte Feld an. Es folgen Jürgen Breitenbach aus der Innenförde und Walter Furthmann aus Strande.

Formula 18: Einem deprimierenden Auftakt ließen die Flensburger Martin Friedrichsen/Björn Wendel eine starke Serie folgen, um sich auf Platz eins zu setzen. „Im ersten Rennen hatten wir einen Blackout an der Luvtonne und haben die Offset-Tonne vergessen. Damit mussten wir aufgeben. Es ist natürlich blöd so anzufangen, aber das Boot lief gut, und das hat uns Sicherheit gegeben“, berichtete das Duo, das sich erst im letzten Jahr als Team zusammengefunden hat. Mit aktuellem Bootsmaterial sind sie schnell unterwegs und peilen nach gutem Saisonauftakt nun weitere Erfolge in diesem Jahr an.

Hobie 16: Ein buntes Wechselspiel gibt es in der Topposition der Hobie-Katamarane. Nachdem Jens Goritz/Kerstin Wichardt über Nacht Platz eins belegten, eroberte zwischenzeitlich der Klassenpräsident und Titelverteidiger Knud Jansen mit seiner Ehefrau Inis die Führung. Am Ende des zweiten Tages muss das Ehepaar durch einen Ausrutscher im letzten Rennen aber Lauritz Bockelmann/Anke Delius den Vortritt lassen.

J/24: Der Kieler-Woche-Titelverteidiger Mike Ingham wird sich mit seiner Crew in der J/24 wohl strecken müssen, um einen erneuten Erfolg auf der Außenförde zu landen. Denn die Berliner Weltmeister von 2016 um Daniel Frost segeln fast makellos. Nach vier Rennen haben sie drei Siege auf dem Konto, müssen allerdings einen fünften Platz streichen. Zwischen Frost und Ingham rangieren noch die Hamburger um Stefan Karsunke.

Die Laser bieten die größten Felder zur Kieler Woche auf. Foto: segel-bilder.de (Bild: segel-bilder.de)

Laser 4.7/Laser Radial: In den stattlichen Feldern der beiden Laser-Klassen musste nach den Gruppenrennen am Abend noch lange gerechnet werden, bis die Ergebnisse komplett waren. Bei den Laser 4.7 führte Cesare Barabino (Italien) die Flotte der 111 Konkurrenten an. Die über 170 Teilnehmer starke Flotte der Laser Radial wurde am Abend noch errechnet. Der Allgäuer Julian Hoffmann mischte mit einer beständig starken Serie aber im Vorderfeld mit.

OK-Jolle: Dass Finn-Segler den Umstieg auf die OK-Jolle ohne Probleme bewältigen, beweist Jan Kurfeld. Der Wismarer setzte mit vier Siegen in vier Rennen die Glanzpunkte dieser Klasse. Im vergangenen Jahr tauchte der ehemalige Olympia-Aspirant im Finn erstmals in der OK-Jolle auf und tritt damit nahtlos in die Fußstapfen von Andre Budzien, der diesen Weg bereits mit dem Gewinn des WM-Titels gekrönt hat. Budzien ist vor Kiel nicht am Start, und so führt Kurfeld vor den beiden Dänen Bo Petersen und Mads Bendix.

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