125. Kieler Woche

OK-EM: Wer stoppt Lööf?

Startmarathon zum Auftakt der Kieler Woche. Déjà-vu bei den 505ern? – Riesiger Andrang in der Jugendklasse 29er

Von der Aalregatta bis zur OK-EM: Das A und O der Kieler Woche ist das Segeln. Die 125. Kieler Woche erwartet rund 4.000 Aktive aus über 50 Nationen, die ab Samstag, 22. Juni, bis Sonntag, 30. Juni, vor Kiel segeln. Natürlich stehen dabei die olympischen Klassen und der imponierende Auftakt mit den Bigboats vor Düsternbrook am Samstag schnell im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Doch die Kieler Woche lässt sich auch im 138. Jahr nicht auf wenige Klassen reduzieren. Von der Youth Sailing Champions League, der 29er-Nachwuchsskiff-Klasse über die foilenden Moths und Wazsps bis hin zur 1956 entworfenen OK-Jolle sowie den Klassikern bilden historische Yachten und 15 internationale Klassen weit mehr als nur einen passenden Rahmen für Olympiakandidaten, fliegende Skiffs und imponierende Giganten. Alle Teilnehmer zusammen bilden die 125. Kieler Woche ab, die Jahr für Jahr einzigartig Tradition mit Erneuerung verbindet.

Olympiasieger Lööf jetzt in der OK-Jolle

Mit der Titelverteidigung des Kieler-Woche-Siegers in der OK-Jolle würde sich Jan Kurfeld gleichzeitig den Titel des Europameisters sichern, denn die Internationale Klasse trägt im Rahmen der Kieler Woche ihre EM aus. Die vier Meter lange und 1,42 Meter breite OK-Jolle wurde 1956 von Knud Olsen in Stubbeköbing (Dänemark) gezeichnet und erhielt sieben Jahre später vom Weltseglerverband die Anerkennung als Internationale Klasse. Heute gibt es in Deutschland, Dänemark, Schweden, England und Polen große Flotten. Aber auch in Neuseeland und Australien werden Weltmeisterschaften ausgetragen. Seit zwei Jahren erfreut sich die OK-Jolle steigender Beliebtheit. Auch Kurfeld, der 2018 den dritten Platz bei der WM belegte, hat seine Leidenschaft für die OK-Jolle entdeckt.

Der heute 31-Jährige gehörte einst zu den deutschen Kader-Seglern im Finn und hatte olympische Ambitionen. Doch 2017 stieg Kurfeld in die OK-Jolle um und war sofort begeistert. Die OK-Jolle sei eine Art Kombination aus Laser und Finn und habe für viele etwas zu bieten. Auch technisch habe sich einiges getan – sowohl bei den Masten als auch bei den Segeln. Die OK-Jolle sei interessant für Segler, die gerne mit den Trimmfunktionen arbeiteten. Bei den Trimmwerkzeugen gebe es sehr flexible Klassenregeln, die ganz individuell an jeden einzelnen Segler angepasst werden könnten, so Kurfeld, der in Kiel zum Doppelschlag ausholen möchte.

Doch die Trauben in Kiel hängen extrem hoch. Schon Kurfelds 39. Patz unlängst bei der WM in Neuseeland unterstrich, wie hochkarätig das seglerische Niveau in der OK-Jolle inzwischen ist.

Allein der Name Frederik Lööf lässt aufhorchen. An der Vorschot seines Landsmannes Max Salminen krönte der Schwede 2012 seine olympische Karriere und gewann die Goldmedaille im Star. Bereits vorher schrieb sich Lööf bei den Olympischen 2000 im Finn und 2008 im Star (zusammen mit Anders Ekström) jeweils mit Bronze in die Olympia-Medaillenliste ein. Mit zusätzlichen drei WM-Titeln im Finn und zweien im Starboot gehört der 49-Jährige zu den ganz Großen des Segelsports.

Inzwischen tritt der sechsfache Olympiateilnehmer in der OK-Jolle an. Die Vize-Weltmeisterschaften 2018 und 2019 sowie der EM-Titel 2018 stehen bereits nach kurzer Zeit auf der Erfolgsliste.

Und in Kiel ist die Liste der Favoriten und Lööf-Jäger lang. Dazu gehört sein Landsmann Thomas Hansson-Mild (OK Weltmeister 2017 und EM-Dritter 2018). Aus Neuseeland kommt der dreifache Kieler-Woche-Sieger Greg Wilcox (ehemaliger OK-Weltmeister), aus Norwegen der Europameister von 2017, Lars Johan Brodtkorb. Der Ozeanografie-Student (Jahrgang 1995) ist amtierender Europe-Vizeweltmeister und Europameister 2017 in der OK-Jolle und fuhr bei der letzten Finn-WM auf Rang 31. In Kiel gewann Brodtkorb die Kieler Woche-Regatten 2013, 2016 und 2018 in der Europe.

Die deutsche Flotte wird angeführt vom dreifachen OK-Jollen-Weltmeister und Finn-Master-Weltmeister André Budzin und dem amtierenden Kieler-Woche-Sieger Jan Kurfeld. Insgesamt 99 Starter aus elf Nationen haben für die EM gemeldet.

Andrang in den Jugendklassen

Eine weitere der 15 internationalen Klassen, die zur Kieler Woche an den Start geht, ist die Nachwuchsklasse 420er, die regelmäßig eine der größten Flotten stellt. In diesem Jahr dürfte der Andrang sogar noch etwas wachsen, weil der europäische Seglerverband das Finale des EUROSAF 420 Circuits in die Kieler Woche (ab Donnerstag, 27. Juni) gelegt hat.

Mit dieser Serie haben der Europäischer Seglerverband (EUROSAF) und die Internationale 420er-Klassenvereinigung eine neue Regattaserie kreiert, um das Zweihand-Jollensegeln in Europa zu fördern. Die Serie 2018/2019 umfasst sechs Veranstaltungen in ganz Europa, sie begann mit der Imperia Winterregatta in Italien und endet mit der Kieler Woche 2019. „Wir freuen uns, dass der Abschluss zur Kieler Woche stattfindet“, so Timo Haß. Der DSV-Jugendobmann und damit Präsidiumsmitglied des Deutschen Segler-Verbandes ist zugleich Schatzmeister und Veranstaltungs-Chef des Europäischen Verbandes. Insgesamt 72 Zweihandjollenaus sechs Nationen gehen an den Start.

Extrem stark besetzt ist die Nachwuchs-Skiffklasse 29er. 121 Starterinnen und Starter aus 19 Nationen treten in Kiel an. Aus Brasilien, Neuseeland und den USA reisen die Crews an, die den Auftritt bei der Kieler Woche in ihren Europa-Aufenthalt einbauen. Es folgen die Youth Worlds und die 29er-WM in Gydinia (Polen) im Juli.

Den achten Titel wieder gemeinsam?

Ein Déjà-vu könnte man beim Blick auf die 505er-Klasse vermuten. Wie einst 1997 segeln Wolfgang Hunger und Holger Jess wieder gemeinsam. Die beiden Routiniers hamsterten von 1997 bis 2007 zusammen sieben Kieler-Woche-Siege. Während der ehemalige Olympiateilnehmer im 470er Wolfgang Hunger danach zusammen mit Julien Kleiner sechs 505er-Siege (2008 bis 2013) folgen ließ, sammelte Jess mit den Steuerleuten Tim Böger, Meike Schomäker und Michael Quirk (Australien) drei weitere Kieler-Woche-Titel.

In diesem Jahr trifft der Kieler-Woche-Rekordsieger Hunger (insgesamt 21 Titel) auch auf die dänischen Brüder Jörgen und Jacob Bojsen-Möller, die dem Strander mit 17 Kieler Goldmedaillen (2107 im 505er, ansonsten vielfach im FD, darunter elfmal von 1997 bis 2008) am Heck hängen.

14 Starts in drei Stunden

Das Bild zum Auftakt der Kieler Woche ist unverändert. Am Samstag, 22. Juni, trifft sich die Offshore-Segelgemeinschaft vor der Kiellinie. Hier kommt es zum Stelldichein der Big Boats zur Aalregatta, zum Welcome Race und erstmals auch zum Kiel-Cup. Während die nach Yardstick vermessenen Yachten, die ORC-Club-Flotte, Katamarane, Einheitsklassen und die Double Hand Crews Richtung Eckernförde segeln, starten die ORCi vermessenen Yachten zur Mittelstrecke des Kiel-Cups, der mit Ups & Downs von Sonntag bis Dienstag fortgesetzt wird

ORC 1 – Tutima

Auch für die Wettfahrtleitung wird der Samstag eine sportliche Veranstaltung. „Wir werden die rund 230 Yachten in 14 Starts im fünf bis 30 Minuten Abständen auf die Bahn schicken“, so Wettfahrtleiter Ralf Paulsen. Von 9 bis 12 Uhr geht es in Düsternbrook also Schlag auf Schlag, bevor die Klassiker-Flotte aus Laboe in der Kieler Förde einläuft. Kiel ist Zielstation der Classic Week des Freundeskreises Klassischer Yachten, die am 14. Juni in Flensburg gestartet wurde. Dabei verzeichnet der Freundeskreis so viele Anmeldungen wie noch nie – mehr als 156 Yachten! – zum Rendezvous der Klassiker. Und neben vielen Neuerungen dürfen sich die Kieler-Woche-Fans auch auf Bewährtes freuen: die Marine-Kutterregatten (22. bis 29. Juni) und die Windjammerparade (29. Juni).

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