Schnell auf Kurs mit Roboboj

Der Segelsport geht direkten Weges in die Moderne. Die Segler heben ab auf die Foils, die Sofa-Sportler können per eSailing ihre taktischen Segel-Fähigkeiten im Trockenen austesten, und die Organisation auf dem Wasser wird in Zukunft wohl durch Drohnen entlastet, die die konventionellen Bahnmarken ersetzen.

Bei der Kieler Woche waren zum Audi e-tron-Cup erstmals die autonom fahrenden Bojen „Roboboj“ im Einsatz. Per App suchen sie ihre Position, machen Motorbooteinsätze und Ankermanöver überflüssig und ermöglichen so einen schnellen Auf- und Umbau der Bahn.

Für die Schweizer Entwicklung war der Kieler-Woche-Einsatz die Feuertaufe auf dem Meer. Zuvor haben die Tonnen ihre Einsatzfähigkeit bereits auf den Schweizer Seen beim Match Race und den Liga-Events unter Beweis gestellt. Die beiden Entwickler und Promoter Kai Äff und Mark Blaesi sind von der Serienreife ihres Produkts überzeugt und wollen im Herbst in die industrielle Produktion einsteigen.

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Bei der Premiere des smarten Tonnensystems im März auf dem Lago Maggiore zum Match Race Switzerland hatten die Konstrukteure zwar noch traditionelle Bojen in der Hinterhand. Doch benötigt wurden die nicht. Und so sorgte das System im Folgenden bei der Schweizer Liga für schnelles Arbeiten auf dem Wasser. Die Effektivitätssteigerung der Organisation war so enorm, dass beim Liga-Auftritt in Kreuzlingen/Bodensee die 42 Wettfahrten bereits nach eineinhalb statt der geplanten zweieinhalb Tage erledigt waren.

Das Auslegen der durch Elektromotor angetriebenen Tonnen erfolgt per Smartphone-App. Kompasskurs und Entfernung der Luvtonne werden vom Wettfahrtleiter eingegeben, und schon macht sich die Bahnmarke selbständig auf den Weg. Die Ablauftonne bekommt ihren Abstand zur Luvtonne programmiert, und auch das Gate erfährt seine „Aufgabe“ durch die Vorgabe der Wettfahrtleitung. Selbst das Auslegen einer exakten Startlinie ist mit dem System ab sofort kein Problem mehr, denn in den Bahnmarken ist ein Windmesser integriert.

Wie rasant das Umbauen der Bahnmarken mit der Roboboj läuft, konnte die Wettfahrtleitung vor Kiel erfahren. Mit vier Bojen waren die Schweizer nach Kiel gereist. Benötigt wurden für den Audi e-tron-Cup aber fünf. Kein Problem, denn die Starttonne erhielt kurzerhand eine Doppelfunktion. Nach dem Start wandelte sich das Pin-End zur Gate-Tonne. „Ich hatte mich gerade noch umgedreht und wollte Kai fragen, ob alles klappt, da lag die Boje schon auf Position“, freute sich Mark Blaesi über die gelungene Demonstration.

Das Halten der Position ist mit der modernen Technologie viel besser als bei den konventionellen Bojen. Während letztere an der langen Ankerkette durch Wind und Wellen schwojen, vergleicht die Roboboj die Vorgaben mit den tatsächlichen Daten und korrigiert sich selbst. GPS in Kombination mit magnetischem und elektrischem Kompassfeld bildet die Grundlage dafür, dass der „Arbeitsbereich“ der Drohne auf zweieinhalb Meter eingeengt ist. Dabei muss die Korrekturgeschwindigkeit der Roboboj durch die Programmierer sogar künstlich herabgesetzt werden, damit sie näher an den gewohnten Eigenarten einer konventionellen Tonne liegt.

Lange Arbeitstage sind laut Äff und Blaesi für ihre Entwicklung kein Problem. Der Akku des 100 kg schweren Geräts reicht für ein gesamtes Regatta-Wochenende, bevor es wieder an die Steckdose muss.

In den nächsten Wochen wird jetzt finalisiert, welche Features die Tonnen serienmäßig enthalten, welche sie optional bekommen sollen. Neben einem Windmesssystem ist auch der Einbau einer Kamera möglich, die bei Ankunft der Regattasegler auf Sendung geht. Die Stückkosten bei der Produktion stehen somit noch nicht exakt fest, im unteren fünfstelligen Bereich werden sie aber wohl liegen. Dafür können die Regatta-Veranstalter aber dauerhaft Personal- und Treibstoffkosten sparen.

Nach Kiel würden die Schweizer im kommenden Jahr gern wiederkommen. Nicht nur weil sie voll des Lobes für die Freundlichkeit der Norddeutschen waren, sondern vor allem, um zur Kieler Woche 2019 drei oder vier offizielle Regattabahnen mit ihrem System auszustatten.

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