Segelspektakel auf der Außenförde

Mit dem Einzug der olympischen Segler auf den Dreiecksbahnen vor Schilksee hat das Tempo zur Kieler Woche noch einmal angezogen. Gerade die Katamaran- und Skiffsegler zeigten am heutigen Donnerstag artistischen Sport bei böigen Winden, die in den Spitzenwerten auf über 20 Knoten hochschnellten. Jeweils drei Wettfahrten gingen in den sechs Olympia-Klassen über die Bahn. So...

Mit dem Einzug der olympischen Segler auf den Dreiecksbahnen vor Schilksee hat das Tempo zur Kieler Woche noch einmal angezogen. Gerade die Katamaran- und Skiffsegler zeigten am heutigen Donnerstag artistischen Sport bei böigen Winden, die in den Spitzenwerten auf über 20 Knoten hochschnellten. Jeweils drei Wettfahrten gingen in den sechs Olympia-Klassen über die Bahn. So gibt es am Kieler-Woche-Segelprogramm bisher nichts zu bemängeln – nicht mal, wenn man lange sucht. „Wir hatten heute kühle 20 Grad“, erklärte Regatta-Organisationsleiter Dirk Ramhorst. „Aber kühl ist eben relativ.“

Eine heiße Flugshow lieferten die Nacra17 ab – und das live für das Publikum von Kieler-Woche-TV. Der Großbildschirm im Olympiazentrum war zu den Wettfahrten der Mixed-Crews auf den foilenden Katamaranen stets dicht umlagert. Die Fans bekamen perfekte Einblicke, wie anspruchsvoll es ist, diese Renner über den Parcours zu dirigieren. Gerade unter Gennaker müssen die Mannschaften auf dem fliegenden Rumpf einen Balance-Akt vollführen, um den Kat nicht abfliegen oder abstürzen zu lassen. In schnellen Tanzschritten flitzen die Vorschoter von vorn nach hinten und zurück, um alles in der Waage zu halten. Bei drei Wettfahrten ein auch konditionell anstrengendes Unterfangen.

„Drei Runden pro Rennen fahren wir normalerweise nicht. Das merkt man schon, dass es ein Stück weit anstrengender ist als sonst. Was es einfacher macht, ist, dass wir heute kaum Wellen hatten“, erklärte Alica Stuhlemmer (Kiel), die mit Steuermann Paul Kohlhoff (Kiel) ein hoffnungsvolles Duo für Tokio 2020 bildet. Paul Kohlhoff war in jedem Fall sehr zufrieden mit dem Rennverlauf: „Super spannende Rennen. Es war etwas schwierig auf dem Kurs mit sehr großen Drehern. Bisher ist es uns zwar sehr gut gelungen, eine konstante Serie zu segeln. Aber mit der Siegesserie wird es in den kommenden Tagen sicherlich nicht so weitergehen.“

Mit der Serie 4, 1, 1 verteidigten die Kieler das Gelbe Trikot, profitierten von einer Rennaufgabe der starken Italiener Vittorio Bissaro/Maelle Frascari. Vorschoterin Frascari war in der zweiten Wettfahrt bei der Tonnenrundung von Bord gestürzt. Durchaus ein Schreckmoment, denn bei den hohen Geschwindigkeiten von den Foils oder dem Ruder getroffen zu werden, birgt höchste Verletzungsgefahren. Frascari wurde auch vom Begleitboot aufgenommen und kurzzeitig versorgt, konnte aber in der nächsten Wettfahrt weitersegeln.

Spaß auf dem Wasser hatten ganz offensichtlich die Österreicher Thomas Zajac/Barbara Matz. Als Dritte liegen sie voll auf Medaillenkurs. „Uns liegt der böige Wind. Zuhause segeln wir zwischen den Bergen, da ist es noch viel böiger. Es ist taktisch sehr anspruchsvoll, es kann immer alles passieren. Drei Rennen mit drei Runden sind tough bei diesen Bedingungen, aber es macht auf jeden Fall Spaß“, berichtete Thomas Zajac. Er will vor Kiel gern den Podium-Hattrick schaffen, freut sich aber auch mit der führenden deutschen Crew: „Sie dürfen hier stark sein, sie haben den Heimvorteil. Das ist ein Extraplus. Wir freuen uns gerade mit Paul. Er hatte ein schwieriges letzten Jahr, und es ist schön, ihn wieder zurückzusehen.“ Kohlhoff hatte Anfang 2018 nach einer Gehirnblutung mehrere Monate pausieren müssen.

Die deutschen Nacra17-Konkurrenten Johannes Polgar/Carolina Werner (Hamburg/Kiel) sind aktuell noch mitten im Abstimmungsprozess. „Wir haben das Training derzeit auf allen Ebenen angesetzt – vom Material bis zum Mentalbereich. Die Umsetzung auf den Rennkurs gelingt uns nach und nach“, sagte Carolina Werner. Polgar erklärte: „Unser Ziel zur Kieler Woche ist es, die Weiterentwicklung zu starten und uns in vielen Bereichen zu verbessern.“ Der Zielwettkampf ist dann die WM im Winter.

Victoria Jurczok / Anika Lorenz arbeiteten sich im 49er FX am zweiten Tag an die Spitze. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Mit einem Sprung nach vorn gestalteten die deutschen 49erFX-Frauen ihren Tag. Victoria Jurczok/Anika Lorenz (Berlin), die WM-Dritten von 2016, führen das Feld der 51 Crews nach der Serie 3, 1, 2 an. Und die Europameisterinnen von 2017, Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee/Strande), pirschen sich als Vierte an das Podium heran. Das Kieler Revier liegt ihnen: 2013 und 2016 holten sie hier den Kieler-Woche-Sieg, 2017 mit dem EM-Titel ihren bisher größten Erfolg im 49erFX. Gibt es nun einen erneuten Erfolg vor Kiel für Lutz/Beucke? „Wir werden erst einmal kleine Brötchen backen und sehen dann weiter. Gestern fehlte uns der Bootsspeed, die Steigerung heute war ganz gut“, erklärte Susann Beucke. Einen besonderen Druck zur Kieler Woche und in Richtung Olympia spüre sie nicht: „Wer eine Olympia-Kampagne startet, entscheidet sich für ein Leben unter dauerhaftem Druck.“

Auch für die deutschen Skiff-Männer ging es nach oben. Tim Fischer/Fabian Graf (Hamburg/Berlin) hatten die beste Serie des Tages unter allen 82 Mannschaften mit 2, 2, 1. Das reicht für die WM-Dritten von 2018 aktuell zu Platz drei. Fast schon standesgemäß ist die Führungsposition besetzt. Die neuseeländischen Superstars und Dauersieger Peter Burling/Blair Tuke haben nach Tag zwei der Kieler Woche die Spitze übernommen. Justus Schmidt/Max Boehme (Kiel) sind auf ihrem Heimrevier noch nicht komplett in der Spur, waren am Abend zudem in einen Protest verstrickt. Ihre Zwischen-Platzierung: Rang 15.

Dem Aufstieg der Olympia-Aspiranten im Skiff steht aus deutscher Sicht das Abrutschen des Nachwuchses bei den Laser-Männern gegenüber. Nico Naujock (Berlin), nach dem ersten Tag noch Zweiter, hat vorerst seinen Podiumsplatz verloren. Als Vierter hat er aktuell ein britisches Trio mit Daniel Whiteley an der Spitze vor sich.

Klassenkollegin Svenja Weger (Kiel) findet hingegen besser in die Regatta hinein. Mit einem Tagessieg zum Abschluss des Tages hat sie sich in die Top-Ten vorgekämpft. Trotz der bald anstehenden Weltmeisterschaft in Japan ist die Kieler Woche ein echter Gradmesser bei den Laser-Frauen. Die ersten drei Plätze, Josefin Olsson (Platz eins, Schweden), Tuula Tenkanen (Platz zwei, Finnland) und Manami Doi (Platz drei, Japan), sind allesamt in den Top-20 der aktuellen Weltrangliste vertreten.

Im Finn wechselte Phillip Kasüske die Plazierung mit Max Kohlhoff: Kasüske ist jetzt Zweiter, Kohlhoff Vierter. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Bei den Finns haben die Deutschen ihre Platzierungen vom Vortag getauscht. Während Phillip Kasüske (Berlin) hinter dem Australier Jake Lilley auf Platz zwei kletterte, rutsche Max Kohlhoff (Kiel) auf den vierten Rang ab.

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