Windsuche zwischen den Wetterfronten

Mit einem stark reduzierten Programm startete die Kieler Woche 2018 in ihr Programm auf den Dreiecksbahnen der Kieler Außenförde. Während die Seesegler auf ihrem Kurs von Kiel nach Eckernförde keine Probleme hatten, den unterschiedlichen Wettersystemen zu trotzen, liefen bei den Jollenseglern die meisten Startversuche in den Flautenzonen und Frontensystemen ins Leere.

Lediglich den Hobie-16-Katamaranen und den Contendern gelang jeweils ein Rennen. Und auch die internationalen Frauen-Teams bei der Premiere der Women‘s Sailing Champions absolvierten erfolgreich einige Kurzwettfahrten. Alle anderen elf Klassen wurden unverrichteter Dinge wieder an Land geschickt.

„Das Motto hieß: ,Wir versuchen’s mal.‘“, berichtete Organisationsleiter Dirk Ramhorst von der schwierigen Aufgabe der Wettfahrtleitung, zwischen den Fronten segelbare Windbedingungen zu finden. „Eine Front hat uns draußen erwischt. Es gab auch ein bisschen Donner und Regen, aber in den Wolken steckte kein Gefahrenpotenzial. Vor der zweiten Front haben wir die Klassen dann an Land geschickt. Die sah aber heftiger aus, als sie schließlich war.“ Durch das schmale Programm sind die Segler nun an den Folgetagen stärker gefordert. Für Sonntag kündigte Ramhorst schon mal ein Rennen mehr an als geplant. Der erste Start ist für 11 Uhr angedacht.

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Die 29er brachten zwar einen Start zustande, das Rennen aber letztlich nicht ins Ziel. Foto: segel-bilder.de

Mit gemischten Gefühlen kehrten die Sieger der einzigen Hobie-Wettfahrt, Jens Goritz und Kerstin Wichardt, an Land zurück. „Ich weiß nicht genau, warum wir an Land geschickt wurden. Ich denke, man hätte weiter segeln können“, sagte Goritz. „Allerdings waren wir ganz froh, dass wir nicht mehr durch die Schaukelwellen mussten“, fügte seine Vorschoterin an. Das Duo segelt nur sporadisch zusammen, fand aber sofort auf die Erfolgswelle. „Ich bin gar nicht die typische Vorschoterin, steuere sonst selbst“, so Kerstin Wichardt. Nach der Kieler Woche trennen sich auch die Wege der beiden wieder. Zur Europameisterschaft und Deutschen Meisterschaft, den Höhepunkten der Saison, werden sie wieder zu Konkurrenten. „Es gilt, Punkte für die Rangliste zu sammeln. Denn die sind entscheidend für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft im kommenden Jahr“, so Goritz. Obwohl das Feld der Hobies nur klein ist, ist die Qualität mit der versammelten deutschen Spitze hoch. „Leider fehlen uns einige Jugendliche, die wegen Schule oder anderer Verpflichtungen, vielleicht auch wegen des Meldegeldes nicht dabei sind“, so Wichardt.

Bei den Contendern ist dagegen Klasse und Masse vertreten. 60 Starter aus sechs Nationen, gespickt mit diversen Weltmeistern der vergangenen Jahre, sind vor Kiel dabei. Im einzigen Rennen des Tages gelang es dem zweimaligen Deutschen Meister Volker Niediek, die Konkurrenz hinter sich zu lassen. „Dabei lief es beim Start gar nicht gut. Mir ist die Schot aus der Hand gerutscht. Die neuen Handschuhe waren etwas rutschig. Danach lag ich erst einmal im Luv vom Boot im Wasser“, berichtete Niediek. Dann aber setzte er auf der Kreuz entsprechend der Windvorhersage auf die rechte Seite, und hatte Recht. Als Vierter erreichte er die erste Tonne, erwischte nach der Regenfront eine Windkante optimal und fuhr an die Spitze. Trotz eines 180-Grad-Winddrehers konnte er sich schließlich ins Ziel retten. „Für mich lief es sehr gut, aber die Bedingungen waren schon schwierig.“

Dass die Klasse, sich so stark präsentiert, liegt laut Niediek an diversen Vorzügen des Contenders: „Das Boot ist günstig, lässt sich ohne großen Aufwand handhaben, macht Spaß und hat auch ein paar PS mehr als andere Klassen. Durch das Trapez hat es zwar einen gewissen Anspruch, ist aber nicht so kompliziert wie andere Skiffs. Und die Altersstruktur ist sehr gesund. Wir haben Jugendliche, aber auch Segler über 70 Jahren dabei.“

 

 

 

KiWo News 1 / 2018

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