75 Rennen in Traumbedingungen

Die Kieler Woche muss sich in ihrer Jubiläumsausgabe für die kommenden Tage wohl in verbaler Zurückhaltung üben. Gut möglich, dass ihr sonst die Superlative ausgehen. Denn dem perfekten Samstag folgte Champagner-Segeln am Sonntag, und dieser Trend soll nicht abreißen. Für die Akteure in den elf internationalen Klassen auf den Dreiecksbahnen war der Sonntag in jedem...

Die Kieler Woche muss sich in ihrer Jubiläumsausgabe für die kommenden Tage wohl in verbaler Zurückhaltung üben. Gut möglich, dass ihr sonst die Superlative ausgehen. Denn dem perfekten Samstag folgte Champagner-Segeln am Sonntag, und dieser Trend soll nicht abreißen.

Für die Akteure in den elf internationalen Klassen auf den Dreiecksbahnen war der Sonntag in jedem Fall ein spritziges Vergnügen. Ein beständiger Ostwind mit vier bis fünf Beauforts sorgte für eine stattliche Welle in der Strander Bucht. Geschwindigkeitsrausch auf den Spinnaker- und Gennaker-Kursen die Wellen hinab war damit garantiert, allerdings auch ein anstrengender Tag. Denn gerade auf den Innenbahnen rollten die Wellen aus Ost in Kreuzseen des Fahrwassers sowie der Regattabegleitboote hinein und machten die Amwind-Kurse zur Schwerstarbeit. Und mit insgesamt 75 Starts spulten die Wettfahrtleitungen auf den verschiedenen Bahnen und Startgruppen ein Mammutprogramm ab.

Bei der Europameisterschaft der OK-Jollen spitzt sich der Zweikampf zwischen dem zweimaligen Vize-Weltmeister Fredrik Lööf (Schweden) und Jan Kurfeld (Wismar) zu – mit klaren Vorteilen für den Schweden. Der Weltranglisten-Führende lässt mit seinen Platzierungen wenig Zweifel daran, dass er seinen EM-Titel aus dem vergangenen Jahr verteidigen will. Platz fünf zum Auftakt in die Regatta ist bisher Lööfs Streichresultat. Danach folgten drei Siege und ein zweiter Platz. Jan Kurfeld gelang zum Auftakt zwar ein Sieg. Danach musste er sich aber immer hinter Lööf einreihen. Doch mit sechs Punkten Abstand zur Mitte der Meisterschaft ist der Titelkampf noch nicht entschieden. „Ich bin noch zu defensiv gestartet, nachdem ich zur WM zwar Frühstart-Disqualifkationen kassiert habe. Danach habe ich mich aber immer nach vorn gearbeitet. Der Speed stimmt, da bin ich mit Freddy auf einem Level. Die Devise für die kommenden beiden Tage ist also: Angriff!“

5O5er Segler Wolfgang Hunger strebt mit seinem Vorschoter Holger Jess seinen 22. Kieler-Woche-Titel an. Foto: Kieler Woche / www.segel-bilder.de

Nach einer sechsjährigen Durststrecke scheinen für Wolfgang Hunger (Strande) die Zeichen wieder auf Kieler-Woche-Sieg zu stehen. Der Rekordsieger ist auf seinem Hausrevier auf der Jagd nach seinem 22. Titel vor Kiel. Und dabei kann er auf die Unterstützung von Holger Jess (Eckernförde) bauen. Gemeinsam segelten die Beiden zwischen 1997 und 2007 zu sieben Siegen im 505er, anschließend trennten sich die Wege. Hunger gewann in der Folge mit Julien Kleiner sechsmal, Jess holte sich zwei weitere Siege mit Meike Schomäker und Michael Quirk. Seit der WM in diesem Januar bilden Hunger/Jess wieder ein Team – offenbar eine Erfolgskombination. Nach sechs Rennen mit vier Siegen zeigen sie der internationalen Konkurrenz aus sechs Nationen klar das Heck. „Im ersten Rennen hatten wir noch nicht den optimalen Speed, aber danach können wir sehr zufrieden sein“, sagte Hunger, und Jess ergänzte: „Wenn man so lange miteinander gesegelt ist, dann ist es einfacher, sich wieder aufeinander einzustellen. Bei Allround-Bedingungen läuft es sehr gut.“ Wolfgang Hunger ließ durchblicken, dass der mögliche 22. Sieg vor Kiel schon Bedeutung für ihn hat: „Der letzte Kieler-Woche-Titel liegt ja schon etwas zurück. Wir strengen uns also schon an.“

Nach fünf Siegen in Folge kann Heiko Kröger seinen zweiten Rang im sechsten Rennen bisher streichen. Foto: Kieler Woche / Sascha Klahn

Die bisher weiße Weste von Heiko Kröger (Hamburg) in der 2.4mR hat in der sechsten Wettfahrt einen leichten Fleck bekommen. Nach fünf Siegen in Folge verstrickte sich der Paralympicssieger von 2000 zum Abschluss des zweiten Tages mit dem zweimaligen Olympiamedaillen-Gewinner Ulli Libor (Hamburg) in einen Zweikampf. Dabei verloren sie Antti Kokkala auf der anderen Kursseite aus den Augen. Der Finne nutzte die Chance, flutschte durch und sicherte sich den Sieg vor Kröger und Libor. An der klaren Gesamtführung von Kröger vor Kalle Dehler (Greifswald), Kokkala und Libor änderte das indes nichts.

Klassenboss Ulli Libor hat neben der eigenen Leistung („Platz vier ist doch nicht schlecht“) vor allem die Weiterentwicklung der Klasse im Blick: „Die 2.4 ist das perfekte Boot, um chancengleich gegeneinander zu segeln: egal welches Alter, egal ob Mann oder Frau und ob mit oder ohne Behinderung.“ Daher trägt die Klasse zur Kieler Woche erstmals die Mixed Incluison Trophy aus, bei der Dreierteams gewertet werden. Das Trio muss eine Frau und eine/n Segler/in mit Behinderung im Team haben. Drei deutsche und eine englische Mannschaft sind vor Kiel am Start. „Zur Deutschen Meisterschaft auf dem Baldeneye-See werden wir die Trophy ein zweites Mal aussegeln und stellen uns dann auch internationale Auftritte vor“, so Libor.

In den weiteren Klassen sorgte der zunehmende Wind mitunter für einige Verschiebungen. So musste Iver Ahlmann bei den Musto Skiffs seine klare Führung vom Vortag an Paul Dijkstra abgeben. Der Niederländer siegte in allen Tagesrennen. Dafür konnte bei den Contendern der deutsche Favorit Christoph Homeier (Bremen) an die Spitze stürmen. Im 29er übernahmen die Finnen Ville Korhonen/Edvard Bremer die Spitze, nachdem sie am ersten Tag noch in die Spur finden mussten. Aus Kanada kommt der aktuell Führende der Laser Radial. Tayte Stefaniuk führt ein international sehr gemischtes Feld an. Dagegen ist im Laser 4.7 ein Lokalmatador an der Spitze. Ole Schweckendiek vom Kieler YC legt eine souveräne Serie von Top-Ergebnissen hin. Internationale Überflieger gibt es in den drei weiteren Klassen. Adriano Petrino (Schweiz) hat die Klasse der Foiling Dinghys im Griff, Anna Livbjerg (Dänemark) leistete sich bei fünf Siegen in der Europe nur einen „Ausrutscher“ mit einem dritten Platz. Und absolut makellos ist gar die Serie der ungarischen FD-Segler Szabolcs Majthényi/András Domokos. Die Bilanz der Dauerweltmeister: Sechs Starts, sechs Siege.

Ergebisse

1 Comment

  1. Wann lernen die 29er endlich mal starten? Über 60 BFD´s an 2 Tagen!

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