Der Segelsport trauert um Dierk Thomsen

Er war Jahrzehnte lang die Stimme der internationalen Starboot-Flotte, liebte die Kieler Woche und trat als Vorstandsmitglied des Kieler Yacht-Clubs, als Präsident des Deutschen Segler-Verbandes und als Vertreter in mehreren Gremien des Weltsegler-Verbandes für seinen geliebten Segelsport ein. In der Nacht zum 8. Oktober ist Dierk Thomsen im Alter von 85 Jahren gestorben.

Dierk Thomsen war in vielem Vordenker, diplomatisch und doch auch streitbar, wenn es um die Sache, seine Sache, den Segelsport ging. Im Deutschen Segler-Verband waren seine Jahre als Vizepräsident für den Bereich Leistungssport (1989 bis 1992) und schließlich als Präsident (2001 bis 2005) richtungsweisend für den Spitzenverband. Die finanzielle Förderung der Olympischen Klassen durch T-Systems, der gleichzeitige Einsatz für das Fahrtensegeln, die Imagepflege des Segelsports und nicht zuletzt ein Verband auf finanziell gesunden Beinen waren seine Ziele und Erfolge. Nach vier Jahren mit seinem Dreamteam (unter anderem mit Harald Baum als Vizepräsident an seiner Seite) trat Thomsen nicht zur Wiederwahl an. Thomsen hing nicht an Ämtern, er nutzte sie für seine Ziele zum Wohle des Segelsports, zum Wohle des DSV. Seine Arbeit war nach vier Jahren getan, und er kaufte sein 18. Startboot, um selbst wieder mehr Zeit auf der Regattabahn verbringen zu können.

Als Internatsschüler kam Thomsen in Louisenlund in Schleswig-Holstein zum Segeln und fand nach zwei Jahren im Marinekutter und Pirat den Weg ins Starboot, in dem er an 19 Welt- und 13 Europameisterschaften teilnahm und dem er bis ins hohe Alter treu blieb.

1954 trat Thomsen in den Kieler Yacht-Club ein und setzte sich in über fünf Jahrzehnten regional, national und international für den Segelsport ein. Die Goldmedaille des Weltseglerverbands, die Goldene Nadel des Deutschen Segler-Verbandes (DSV), das Bundesverdienstkreuz am Bande und der Ehrentitel des Kommodores des Kieler Yacht-Clubs sind Auszeichnungen, die seinen Weg begleiten und würdigen.

Thomsen war lange stellvertretender Organisationsleiter der Kieler Woche, kümmerte sich um Ausschreibungen und Segelanweisungen, organisierte das Vermessungswesen unter anderem bei den Kiel Worlds 1987 und agierte als „Außenminister“ des Kieler Yacht-Clubs. Kaum ein anderer verfügte über ein derart vielmaschiges Netzwerk in den nationalen und internationalen Gremien des Segelsports.

Von 1989 bis 1992 war Thomsen Vizepräsident für Leistungs- und Wettsegeln und 1992 bei den Olympischen Spielen vor Barcelona (Spanien) Mannschaftsleiter der deutschen Segel-Nationalmannschaft. „Der Kaderstatus ist doch keine Rentenkasse“ und „Sie können erwachsene Menschen nicht an die Hand nehmen“ sind zwei Zitate im Umfeld der Vorbereitungen auf olympische Wettkämpfe, die zeigen, wie der damalige Vorsitzende des DSV Olympia-Segel-Ausschusses Führung verstand: Leistungswille und Selbstständigkeit liegen beim Aktiven. Das Verstehen der Nöte und Sorgen der Aktiven sind Aufgaben der Betreuer und Trainer. Und dieses Verstehen hatte Thomsen aus erster Hand und war zurecht stolz darauf. Sechs Wochen im Olympischen Dorf als Olympia-Attaché des schwedischen NOK und Mitglied der schwedischen Mannschaftsleitung haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen und seinen Führungsstil geprägt.

Von 2001 bis 2005 übernahm Thomsen das Amt des DSV-Präsidenten, trat für die Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft ein, ohne als Sponsorenvermittler zu fungieren, setzte sich für die Darstellung des Segelsports in der Öffentlichkeit und die Vertretung in den Gremien des Weltverbandes ein.

2015 würdigte der KYC seine Verdienste um den Kieler Traditionsverein mit der Ernennung zum Kommodore. Nach Otto Schlenzka wurde Thomsen damit der vierte Kommodore in der Geschichte des 1887 gegründeten Vereins.

Bereits zehn Jahre zuvor hatte der Weltseglerverband Dierk Thomsen ausgezeichnet. Göran Petersson (Schweden), damaliger Präsident des Weltseglerverbandes (2009 noch International Sailing Federation/ISAF), hatte sein herausragendes Engagement für den Segelsport und den Weltseglerverband mit der „Gold-Medal“ der ISAF gewürdigt. Thomsen war vier Jahre lang tätig im Permanent Committee der IYRU, Vorläuferin der ISAF, sowie vier Jahre in deren Class Policy und Organisation Committee. Seit 1976 gehörte der Kieler lange Zeit dem International Classes Committee des Weltsegler-Verbandes an. Später repräsentierte er als einer von zwei ISAF-Council-Mitgliedern der Ländergruppe B zentral-europäische Segelnationen in der ISAF und wirkte in der Funktion an sportpolitischen Grundentscheidungen des Weltseglerverbandes mit. Zudem war Thomsen Mitglied im ISAF-Match Race Committee, dessen Vice-Chairman er über vier Jahre war.

Besonders engagiert hat sich der leidenschaftliche Starboot-Segler Thomsen für die Belange der International Star Class Yacht Racing Association (ISCYRA), in deren Vorstand er verschiedene Funktionen innehatte und der er von 1984 bis 1986 und von 1996 bis 1998 als Präsident vorstand. Thomsen war damit der erste Nicht-Amerikaner an der Spitze der Kielbootklasse. Unter seiner Federführung gelang es der ISCYRA, binnen nur eines Jahres ihren Status als olympische Klasse zurückzugewinnen – ein bisher einmaliger Erfolg einer Bootsklasse. Bis zuletzt galt seine Stimme in der Starbootklasse etwas, so beispielsweise bei der Vergabe von Weltmeisterschaften. Kein Wunder also, dass immer wieder der Name Kiel fiel.

Mit seinen detaillierten Kenntnissen um den internationalen Segelsport und seinen Verbindungen rund um den Globus hat Dierk Thomsen immer wieder wichtige Impulse und Initiativen in den deutschen Segelsport und seinen Heimatverein, den Kieler Yacht-Club, hineingetragen. Der gelernte Baustoffkaufmann hinterlässt seine Ehefrau Ingrid, einen Sohn und zwei Töchter. Dirk Thomsen wird dem Kieler, dem deutschen und dem internationalen Segelsport fehlen. – Hermann Hell

Gold Medal für Dierk Thomsen

Göran Petersson, Präsident der International Sailing Federation (ISAF), hat das herausragende Engagement von Dierk Thomsen für den Segelsport und die International Sailing Federation mit der „Gold-Medal“ der ISAF gewürdigt.

Thomsen war vier Jahre lang im Permanent Committee der IYRU, der Vorläuferin der heutigen ISAF, tätig sowie vier Jahre in deren Class Policy und Organisation Committee. Seit 1976 gehörte er lange Zeit dem International Classes Committee der IYRU an. Später repräsentierte er als einer von zwei ISAF-Council-Mitgliedern der Ländergruppe B zentral-europäische Segelnationen in der ISAF und wirkte in der Funktion an sportpolitischen Grundentscheidungen des Weltseglerverbandes mit. Eine weitere ISAF-Funktion Thomsens war seine Tätigkeit im ISAF-Match Race Committee, deren Vice-Chairman er über vier Jahre war.

Besonders engagiert hat sich Thomsen, selbst aktiver Starboot-Segler, für die Belange der International Star Class Yacht Racing Association (ISCYRA), in deren Vorstand er verschiedene Funktionen inne hatte und der er von 1984 bis 1986 und von 1996 bis 1998 als Präsident vorstand. Unter seiner Federführung gelang es der ISCYRA, binnen nur eines Jahres ihren Status als olympische Klasse zurück zu gewinnen.

Der Deutsche Segler-Verband gratulierte seinem ehemaligen Präsidenten (2001 – 2005) und Vizepräsidenten für Leistungs- und Wettsegeln (1989 – 1992) zu dieser hohen Auszeichnung seines seglerischen Lebenswerks. Mit seiner Detailkenntnis des internationalen Segelsports und seinen Verbindungen rund um den Globus hat er immer wieder für Innovationen gesorgt und wichtige Impulse und Initiativen in den deutschen Segelsport und seinen Heimatverein, dem Kieler Yacht-Club, hinein getragen. Bereits 2007 ist ihm der Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen worden.

1 Comment

  1. Klasse und gut fundierter Nachruf von Dierk Thomsen. Ich selbst segelte mit ihm meine erste ( von 21 ) Starboot WM 1977 in Kiel. R.I.P.

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