Drachen-WM vor Kühlungsborn: Die Organisation läuft

2021 will die Drachenklasse ihre Weltmeisterschaft vom 13. bis 18. Juni vor Kühlungsborn austragen. Die Pandemie wird bis dahin nicht vorbei sein, aber die Chancen stehen gut, dass – in welcher Form auch immer – gesegelt werden kann. „Das wichtigste ist, dass wir Segeln können“, sagt Gregor Berz, Commodore des Deutschen Drachengeschwader, und gibt im Interview mit der Klassenvereinigung gemeinsam mit Peter Menzel, Regattamanager des austragenden Segelclub Kühlungsborn, Einblicke, wie die vierte Drachen-WM nach 1981, 1993 und 2005 organisiert werden soll.

Herr Berz, im vergangenen Jahr haben ab Herbst große Regattaveranstaltungen wie die Kieler Woche gezeigt, dass internationales Regattasegeln auch in Coronazeiten möglich ist, wie steht das DDG zu der Frage?
Gregor Berz: Wir machen uns am wenigsten Sorgen um das Segeln selbst, und auch die Administration an Land wird unter Einhaltung aller vernünftigen und auch aller gesetzlich vorgegebenen Maßnahmen nach unserer heutigen Einschätzung möglich sein. Auf ein gesellschaftliches Rahmenprogramm werden wir wohl verzichten müssen, wenn bis kommenden Juni nicht noch zwei Wunder passieren. Nicht nur die Corona-Maßnahmen werden vermutlich noch im Juni Einschränkungen bedeuten, auch die Finanzierung attraktiver Abendveranstaltungen durch Sponsoren ist in Zeiten wie diesen einfach nicht möglich. Von daher haben wir für die Weltmeisterschaft die Direktive ausgegeben, dass wir im Zweifel einfach nur segeln wollen.

Gregor Berz ist der Commodore des Deutschen Drachengeschwaders. Foto: privat

Herr Menzel, der Segelclub Kühlungsborn hat sich in der internationalen Drachensegelszene spätestens mit der Austragung des Goldcups 2015 einen hervorragenden Ruf erworben, damals war aber auch das Landprogramm ein Faktor, der viel zu dem phantastischen Erlebnis beigetragen hat. Welche Organisations-Herausforderungen stellt die Pandemie dem Club?
Peter Menzel: Neben dem hervorragenden Segelrevier hat Kühlungsborn auch an Land eine Menge zu bieten. In der Vergangenheit konnten wir mit Hilfe der ansässigen Gastronomen immer ein wunderbares Miteinander beim After Race und an den Abenden beim Dinner erzeugen. Momentan wissen wir alle noch nicht so ganz genau, was zur WM möglich sein wird und was nicht. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass wir noch mit strengen Abstandsregeln und Beschränkungen der zulässigen Personenzahl bei sozialen Events zu rechnen haben. Wir planen daher mehrgleisig mit diversen Alternativen. Für uns bedeutet das einen doppelten Aufwand und verlangt nach viel Spontanität. Auch wenn wir vielleicht auf ein After Race und ein Dinner verzichten müssen, wir den Hot-Spot Notice Board durch die Nutzung elektronischer Medien vermeiden müssen und wir unter Umständen besondere Zulassungsvoraussetzungen, wie evtl. einen gültigen Corona-Test bei Teilnehmern aus Risikogebieten, an die Teilnehmer stellen müssen, wird das Segeln selbst stattfinden. Sobald es drei Personen erlaubt ist, sich zu treffen, gehen wir davon aus, dass der Mindestabstand zwischen den Personengruppen auf dem Wasser stets gegeben ist.

Bei Peter Menzel, dem Regattamanager des SC Kühlungsborn, laufen die Organisationsfäden für die Regatta zusammen. Foto: privat

Herr Berz, die Internationale Dragon Association (IDA) schreibt für eine WM mindestens zehn Nationen vor. Ist das eine große Hürde? Bemüht sich das DDG ganz besonders um internationale Segler?
Gregor Berz: Selbstverständlich ist uns die internationale Beteiligung an der Weltmeisterschaft besonders wichtig. Teilnehmer aus mindestens zehn Nationen am Start zu haben, ist dabei nur die allgemeine offizielle Vorgabe. In der besonderen Pandemie-Situation werden wir darüber hinaus ein Auge auf diverse Reisebeschränkungen haben, die im Juni international bestehen werden. Sollten sich Schwierigkeiten für die Anreise aus zu vielen Nationen ergeben, müssen wir kritisch über die Weltmeisterschaft nachdenken. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, dass gesegelt werden sollte, solange es vor Ort möglich ist: Den Betroffenen, die zuhause bleiben müssen, sei auch nicht geholfen, wenn diejenigen vor Ort, die segeln könnten, auch nicht segeln dürfen. Prinzipiell wollen weder die IDA noch das DDG Treiber von Regatta-Absagen sein.

Das Owners’ Committee der Drachensegeler hat wohl darum gebeten, eine etwaige Absage mit einem zweimonatigen Vorlauf anzukündigen, wie flexibel sind Sie von Seiten der Organisation und wie sehen Sie das von Seiten des DDG?
Gregor Berz: Der Wunsch nach Sicherheit mit zwei Monaten Vorlauf ist sehr gut nachvollziehbar und wir werden alles daransetzen, so früh wie irgend möglich davon zu erfahren und zu informieren, wenn die Weltmeisterschaft abgesagt werden muss. Die Erfahrung z.B. mit der dann doch kurzfristig abgesagten IDM im August 2020 zeigt allerdings, dass man die absolute Planungssicherheit nur in der negativen Richtung geben kann. Leider können wir weder mit zwei Monaten noch mit irgendeinem anderen Vorlauf sicher sagen, ob wir die Weltmeisterschaft auch wirklich sicher durchführen werden, denn eine Absage kann in Pandemiezeiten jederzeit von offizieller Stelle doch noch ausgesprochen werden. Was uns allen, den Teilnehmern und den Veranstaltern, bleibt, ist, mit gesundem Menschenverstand die Situation zu beobachten und einzuschätzen. Wir werden über unsere Einschätzung regelmäßig offen Auskunft geben. Aus heutiger Sicht übrigens gehen wir davon aus, dass der Sommer eine gewisse Entspannung in der Pandemiesituation bringen wird, die uns optimistisch stimmen lässt.
Peter Menzel: Generell können wir in Kühlungsborn sehr schnell und flexibel auf alle sich ergebenden Änderungen reagieren. Problematisch ist, wie immer, die Finanzierung dieser Flexibilität. Für die WM werden extra Schlauchboote gechartert, eine großes Startschiff überführt, Wettfahrtleiter, Jurymitglieder eingeflogen und ggf. auch gastronomische Leistungen bestellt. Auch mit Sponsoren und dem Hafenbetreiber werden Verträge geschlossen. All dies erfordert einen gewissen Vorlauf und einen Point of no Return, ab dem die Verträge unterzeichnet werden und die Kosten definitiv anfallen. Allen Teilnehmern muss klar sein, dass die anfallenden Kosten nicht bei uns als ausrichtenden Verein hängen bleiben können und auch dass wir das Kostenrisiko nicht allein tragen werden. Insofern ergeben sich dann auch automatisch Zeitpunkte, zu denen eine endgültige Entscheidung fallen muss. Im Normalfall ist dies der Tag des Meldeschlusses, an dem man alle Zahlen auf dem Tisch hat.

Was sind die besonderen Organisationsherausforderungen für diese WM?
Peter Menzel: Für uns als Segelclub gibt es gleich mehrere Herausforderungen. Zum einen ist eine WM keine alltägliche Regatta, auch wenn wir durch den Gold Cup, die Grand Prix sowie Europa- und Weltmeisterschaften anderer Klassen bereits Erfahrungen sammeln konnten. Neben der sich ständig und kurzfristig ändernden Gesetzeslage, die immer auch mehrerer Alternativplanungen bedarf, bleibt vor allem die Unsicherheit bzgl. der zu erwartenden Teilnehmerzahlen und der Meldedisziplin. Es ist absolut nachvollziehbar, dass auch die Segler verunsichert sind, Planungssicherheit wollen und auch nicht unbedingt auf unnötigen Kosten sitzen bleiben wollen. Dennoch möchte ich an alle Segler appellieren: Bucht Eure Unterkunft so schnell wie möglich, denn schon jetzt ist der Ort im Juni aufgrund des extrem gestiegenen Inlandstourismus deutlich stärker ausgebucht als sonst, und meldet verbindlich, sobald das Meldeportal geöffnet wird.
Gregor Berz: Die größte Herausforderung ist sicherlich die Organisation an Land mit einem Corona-Konzept, das allen Teilnehmern Sicherheit gibt, sich nicht ausgerechnet auf der Drachen-Weltmeisterschaft anzustecken. Die komplette Digitalisierung der Regattakommunikation ist dabei besonders spannend. Des Weiteren denken wir über Antigen-Test Kapazitäten nach, die wir freiwillig anbieten wollen.

Die Weltmeisterschaft 2021 in Kühlungsborn soll – diesmal rein seglerisch – allen teilnehmenden Drachenseglern ein unvergessliches Erlebnis werden!

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