Elbvertiefung macht SVSH zu schaffen

Die Vertiefung der Elbe und ihre Auswirkung auf die Zuflüsse treibt die Wassersportler um. Das wurde beim Verbandstag des Seglerverbandes Schleswig-Holstein mehr als deutlich

Zielgenau hatte der SVSH seine Jahressitzung nach Elmshorn gelegt – mitten ins Zentrum der Betroffenen. Und so flammte die Diskussion über die Elbvertiefung als elementarer Sitzungspunkt auf. Darüberhinaus verlief der Landesseglertag mit der Verabschiedung des Haushaltsplans, den Wahlen und Ehrungen zügig und harmonisch.

Landespolitiker und Vertreter des Landessportverbandes (Letztere aus Krankheitsgründen) waren nicht zum Landesseglertag gekommen. So blieb es an Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje und dem Stellvertretenden Landrat des Kreises Pinneberg, Manfred Kannenbäumer, die Sorgen der Segler über ihre Reviere in den Elbzuflüssen weiterzutragen.

Bruno Höge machte als Gastgeber und Vorsitzender des Kreisseglerverbandes Pinneberg deutlich, dass das Revier zwischen Krückau und Wedel ein besonderes Naturerlebnis sei und hohe Anforderungen an die Segler im Umgang mit Tidenhub und Strömung stelle. Die touristische Bedeutung des „maritimen Paradies vor den Toren Hamburgs“ sei durch Gutachten belegt. Dennoch werden die Wassersport-Vereine durch die Politik im Stich gelassen. Denn die Verschlickung der Häfen durch die bisherigen und künftigen Elbvertiefungen erfordern ein ständiges Ausbaggern. Die Mittel aus dem Elbe-Fonds, den die Stadt Hamburg extra aufgelegt hat, um die Baggerkosten mit bis zu 30 Prozent zu unterstützen, werden indes nicht freigegeben. „Aber wir werden uns nicht unterkriegen lassen“, so Bruno Höge.

Wassersportvereine fühlen sich von Politik im Stich gelassen

Auf regionale Unterstützung der Politik können die Segler immerhin bauen. „Vor vielen Jahren gab es ein reges Treiben auf der Krückau. Jetzt ist der Fluss nur noch ein Rinnsal. Wir kämpfen massiv mit der Verschlickung“, sagte Elmshorn Bürgermeister Hatje. Aber die Elmshorner hätten inzwischen ihre Liebe zum Fluss wiederentdeckt. Hatje selbst bekannte sich zu dem Wassersport: „Segeln ist ideal, um die Probleme hinter sich zu lassen. Es ist es wert, Jugendliche zu diesem Sport zu bringen.“ Auch Manfred Kannenbäumer erkannte als „Nicht-Segler“ die Bedeutung des Segelsports für den Kreis Pinneberg an: „Der Wedeler Sportboothafen ist mit seinen 2000 Liegeplätzen eine der größten Anlagen in Europa. Und Helgoland als einzige deutsche Hochseeinsel ist immer eine Reise wert.“

Aus diesen warmen Worten der Politik formulierte Uwe Hanse, SVSH-Vorstandsmitglied für Umwelt in den Tidegewässern, die Forderung, die Probleme intensiv in die Landes- und Bundespolitik hineinzutragen. Insbesondere Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher sollte mit den Auswirkungen der Elbvertiefung konfrontiert werden und endlich dafür sorgen, dass die Mittel des Elbe-Fonds freigegeben werden. Hanse nannte traurige Beispiele der bisherigen Entwicklung: Der Sportboothafen in Friedrichskoog ist inzwischen stillgelegt, und in Wedel ist der Schlickeintrag in zehn Monaten um 60 Prozent gestiegen.

DSV-Vize Hansen betont gute Basis der Zusammenarbeit

Claus-Otto Hansen, Vizepräsident des Deutschen Segler-Verbandes, bestärkte die SVSH-Ehrenamtlichen, in ihrem Bemühungen nicht nachzulassen. „Sie stürzen sich in Detail- und Gremienarbeit, um mitzureden und mitbestimmen zu können.“ Und die SVSH-Verantwortlichen könnten stolz darauf sein, was sie in 2018 geleistet hätten. Beispielhaft sei hier die Verhinderung eines Befahrensverbots in einem Teil der Flensburger Förde zu nennen. Der Kreisseglerverband Flensburg konnte dieses Verbot abwenden. Aber auch der DSV ist bei diversen Prozessen beteiligt. Die Zusammenarbeit mit dem SVSH sei dabei partnerschaftlich und fair, so Claus-Otto Hansen. Direkte Berühungspunkte zwischen beiden Verbänden gebe es bei der Nutzung der Anlagen im Bundesstützpunkt Schilksee. Die Konflikte der Vergangenheit seien in Gesprächen durch die Trainer auf beiden Seiten ausgeräumt und inzwischen eine weitgehend gute Basis geschaffen worden, von der beide Seiten profitieren. Claus-Otto Hansen: „Der DSV ist Partner bei Projekten aller Art. Sprechen Sie uns an!“

Einstimmigkeit bei Haushaltsplan und Wiederwahlen

Abseits der Elbe-Diskussion konnte der SVSH-Vorsitzende Jan-Dirk Tenge zügig durch die Sitzung führen. Er berichtete von guten Erfolgen im Leistungsbereich. Allerdings führten die sportlichen Aktivitäten den Trainerstab an die Grenze des Machbaren, so dass über die Schaffung einer dritten Landestrainer-Stelle nachgedacht werde. Immerhin kann er SVSH über seine Vereine auf einen starken Trainernachwuchs blicken. 63 Trainerlizenzen seien im vergangenen Jahr in den verschiedenen Ebenen ausgestellt worden. Da würden die Lizenzen für Wettfahrtleiter und Schiedsrichter (29 insgesamt) deutlich hinterherhinken. Er bestehe deutliches Steigerungspotenzial, um die Regatta-Aktivität sicherzustellen. In Sachen Olympia blicke der SVSH laut Tenge weit voraus und hat schon die Spiele 2024 in den Fokus genommen. Aufgrund der neuen Disziplinen in fünf Jahren will sich der Seglerverband Schleswig-Holstein zum Kitesurf-Land Nummer eins aufschwingen.

Die Vorstellung des Etats des vergangenen Jahres und die Haushaltsplanung für 2019 durch Finanz-Vorstand Martin Honerla wurde von den Delegierten ebenso einstimmig abgesegnet wie die beiden Wiederwahlen. Volker Scheel wurde als Vize-Vorsitzender für Leistungssport bestätigt, Iris Brettschneider als Landesjugendobfrau.

Der kommende SH-Landesseglertag wurde auf den 21. März 2020 terminiert. Der Veranstaltungsort wird noch festgelegt.

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