Funkstörungen durch LED

LED-Technik kann UKW- und AIS-Geräte in ihrer Leistung beeinträchtigen, warnt die US-Küstenwache

Die US-Küstenwache warnt vor erheblichen Funkstörungen, die durch LED-Beleuchtung an Bord verursacht werden können. Diese Interferenzen können sowohl UKW-Funkgeräte, als auch AIS-Geräte betreffen, da beide im selben Frequenzbereich arbeiten. In dem ‚Marine Safety Alert’ der Coast Guard ist unter anderem eine Situation erwähnt, in der eine Seenotleitstelle (MRCC) ein Schiff nicht erreichen konnte, da dessen UKW-Gerät unter der besagten Funkinterferenz litt. Auch der AIS-Empfang dieses Schiffs war stark beeinträchtig.

Von LED-Positionslampen bis zum LED-Band für die indirekte Beleuchtung des Salons: Der Trend zur LED-Beleuchtung an Bord bleibt ungebrochen. Vor allem der gegenüber einer herkömmlichen Glühbirne stark reduzierte Stromverbrauch und die erhöhte Lebensdauer machen LED an Bord besonders attraktiv.

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Trotz Prüfsiegel Störung möglich

Während Navigationsleuchten, um eine Zulassung zu erhalten, einer umfangreichen Prüfung nach internationalen Standards unterzogen werden müssen, entfällt dies zum Beispiel für im Innenraum installierte LED. Doch auch eine zugelassene Positionslaterne stellt keine Sicherheit vor Funkinterferenzen dar.

Wie uns auf Nachfrage beim BSH mitgeteilt wurde, wird bei der Prüfung zwar auch die elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) getestet, nicht jedoch auf die für UKW relevanten Frequenzen. Abhilfe schaffen könnten Mindestabstände von LED zu Funkgeräten und –antennen. Doch eine entsprechende Regelung, wie man sie etwa von Magnetkompassen kennt, existiert noch nicht. Gerade auf Sportbooten kommt es daher leicht zu sehr geringen Abständen zwischen LED und Funkantennen oder -geräten.

Besonders tückisch an der Sache ist, dass die Empfangsminderung an Bord nicht unbedingt auffällt, da die Geräte augenscheinlich ordnungsgemäß funktionieren. Doch es gibt eine einfache Möglichkeit zu prüfen, ob an Bord eine entsprechende Funkinterferenz auftritt.

Die US Coast Guard empfiehlt in ihrer Warnung folgendes, um auf Interferenzen zu prüfen:

  1. Schalten Sie die LED aus
  2. Stellen Sie das UKW-Funkgerät auf einen meist leisen Kanal (zum Beispiel Kanal 13)
  3. Drehen Sie den Squelch-Regler soweit, bis es anfängt zu rauschen.
  4. Drehen Sie den Squelch-Regler nun wieder soweit, dass das Rauschen so gerade eben verschwindet.
  5. Nun Schalten Sie die verschiedenen LED-Leuchten nach und nach ein und aus. Wenn das Funkgerät zu rauschen beginnt, haben die entsprechend eingeschalteten LED das Grundrauschen erhöht und es besteht sehr wahrscheinlich eine Interferenz.
  6. Tritt kein Rauschen auf, liegt vermutlich keine Interferenz vor.

Das BSH hat auf Nachfrage von Sail24.com angekündigt sich der Problematik anzunehmen und eventuell demnächst ebenfalls einen Sicherheitshinweis zu veröffentlichen. Wir halten Sie diesbezüglich auf dem Laufenden.

Direktlink zum ‘Marine Safety Alert’ der United States Coastguard

 

2 Comments

  1. Nicht nur LED:
    Die Gesetzeslage ist eindeutig. Bei zugelassenen Geräten für Schiffe hätte die Prüfstelle etwas übersehen, falls der Grenzwert überschritten wird.
    Im Marineband 156 – 165 MHz beträgt der Grenzwert “16uV/m quasi-peak”, das ist sehr tief.
    Alle Geräte und Einrichtungen auf Schiffen müssen die Norm EN60945 bezüglich erlaubter Störabstrahlung erfüllen. In der Verantwortung steht zum Beispiel der Monteur der Einrichtung, falls er “Einrichtungen für den allgemeinen Gebrauch” auf Schiffen Installiert.

  2. Kann mich Hrn. Hollborn diesbezüglich nur anschließen!

    Gerade Navigationslaternen sind besonderen Prüfrichtlinien unterworfen (Steuerradzulassung gem. EN14744). Gem. EN14744 sind Navigationslaternen als “ausgesetztes” Navigationsgerät gem. EN60945 einzugruppieren und müssen folglich auch nach EN60945 entstört werden. Das bedeutet im Band von 156MHz bis 165MHz einen Grenzwert von 24dBµV/m — was wirklich sehr tief ist — auch wird die Bandbreite des Messempfängers genau in diesem Bereich auf 9kHz reduziert. Es wird also im UKW-Bereich besonders genau hingeguckt — ganz gegenteilig zur Aussage in diesem Artikel!

    Wie das BSH sich zu solchen Einschätzung hat hinreißen lassen, ist mir völlig unverständlich: Bis vor kurzem war das BSH noch die benannte Stelle und hat für Navigationslaternen selbst die entsprechenden Baumusterprüfungen abgenommen und auch durchgeführt.

    Ferner werden in der IEC 60533 (Electrical and electronic installations in ships – Electromagnetic compatibility) Geräte nach ihrer Empfindlichkeit eingruppiert — Funkgerät und dessen zugehörige Antennen sind dabei explizit als “extremely sensitive”. Ferner wird gleich im Einführungsparagraph (Chapt.4 General) wie folgt angemerkt:

    “NOTE 2 The emission limits of this standard may not, however, provide adequate protection against interference to radio receivers when other ship equipment is used closer than 3 m to the receiving antenna (see annex B).”

    und

    “NOTE 3 In special cases, for instance when highly susceptible equipment is being used closer than 3 m to a transmitting antenna, additional mitigation measures may have to be employed to increase the electromagnetic immunity beyond the limits specified in clause 7.”

    Diese 3m entsprechen genau der vorgeschriebenen Messdistanz der Messantennen zum jeweiligen Prüfling — alles, was dichter als 3m an das Gerät heranrückt, befindet sich also innerhalb des sog. Nahfeldes.

    Viele Grüße aus dem elektrotechnischen Prüffeld …

    Hasso Schulz

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