German Offshore Award für Uwe Lebens

Applaus für den Erfolg des deutschen Eishockey-Teams bei Olympia, ein mitreißender Vortrag von Segellegende Alex Thomson („Hugo Boss“) über die Vendée Globe, ein Stelldichein der deutschen Hochseesegler und eine locker geführte Ehrung waren die Eckpfeiler der 11. Verleihung des German Offshore Awards im Kaisersaal des Hamburger Rathauses. Vor über 350 Gästen überreichte Hamburgs Staatsrat für...

Applaus für den Erfolg des deutschen Eishockey-Teams bei Olympia, ein mitreißender Vortrag von Segellegende Alex Thomson („Hugo Boss“) über die Vendée Globe, ein Stelldichein der deutschen Hochseesegler und eine locker geführte Ehrung waren die Eckpfeiler der 11. Verleihung des German Offshore Awards im Kaisersaal des Hamburger Rathauses. Vor über 350 Gästen überreichte Hamburgs Staatsrat für Sport, Christoph Holstein, am Freitagabend die Auszeichnung an Uwe Lebens.

Der Bremer hatte mit seiner Crew mit der „Milan“ das von Budweiser Budvar gesponserte Rennen von Helgoland nach Edinburg (Schottland) gewonnen. Der Algorithmus eines Berechnungssystems und eine Jury hatten den Sieg beim German Offshore Award ermittelt. Nominiert waren ferner „Outsider“ (Tilmar Hansen/Thomas Jungblut, Elliot 52, Sieger des ersten Teils des AAR), „Sagitta“ (Tillmann Frank, Albin Stratus, 6. Platz Fastnet Race), „Halbtrocken 4.0“ (Michael Berghorn, X-41, 1. Platz Sydbank Cup) und „Lilienthal“ (Jörg Riechers/2. Platz Mini-Transat, Mini 6.50).

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Mit dem Rückblick auf ein sportliches Jahr in Hamburg eröffnete Hamburgs Staatsrat Christoph Holstein den Festabend der deutschen Hochseesegler und überraschte mit dem Hinweis, dass die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei Olympia soeben Kanada bezwungen hatte. Dieser Exkurs wurde mit tosendem Applaus bedacht und zeigte, dass Segler durchaus den Erfolg in fremden Sportarten anerkennen. Da sehr viele Hamburger und Bremer im Saal waren, war es anständig, vor dem Derby und mit Blick auf die Tabelle nicht auch an Fußball zu erinnern.

Doch danach gehörte der Abend dem nassen Element. Nach kurzen Ansprachen des Vorsitzenden der German Offshore Association, Friedrich L. Hausmann, von Carl-Friedrich Schott (GOOA), dem DSV-Vizepräsidenten Claus-Otto Hansen und dem Vorsitzenden des Hamburger Segler-Verbandes, Andreas Völkers, entführte Ehrengast Alex Thomson die Gäste aus dem feierlichen Saal in die rauhe See des Southern Ocean. Der Brite hat viermal am Vendée Globe Race teilgenommen, beendete es zweimal und landete 2013 auf Rang drei und 2017 auf Platz zwei. Er versteht es, mit seinen Schilderungen Zuhörer und Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Vendée Globe sei eigentlich ein leichtes Rennen. Es ginge fast immer geradeaus und man müsse beim Start alles an Bord haben, was man benötigt, so Thomson zu dem Kurs und dem Regelwerk. Dass die 24.000 Seemeilen dieser alle vier Jahre stattfindenden Regatta alles andere als einfach sind, zeigten die Filme aus dem Südpazifik.

Dass Thomson dabei immer besonders adrett gekleidet ist, egal, ob auf dem Kiel seiner Open 60 oder auf dem Kiteboard hinter seiner „Hugo Boss“ in 70 Meter Höhe hinterher fliegend, liegt natürlich an seinem Sponsor. Und dass dieser dem Briten seit 15 Jahren die Treue hält, liegt an dem Charisma des Ausnahmesportlers, der den Kiteflug als „seine nicht wirklich beste Idee“ bezeichnet. Kaum ein Segler lebt das Thema Marketing so perfekt wie Thomson, der sich selbst für den Auftritt in Hamburg angeboten hatte. Nach seiner Absage vor zwei Jahren wolle er das Versäumte nachholen. Die Gäste dankten es dem Briten mit viel Applaus.

Thomson wünschte den anwesenden Jörg Riechers und Boris Herrmann viel Erfolg bei ihrer Vendée-Globe-Kampagne für 2020, natürlich mit dem Hinweis, dass er schon gern vor ihnen liegen würde. Nach den Rängen drei und zwei wäre das eine logische Folge.

Doch es wäre für Deutschland gut, wenn auch Deutsche teilnehmen würden. „Wie sie sich an den ersten deutschen Bezwinger des Mount Everst erinnern, werden in 50 Jahren die Segler wissen, welcher Deutscher als erster an der Vendée Globe teilgenommen hat“, forderte Thomsen die deutsche Wirtschaft auf, ihre Aushängeschilder zu fördern. Denn der schwerste Weg bei der Regatta ist bekanntlich der Weg bis an die Startlinie. Übrigens: Reinhold Messner (Südtirol) wurde 1987 bei seiner Everest-Kampagne von dem Heidelberger Reinhard Karl begleitet.

So eingestimmt auf die Einhand-Regatta um die Erde schlich sich die Vermutung ein, dass Jörg Riechers nach den Ehrungen 2011 und 2013 zum dritten Mal den German Offshore Award entgegennehmen würde. Doch es kam anders.

Die Auszeichnung ging an Uwe Lebens für den Sieg bei der Helgoland-Edinburg-Regatta. Nur 14 Yachten gingen nach den Wetterprognosen auf den 420 Seemeilen langen Törn, der alle zwei Jahre im Wechsel mit der Pantaenius-Rund-Skagen an die Nordseewoche anschließt. Ganze fünf Yachten konnten das Rennen beenden.

Der Nachwuchspreis, gestiftet von Wehring&Wolfes, ging an den Akademischen Segler-Verein zu Rostock. Der vor 99 Jahren gegründete Verein ist der erste aus den neuen Bundesländern, der sich damit den Jugendpreis sichern konnte. Mit einem älteren Eintonner „Universitas“ (Bruce Farr Design) hatten die „Aktivitas“ (segelbegeisterte Studenten, Auszubildende und Schüler im Verein) das Rennen über die Ostsee von Wismar nach Töre (Schweden) gewonnen. Auch in diesem Sommer möchten die Rostocker antreten – gern mit einem neueren Modell als dem Eintonner, der als ehemalige „Saudade III“ (Albert Büll) und „Abap4“ (Hasso Plattner) einige Seemeilen und Erfolge aufweisen kann.

Der Lifetime-Award ging an Boris Hepp und Robert Jacobsen aus der Abteilung Technik des DSV. Friedrich Hausmann betonte, dass nur dank der vielen Helfer im Hintergrund überhaupt Regatten möglich seien. „Es sind die Helden, die Sieger, die im Rampenlicht stehen. Sie können es nur dank des Engagements im Hintergrund“, so der GOOA-Vorsitzende. Hepp und Jacobsen bekamen den Preis nicht für ihre gute Arbeit, sondern für das Engagement und den Einsatz, mit dem sie ihren guten Job ausüben.
Nach zwei kurzweiligen Stunden, durch die Moderatorin Sandra-Valeska Bruhns gekonnt und humorvoll führte, wurde beim Klönschnack über das Hochseesegeln allgemein und den German Offshore Award speziell geplaudert und philosophiert.

Mit Wolfgang Schäfer (DSV-Seesegel-Ausschuss und Vizepräsident des Offshore Racing Congress), dem RVS-Vorstand um Bertil Balser, Jürgen Klinghardt, Uwe Wenzel sowie Martin Birkhoff (TO-Vorsitzender), Harald Harmstoff (HSV-Ehrenpräsident), Michael Rapp (Vorsitzender SKWB), Boris Herrmann (Allrounder, vom 505er-Vize-Europameister über Mini-Transat- und Barcelona-World Race-Erfolg bis zu Geschwindigkeits-Versuchen mit dem Tri „Idec“ reicht seine seglerische Bandbreite), Jörg Riechers (2. der Mini-Transat 2017) zusammen mit seinem Offshore Team Germany Jens Kuphal und Robert Stanjek, Thomas Jungblut (North Sails/„Outsider“), Gerhard Clausen (Seriensieger des Blau-Gelben Bandes in Flensburg mit der „Calypso“), Claus Bressler („Chrila“) sowie zahlreichen Vertretern von Verbänden und Vereinen war die deutschen Hochseesegel-Szene stark vertreten. Friedrich Hausmann konnte mit dem 11. German Offshore Award, dem ersten unter seiner Leitung, zufrieden sein. Die Inhalte stimmten, der Rahmen allemal. „Es ist der imponierendste Raum, in dem ich je war“, zeigte sich Alex Thomson stellvertretend für viele Anwesende vom Kaisersaal des Hamburger Rathauses sehr beeindruckt. – Hermann Hell

Die Wertung
Die Stiftungsurkunde legt die Bedingungen fest. Alle deutschen Yachten, die an internationalen Hochseeregatten teilgenommen haben, können in die Bewertung genommen werden. Deutsch ist die Yacht, die von einem deutschen Skipper geführt wird.
Basis ist eine Berechnungsformel, die mit den Ergebnissen gefüttert wird. Ein Algorithmus wertet die Daten aus. Teilnehmerzahl und Schwierigkeitsgrad, der auch vom Wetterexperten Meeno Schrader mit festgelegt wird, fließen ein. Die Jury vergibt Faktoren für Regatten von 0,8 bis 1,6.

Zur Jury gehören sieben Mitglieder unter der Leitung des Vorsitzenden des Hamburger Segler-Verbandes. Dr. Meeno Schrader berät. Neben der Qualität der Konkurrenz, den taktischen/ navigatorischen Anforderungen sowie der Wettersituation geht besonders die Anzahl der gestarteten Yachten im Verhältnis zur Platzierung des Nominierten in die nüchterne Bewertungsformel ein. Die Jury bewertet die Regatten, nicht die Yachten/Eigner.

Die Gewinner des German Offshore Award:
2008: Felix Scheder-Bieschin („Vineta“)
2009: Harald Baum („Elan“)
2010: Boris Herrmann („Beluga Racer“)
2011: Jörg Riechers („Mare.de“)
2012: Christopher Opielok („Rockall III“)
2013: Jörg Riechers („Mare.de“)
2014: Jens Kellinghusen („Varuna“)
2015: Jens Kellinghusen („Varuna“)
2016: Dieter Schön/Marcus Wieser („Momo“)
2017: Christian Plump („Elena Nova“)
2018: Uwe Lebens („Milan“)

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