Goldener Boden für erfolgreiche Segler: Goldener Opti des TSVS

Am Wochenende wurde der Goldene Opti des TSV Schilksee bereits in seinem 50. Jahr ausgetragen. Trotz schwieriger Bedingungen gab es daher allen Grund zum Feiern.

Es ist 1968 in Schilksee: Auf die Olympischen Spiele 1972 deutet noch wenig hin, das „Olympiazentrum“ besteht zu diesem Zeitpunkt lediglich aus einer Rampe, ein paar Baracken und Gestellen für das Jollenlager. Aber der Segel-Aufschwung ist bereits spürbar. Zwei Jahre zuvor ist die Segelabteilung des TSV Schilksee gegründet worden, die ersten Optis sind in Eigenarbeit entstanden. Jetzt geht erstmals auch die Opti-Regatta des TSVS an den Start: der Goldene Opti. In den folgenden Jahrzehnten entwickelt sich das Ereignis zur größten deutschen Opti-Regatta. Große deutsche Segler feiern hier erste Erfolge, internationale Gäste reisen aus ganz Europa und aus Übersee an. Phasenweise werden die Wettfahrten sogar während der Kieler Woche ausgetragen.

Am 26. und 27. Mai hat die größte deutsche Opti-Regatta ihr goldenes Jubiläum gefeiert – mit einem Empfang für Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport, mit Zaubershow und Tombola – und natürlich mit einem Regattaspektakel auf dem Wasser. 420 Kinder aus zehn Nationen sind angereist. Sie müssen sich in Opti A und B bei schwierigen Bedingungen behaupten. Der Däne Malthe Ebdrup trägt sich als 45. Sieger (drei Jahre wurde statt des Goldenes Optis der Kieler Auftakt gesegelt, 1988 und 2003 machte der fehlende Wind eine Austragung zunichte) in die Liste des Goldenen Optis ein. Die Münchenerin Cara Alicia Vieth sichert sich den Silbernen Opti der Opti B.

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Eine große Schar jugendlicher Segler versammelte sich zur Eröffnung in der Vaasa-Halle. Foto: ra

Während sich die Segler auf der Förde mit den schwierigen Bedingungen auseinandersetzen müssen und in der Gruppe Opti A wegen leichter Winde am Samstag und Nebel am Sonntag nur drei Wettfahrten schaffen (fünf sind es in der Gruppe Opti B), feiern die Jubiläumsgäste in den Räumen des Deutschen Segler-Verbands das 50. Jahr des Events. Ein Jubiläum, das nur durch das außerordentliche Engagement der TSVS-Mitglieder möglich wurde. „Als ich vor drei Jahren das erste Mal im Organisationsteam dabei war, habe ich gleich den herzlichen Umgang des eingespielten Teams schätzen gelernt“, berichtet Alexander Florinski, der Abteilungsleiter der TSVS-Segelsparte. Er darf neben seinem langjährigen Vorgänger und Ehrenmitglied Thomas Schuhr ehemalige Mitorganisatoren wie Charlie Ferdinand und Vertreter von Unterstützern, Deutschen Segler-Verband und der Stadt Kiel begrüßen. Selbst Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer lässt es sich nicht nehmen, das besondere Flair des Goldenen Optis zu genießen. „Das ist Segeln in seiner reinsten Form und zeigt, dass der Segelsport auch für kleines Geld möglich ist“, so Kämpfer. Nach aufregenden Sportwochen mit den Special Olympics und den Relegationsspielen von Holstein Kiel sei es bezeichnend, dass der Segelsport den Abschluss dieser Kieler Tage bildet. „Segeln muss immer präsent sein“, sagt Kämpfer mit Blick auf die Kieler Woche, zu der Großbildleinwände das Segeln in die Innenstadt transportieren sollen.

Doch der Blick geht bei dieser Feier nicht nur nach vorn. Gerade die Sieger vergangener Jahre dürfen in Erinnerung schwelgen. Joachim Splieth, der Sieger der Premierenveranstaltung von 1968, erinnert sich gern an die Aufbruchstimmung Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre: „Der erste Goldene Opti ist natürlich mit dem heutigen gar nicht mehr vergleichbar. Die Segelsparte war ja noch jung und unsere Boote waren Eigenbauten. Aber sie waren erfolgreich. International waren sie allerdings nicht erlaubt“, so Splieth, der 1969 sogar an der Weltmeisterschaft in England teilnahm und dabei Prinz Philip die Hand geschüttelt hat. Splieths Vater war der große Motor des Jugendsegelns beim TSVS. Er formte die Segelabteilung in wenigen Jahren mit über 300 Jugendlichen zur größten Nachwuchsabteilung in Westdeutschland. Eine Abteilung, aus der auch Weltmeister und Olympiateilnehmer hervorgegangen sind. „Ich habe hier bei Norbert Petrausch, der immer noch der Wettfahrtleiter der Opti B ist, das Segeln gelernt. Wenn ich das hier sehe, bekomme ich gleich Bock zu segeln“, sagt Marcus Baur, Sieger des Goldenen Opti und zweimaliger Olympia-Teilnehmer im 49er. „Ein genialer Sport. Ich freue mich, dass meine Kindern inzwischen auch mit dem Segeln angefangen haben“, so Baur. Auch Rene Schwall, Bronzemedaillen-Gewinner bei Olympia in Sydney, kann inzwischen seine Söhne auf dem Wasser beobachten. Per Christopher Schwall ist als 18. der beste Kieler bei diesem Goldenen Opti und damit auf dem besten Weg in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der 1983 die Regatta gewann. „Damals war es aber eine viel kleinere Veranstaltung. Heute ist alles viel professioneller. Die Kinder müssen eine Menge leisten, um hier weit vorn zu landen“, so Schwall.

TSVS-Abteilungsleiter Alexander Florinski (links) und TSVS-Ehrenmitglied Thomas Schuhr (rechts) nehmen die Sieger der vergangenen Jahre in die Mitte: Lennart Kuß, Sven Harder, Joachim Splieth, Henning Voigt, Bernd Meier und Rene Schwall (von links). Foto: ra

Einer der wenigen, die den Goldenen Opti zweimal gewinnen konnten, ist Sven Harder. Der ehemalige Lübecker war Ende der 70er-Jahre das Maß der Dinge der deutschen Optis. Dreimal war er bei Weltmeisterschaften am Start, auf dem Ammersee wurde er Deutscher Meister, und 1977 und 1978 gewann er eben auch vor Kiel. „Im Rückblick ist das schon was ganz Besonderes“, sagt Harder, der die Zeit nicht missen möchte. „Das war eine super Zeit. Ich kann nur jedem Kind empfehlen, Opti zu segeln.“ Einer seiner größten Konkurrenten vor vier Jahrzehnten war der Kieler Bernd Meier. Mit seinem Opti „Die Gelbe Gefahr“ machte er die Regattabahnen unsicher und trug sich 1979 in die Siegerliste bei seinem Heimatverein ein. „Ich habe mich schon ordentlich angestrengt, dass Sven als Lübecker den ,Goldenen Opti‘ nicht dreimal in Folge gewinnt“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Ein Sieger der jüngeren Zeit ist Lennart Kuß. Der Warnemünder gewann 2014 in seinem besten Opti-Jahr vor Kiel, wurde kurze Zeit später Europameister. „Ich wusste gar nicht, dass die Regatta so alt ist. Es ist toll, hier dabei zu sein. Über die Einladung habe ich mich richtig gefreut“, so der angehende Abiturient, der inzwischen in 49erFX segelt und den Blick für die Zukunft auf den olympischen 49er richtet. „In diesem Jahr ist die Junioren-WM in Marseille der Zielwettkampf“, sagt Lennart Kuss und belegt, dass aus Siegern des Goldenen Optis große Segler werden. (ra)

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