Interview mit Robin Knox-Johnston

Zum Start des Films "Vor uns das Meer" über Donald Crowhurst spricht Sir Robin Knox-Johnston mit uns über das Abenteuer von damals und wie er vom Schicksal Donald Crowhursts erfuhr

Sir Robin Knox-Johnston (78) gewann 1969 das Golden Globe Race. Von neun Startern war er der Einzige, der das Rennen erfolgreich beendete und der Erste, der die Welt einhand und nonstop umsegelte. Sein Kontrahent Donald Crowhurst beendete das Rennen nicht und verlor sein Leben. Zum Start des Films “Vor uns das Meer” spricht Knox-Johnston über die technische Entwicklung des Segelsports, das Rennen von damals und über Donald Crowhurst.

Sir Robin Knox-Johnston, vor zwei Jahren sind Sie in einem Open 60 über den Atlantik gerast. Ihre erste lange Segelreise Mitte der 1960er ging von Indien nach England. Dazwischen liegen Segelwelten. Vermissen Sie manchmal das Einfache von damals?
Ich glaube schon. Wir hatten zwar keine gute Kommunikationsmöglichkeiten, keine Wettervorhersagen, keine Satelliten. Es gab aber auch keine Sponsoren. Das hieß, wir hatten keine Verpflichtungen zu erfüllen. Wer heute einen Open 60 baut, verbringt genau so viel Zeit für seine Sponsoren, wie für das eigentliche Segeln. Ich verbringe lieber meine Zeit damit, nur zu segeln.

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Hat die technische Entwicklung ihre Leidenschaft am Segeln verändert?
Ja, die hat sich grundlegend verändert. Sehen Sie sich das Tempo, die Materialien und vor allem die Größe moderner Boote an. Das ist, wie die ersten Fluggeräte der Gebrüder Wright mit einer Concord zu vergleichen. Jetzt kommen Foils hinzu und machen alles noch schneller. Das war vor 50 Jahren unvorstellbar.

Sie haben an einigen Rennen um die Welt teilgenommen und sind seit dem Sunday Times Golden Globe Race von 1968 offiziell der erste nonstop einhand Weltumsegler. In diesem Jahr wird es eine Neuauflage dieses Rennens mit Booten und Technik aus den 1960ern geben. Wie fühlt es sich an, wenn Segler aufbrechen, um nachzuerleben, was für Sie sicher ein ganz persönliches Abenteuer war?
Ich finde das schön! Sogar als Kompliment. Im Gegensatz zur sehr professionell organisierten Vendée Globe führt dieses Rennen zurück zum Abenteuersegeln. Das hat lange im Segelsport gefehlt. Alles ist heillos professionell geworden. Das aber hier wird wieder ein Abenteuer sein.

In den Kinos läuft gerade “Vor uns das Meer” an. Ein Film über ihren damaligen Kontrahenten Donald Crowhurst, der mit gefälschten Positionsberichten den ersten Platz erschummeln wollte und dann unter nicht ganz klaren Umständen Selbstmord beging. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass jemand all diese Strapazen, ein Boot zu bauen und so lange auf See zu gehen, nur des Geldes wegen macht.
Ich denke, das Geld war nur ein Teil. Seine Geschäfte liefen schlecht. Das Geld war sicher ein Grund, es hätte seinem Unternehmen geholfen. Aber es ging ihm auch um die Berühmtheit, die er bekommen würde und die ihm noch viel mehr helfen würde. Ich denke, das war seine Motivation.
Die Tragödie war dann, dass er mit dieser eigentlich großartigen Idee und sehr viel Enthusiasmus gestartet ist. Das Boot war aber nicht wirklich bereit und stark genug für die Reise. Er ist beinahe schlafwandlerisch in eine Situation getappt, auf die er nicht vorbereitet war.

Was mich immer wieder überrascht, ist, dass es so aussieht, als sei er der Einzige, der diese Motive hatte. Waren Geld und Ruhm für die anderen Teilnehmer nicht so wichtig?
Das Preisgeld wurde ja erst später ausgelobt. Ursprünglich sollten wir alle am 31. Oktober 1968 starten und der Erste zurück in England bekommt die Trophäe. Aber für uns mit kleinen Booten war das unsinnig. Wir wären erst im Herbst um Kap Hoorn gesegelt. Das war zu gefährlich. Die Zeitung wollte aber nicht auf uns als Teilnehmer verzichten. Darum wurde ein Startfenster von Juni bis Oktober festgelegt und es gab auf einmal zwei Preise: die Trophäe für den Ersten und das Geld für den Schnellsten. Als das Geld kam, waren wir für das Rennen um die Trophäe längst eingeschrieben.

Dann war allein der Titel, erster einhand nonstop Weltumsegler, die treibende Kraft?
Ja, zumindest war das eindeutig meine Motivation. Ich hätte auch niemals gedacht, der Schnellste zu werden, denn ich hatte gar kein sonderlich schnelles Boot.

Ihr Boot Suahili haben sie noch immer?
Ja, wir haben sie 1963 auf Kiel gelegt. Das ist jetzt schon 55 Jahre her.

Wie fühlen sich die Szenen im Film für Sie an, da Sie immerhin vor 50 Jahren dabei waren?
Was mich am meisten beeindruckt hat, war, dass die Geschichte nicht überdramatisiert wurde. Die Art, wie Crowhurst alles vorbereitet, losfährt und dann ganz langsam realisiert, dass sein Boot für den Südpazifik nicht sicher ist. Er wird unfähig, sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Er hätte nach Kapstadt segeln können und sagen „Ich hab’ eine gute Reise gemacht, aber das Boot segelt nicht mehr weiter.“ Stattdessen fängt er an, die Weltumrundung vorzutäuschen. Aber er weiß, dass seine Reise überprüft werden wird, wenn er zurückkommt und das erst recht, wenn er als Schnellster zurückkommt. Wenn seine Lügen herauskommen, ist seine Reputation vollkommen ruiniert. Diesen Konflikt spielt Colin Firth unfassbar gut. Obwohl Firth sonst meist englische Gentlemen spielt und in dieser Rolle doch einen ganz anderen Charakter zu verkörpern hatte.

Wussten Sie eigentlich, dass Sie am Ende als letzter Teilnehmer des Rennens übrig waren?
Nein, ich hatte keine Ahnung, denn ich hatte zuletzt kein Funkgerät. Ich erfuhr etwa eine Woche vor der Ankunft, dass ich vermutlich der Erste sein würde. Ich wusste nicht einmal, dass es einen Teilnehmer Crowhurst gab, bis mir ein Journalist vor Neuseeland von ihm erzählte. Ich habe einfach nur alles gegeben und wusste, dass der Franzose (Bernard Moitessier) mir auf den Fersen und ein guter Segler war.

Der das Rennen nicht beendete und weiter nach Tahiti segelte.
Das stimmt, aber wir wussten beide nicht, dass ich nur drei Wochen Vorsprung am Kap Hoorn hatte. Das fanden wir erst hinterher heraus.

Was unternimmt Robin Knox-Johnston heute, 50 Jahre nach diesem Rennen?
Ich freue mich, in diesem Sommer etwas segeln zu können. Während des Clipper Around the World Race hat man als Chairman nicht viel Zeit zum Segeln, aber danach möchte ich nach Grönland segeln. Eine wundervolle Gegend.

 

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