Kalte Maior bot alles: Von Flaute bis Ballermann

Nur eines hatten die vier Tage der Seesegel-Auftaktveranstaltung Maior vor Kiel gemeinsam: Sie waren kalt. Und so mancher Teilnehmer dürfte Ende April auf der Kieler Förde so manches Mal den Hallensportarten deren Spielplatz geneidet haben.

Ansonsten wurde den 61 Yachten vor Kiel alles geboten. Nach dem Auftakt mit Flaute, Nebel am zweiten Tag, der die Tonnen verbarg und selbst TV-Teams den Weg zurück in den Hafen schwer machte, über starke, aber drehende Winde am Montag bis zum Ballermann mit bis zu 40 Knoten am Abschlusstag war alles im Angebot.

So begann die Saison mit einer einzigen Wettfahrt für die ORC-Klassen am ersten Tag und endete mit einer Absage für die Einheitsklassen und ORC 1/2 am Abschlusstag, dazwischen lag ein mit vier bis fünf Wettfahrten pralles Programm.

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Die Einheitsklassen J/70 und J/80 durften am Tag der Arbeit gleich im Hafen bleiben, die ORC 1/ORC2-Flotte verweigerte dann am 1. Mai auch die Arbeit. Dennoch absolvierten die Einheitsklassen sieben bis acht Wettfahrten (J/70 sieben, J/80 acht), die 13 ORC 1-/ORC 2-Yachten acht Wettfahrten und zumindest sechs der 19 ORC 3-Yachten zehn Wettfahrten.

Eine etwas gerechtere Windverteilung auf die vier Tage hätte der Maior sicherlich gut getan, aber auch so konnten die Seesegler erste Erkenntnisse sammeln und zeigten sich zufrieden.

Da die großen Schiffe der Klasse ORC 1/2 am Abschlusstag komplett nicht mehr antraten, änderte sich nichts am Gesamtsieg der „Sydbank“ mit Skipper Torsten Bastiansen (Flensburg) vor der einzigen ORC 1-Yacht  „Tutima“ von Kirsten Harmstorf-Schönwitz (Hamburg) und Max Gurgels „X-Day“ (Kiel). „Wir haben mit der Kieler Woche, der WM in Holland und der Cowes Week rund um die Isle of Wight so viel vor in dieser Saison, da wäre es Quatsch gewesen, gleich zum Saisonauftakt Ressourcen zu verschwenden“, so die Kirsten Harmstorf-Schönwitz. „Wir hatten eine richtig gute Regatta, sogar besser als erwartet, nachdem wir die Crew umgestellt haben und im Training noch viel Luft nach oben war“, ergänzte die „Tutima“-Skipperin.

Nach zwei Auftaktsiegen für das Frauen-Team war es dann die „Sydbank“ (Bastiansen/Christensen), die das Geschehen beherrschte, dabei aber auch ein DNF der „Tutima“ in der siebenten Wettfahrt nutzte, um die Spitze zu erklimmen. „Wegen der Probleme mit dem Genua-Einfädler mussten wir die leider abbrechen – das hat uns den Sieg gekostet“, so Harmstorf-Schönwitz.

Im Duell der Italia 9.98-Yachten in der Klasse ORC III verwies Gordon Nickel (Bremen) mit der „One Spirit“ die „Immac Fram“ (Kieler Yacht-Club) von Kai Mares auf Platz zwei. Der Verzicht der „Patent 4“ (Tebbe/Klinghardt) auf die letzte Sturmwettfahrt verhinderte den Italia-Dreifach-Triumph. So nutzte Michael Mollmann mit seiner „Hansen“ (X-37) das Fernbleiben der „Patent 4“ und errang Platz drei.

Die „One Spirit“ (Nickel/Bremen) ließ auch die Sturmwettfahrten am 1. Mai nicht aus und setzte sich im „Italia 9.98“–Duell gegen die „Immac Fram (Mares/Dänischenhagen) durch.

„Das war tricky, schön drehig – Stollergrund bei Leichtwind at its best“, resümierte Bertil Balser, Vorsitzender der Klassenvereinigung RVS (Regattavereinigung Seesegeln). Die „Sportsfreund“, zu deren Crew Balser zählt, macht ein halbes Jahr Pause, daher segelte der Northsails-Mann nach langer Zeit wieder in der Klasse ORC 3. „So bin ich wieder da, wo ich herkomme“,  so Balser. Platz elf mit der J/97 „Qurion“ (Hauke Moje) in der Gesamtwertung ist nicht ganz das erhoffte Ergebnis.

In der J/80 führt auch 2018 kein Weg an Martin Menzner vorbei. Der Kieler beherrscht die Klasse mit seiner „Pike“ unangefochten. Sieben Siege bei acht Wettfahrten und ein dritter Platz als Streicher zeigen die Dominanz.

Martin Menzner zeigte mit der „Pike“, dass auch 2018 kein Weg an dem Kieler vorbei führt. Seit Jahren beherrscht Menzner und seine Crew die J/80-Szene auf der Ostsee.

„Wir haben sehr viel Erfahrung und sind eine eingespielte Crew“, beschreibt Menzner sein Erfolgsrezept, das bei so viel Überlegenheit in den vergangenen Jahren aber auch den Reiz reduziert. So wünscht sich der Kieler für die Saison: „Mehr Konkurrenz, damit die Spannung wieder da ist.“

Genauso souverän wurde Torsten Voss (Flensburg) mit seiner „Frida“  und sechs zweiten Plätzen Zweiter. Auf Rang drei landete Lukas Heyde. Der Laboer schwärmte natürlich von der sechsten Wettfahrt: „Durch einen Winddreher segelten wir vom vorletzten Platz auf den ersten vor und konnten unser Endergebnis so verbessern.“

In der Bundesliga-Klasse J/70 setzte sich die Bremer Crew um Björn Beilken durch.  „Es waren teilweise verrückte Verhältnisse“, so der Skipper der J/70 „Procedes Diva“. „Erst auflandig mit viel Welle, dann weniger und um 180 Grad gedreht, Welle von hinten auf dem Am-Wind-Kurs – da war alles dabei.“ Die Crew der Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen zeigte ihr Geschick bei den unterschiedlichsten Bedingungen und schob sich mit einem Sieg in der letzten Wettfahrt auf Rang eins. „Wir haben uns durch kluge Entscheidungen nach vorn gekämpft. Na gut, vielleicht war auch etwas Glück dabei“, resümierte Beilken, der den Erfolg auf die Konstanz im Team zurückführt. „Wir haben viel trainiert, sind ein gut eingestelltes Team und segeln seit fast zehn Jahren gemeinsam“, erklärt der Bremer, der bereits in Richtung Kieler Woche blickt und auch in der Segel-Bundesliga antreten wird.

Björn Beilken (SKWB) beherrschte die Bundesliga-Klasse J/70 bei der Maior. Kluge Entscheidungen und etwas Glück seien die Grundlage für den Sieg, so der Bremer. (Bild: segel-bilder.de)

Der Zweitplatzierte Gerd Knospe nutzte die Maior-Regatten als Vorbereitung für die EM im Juni in Spanien. „Die Rennen waren anspruchsvoll zu segeln, es gab viele Winddreher, der Spaß an Bord war aber hervorragend.  Für die Europameisterschaft war die Maior ein perfekter Auftakt, eine super Vorbereitung. Seglerisch war alles dabei“, so der Berliner.

Auf Rang drei segelte der Strander Peter Kohlhoff auf der „Greta“, der die „Grün Software AG“ (Daniel Nauck) dank zweier erster Plätze punktgleich auf Rang vier verwies.

 

So sehen Sieger aus. Preisverleihung bei der Maior in der wärmeren Vaasahalle. (Bild: segel-bilder.de)

Maior-Endergebnisse:

ORC 1 und 2 (8 W/13 Starter):

1.„Sydbank“ (Torsten Bastiansen/Flensborg Yacht Club/X-41) 37.0 Punkte, 2. „Tutima“ (Kirsten Harmstorf-Schönwitz/Mühlenberger Segel-Club/DK 46) 48.0, 3. „X-Day“ (Max Gurgel/Yacht Club Gode Wind/XP-44) 52.0, 4. „Nexus” (Søren Junker/Dänemark/X-41) 55.0, 5. „Intermezzo“ (Jens Kuphal/Berliner Yacht-Club/DEHLER 42) 56.0, 6. „Adamas“ (Jan Peters/Segler-Vereinigung Heiligenhafen/Luffe 43/9) 56.0.

ORC 3 (10 W/19 Starter):

1.”One Spirit” (Gordon Nickel/ONEKiel/Italia 9.98) 14.0 Punkte, 2. “IMMAC Fram” (Kai Mares/Kieler Yacht-Club/Italia 9.98) 24.0, 3. „Hansen“ (Michael Mollmann/Dänemark/X-37) 43.0, 4. „Halbtrocken“ (Knut Freudenberg/Amrumer Segel- und Regattaverein/First 36.7) 51.0, 5. „Patent 4“ (Henning Tebbe/Jürgen Klinghardt/NRV, LYC, SKWB/Italia  9.98) 52.0, 6. „Varuna Xpress“ (Kai Haupthoff/Segelclub Eckernförde/X-332 SPORT) 77.0.

J/70 (7 W/21 Starter):

  1. „Procedes Diva“ (Björn Beilken/SKWB) 16.0 Punkte, 2. „Sanna R“ (Gerd Knospe/VSaW) 19.0, 3. „Greta” (Peter Kohlhoff/Kieler Yacht-Club) 22.0, 4. „Grün“ (Daniel Nauck/Berliner Yacht-Club) 22.0, 5. „Anakin“ (Malte Christophersen/Klub am Rupenhorn) 34.0, 6. „Charles“ (Suzanne Willim/Schlei-Segel-Club) 45.0.

J/80 (8 W/8 Starter):

1.„Pike“ (Martin Menzner/Kieler Yacht-Club) 7.0 Punkte, 2. „Frida“ (Torsten Voss/Flensborg Yacht Club) 17.0, 3. “Silence” (Lukas Heyde/Kieler Yacht-Club) 23.0, 4. “Joytoy” (Gerd Henssen/Akademischer Seglerverein in Kiel) 29.0, 5. „Filou“ (Meinhard Braedel/DHH-Regatta-Gruppe) 31.0, 6. „Bibelot“ (Niklas Schubert/Kieler Yacht-Club) 35.0.

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