Offizieller Neustart bei Bavaria

Kleinere Modellpalette – Rückbesinnung auf die Kernkompetenzen der Marke – Stärkung der Mitarbeiter

Der 17. Oktober 2018 dürfte ein weiteres historisches Datum in der 40jährigen Geschichte von Bavaria sein. Heute wurde offiziell der Neustart der fränkischen Werft für Segel- und Motoryachten mit einem symbolischen Druck auf den Startknopf in Giebelstadt gefeiert. Dr. Tobias Brinkmann, von der Kanzlei Brinkmann & Partner, übergab die Werft mit seinen 550 Mitarbeitern in Giebelstadt und seinen 250 Bootsbauern in Rochefort/Frankreich an Kai Brandes und Dr. Ralph Kudla, als Vertreter der neuen Investoren CMP, sowie an die weiteren Geschäftsführer von Bavaria, Erik Appel für Produktion, Stefan Klaassen für Vertrieb und Peter Rindler für Finanzen. Brinkmann hatte Ende April, nach dem überraschenden Insolvenzantrag von Bavaria, die Leitung der Werft übernommen und bis Mitte September nach einem neuen Investor gesucht.

 

Sicherheit für alle Beteiligten

„Bavaria hat wieder Wasser unter dem Kiel und kann nun wieder Fahrt aufnehmen“, so fasste Kai Brandes, Geschäftsführender Gesellschafter von CMP Capital ManagementPartners aus Berlin, auf einer Pressekonferenz bei Bavaria in Giebelstadt die neue Zukunft der fränkischen Werft zusammen. „Wir freuen uns über den erfolgreichen Abschluss der Transaktion: Der Kaufvertrag ist unterzeichnet, die Freigabe des Bundeskartellamts liegt vor und das Closing, also die Erfüllung aller vertraglichen Bedingungen, hat gerade stattgefunden. Das bedeutet Sicherheit für die Mitarbeiter, für die Kunden und Händler sowie für die Lieferanten“, führte Brandes weiter aus. Doch bei CMP liegt die größte Arbeit nun bei Dr. Ralph Kudla, der als Geschäftsführer oder genauer gesagt Chief Restructuring Officer (CRO), Bavaria nun in ertragreichere Fahrwasser führen soll. Rund vier bis sechs Monate rechnet der erfahrene Sanierer bis Bavaria wirklich auf neuem Kurs ist. Für das nun verkürzte Geschäftsjahr bis 31. Juli 2019 werden noch rote Zahlen die Bilanz prägen. Im darauffolgenden Geschäftsjahr bis Ende Juli 2020 soll schon eine schwarze Null erreicht werden. Im laufenden Geschäftsjahr sollen noch 400 bis 500 Segel- und Motoryachten gebaut werden.

 

In Eigenregie entwickeln und bauen

Kern der neuen Strategie ist es, sich wieder auf traditionelle Markenwerte von Bavaria wie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu besinnen. Und man will sich in der Konstruktion wieder stärker auf das eigene Team an Ingenieuren besinnen, statt Baupläne nur von außen einzukaufen. „Wir wollen, dass unsere hervorragend ausgebildeten und engagierten Mitarbeiter vorrangig alle Yachten in eigener Regie entwickeln und bauen. Die Belegschaft identifiziert sich sehr mit Bavaria Yachtbau, sie ist der Kern unseres Unternehmens“, sagte Geschäftsführer Erik Appel, seit Dezember 2017 Chief Operating Officer von Bavaria Yachtbau. „Deshalb wollen wir das Stammpersonal weiter aufbauen und gleichzeitig das Verhältnis der Leiharbeitnehmer verringern. Das hilft erheblich, Produktionskosten zu senken. Um die Leistungsfähigkeit der Werft zu erhöhen, werden wir das eigene Engineering, also die technische Entwicklung von Yachten, wieder bei Bavaria Yachtbau konzentrieren, interdisziplinäre Teams sind bereits gebildet. So werden wir die Übergabe neu entwickelter Modelle vom Engineering in die Produktion besser organisieren und Kosten senken. Das Engineering und der Möbelbau werden als Kernkompetenzen im eigenen Haus fortgeführt.“

 

Modellpalette umstrukturieren

Erste Ergebnisse für die Neustrukturierung wurden bereits umgesetzt. Die Motoryachten E40 und E34, die in den letzten zwei Jahren zahlreiche Preise und Awards gewannen, werden nicht mehr produziert. Das Flaggschiff Bavaria C65, das bisher auf einer Werft in Kroatien gebaut wurde, ist ebenfalls nicht mehr im Programm. Die Motoryacht R55, die ebenfalls in Kroatien gebaut wurde, wird ab Frühjahr 2019 nun von der Bavaria Stammmannschaft in Giebelstadt gefertigt. Und auch die neue Bavaria C50, die dieses Jahr auf der boot in Düsseldorf ihre Weltpremiere feierte, wurde wieder vom Band in den Prototypenbau gebracht. Nach erfolgreichem Re-Engineering wird die C50 ab November 2018 wieder in die Serienproduktion gehen. Die Erkenntnisse daraus werden nun auf die C57 und die kleine Schwester C45 übertragen. Der neue COO hat die Machbarkeit des größten Segelschiffs für das Werk Giebelstadt sichergestellt. Inzwischen ist die C57 im Band, parallel werden die Erkenntnisse aus der C50 in die laufende Produktion der C57 umgesetzt.

Die Modellpalette mit zurzeit 26 Modellen soll in Zukunft auf zehn bis zwölf Kernmodelle fokussiert werden. Man will die Modellpalette attraktiver und gleichzeitig qualitativ hoch verlässlich gestalten, betont die neue Geschäftsführung von Bavaria. Neuentwicklungen sind ab dem 2019 geplant und sollen auf der boot 2020 vorgestellt werden.

 

Rückkehr auf den Wachstumspfad

Dr. Ralph Kudla, Partner bei CMP, ist seit einer Woche auch Geschäftsführer von Bavaria Yachtbau und folgt damit auf Dr. Tobias Brinkmann. Seine Aufgabe als Chief Restructuring Officer (CRO) sowie Verantwortlichkeit für Personal, Recht, Einkauf und die Beteiligung Bavaria Catamarans in Frankreich skizziert er so: „Um nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen, braucht es ein Höchstmaß an Erfahrung in Veränderungsprozessen und Konsequenz im operativen Handeln. Für die Realisierung der Maßnahmen zur Neuausrichtung des Unternehmens stellt CMP über die von ihr beratenen Fonds daher nicht nur finanzielle Mittel bereit, sondern unterstützt bei Bedarf das Management vor Ort. Stabilisierung, Weiterentwicklung und Rückkehr auf den Wachstumspfad sind Kernthemen der Restrukturierung. Darüber hinaus gilt es, die zukünftige Modellpalette festzulegen. Das stellt die größte Herausforderung dar, und wir werden uns hierfür sicher ein gutes halbes Jahr Zeit nehmen, um erste Entscheidungen zu treffen und Impulse zu setzen.“

 

Bavaria Catamarans wird wieder Nautitech

Die französische Beteiligung „Bavaria Catamarans“ wird künftig wieder unter ihrem bewährten Markennamen „Nautitech“ auftreten und vermarktet. Dr. Ralph Kudla weiß: „Bavaria steht für Yachten, Nautitech für Katamarane. Es ist uns wichtig, dass beide Unternehmen ihre jeweilige Identität in Zukunft noch stärker herausstellen können. Fachlich werden beide eng zusammenarbeiten und die Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich lebendig ausbauen.“

 

Auf die Kunden hören

Dr. Ralph Kudla blickt voraus: „Wir wollen verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen: Versprechen und Liefertermine von Bavaria wollen wir einhalten, die Qualität soll wieder besser werden. Und wir wollen unsere Händler enger in die Strategie- und Produktentwicklung einbeziehen. Hierzu wird unter anderem ein Händler-Beirat eingeführt. So werden wir Kunden-Feedback hören, aufgreifen und möglichst schnell in Verbesserungen am Produkt umsetzen.“

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