Offshore-WM: „Immac“ holt zweites deutsches Silber

Nach der "Outsider" (Hansen/Kiel) holte auch die "Immac Fram" (Mareys/Dänischenhagen) Silber für die deutsche Offshore-Flotte.

Die deutsche Flotte kehrt mit zwei Silbermedaillen von der Offshore-WM aus den Niederlanden zurück. Nachdem sich die „Outsider“ (Tilmar Hansen)/Kiel) bereits vor der abschließenden Wettfahrt die Vize-Weltmeisterschaft in der Klasse A gesichert hatte, legte die „Immac Fram“ (Kai Mares/Dänischenhagen) in der Klasse C nach. Mit einem dritten Platz im letzten Rennen rutsche sie vom dritten auf den zweiten Platz vor.

Voraussetzung war allerdings ein dem Segelsport vorbehaltener Schachzug: Die Niederländer um Eigner Gideon Messink segelten als Zweite nicht auf Sieg, sondern nur mit dem Ziel, die Führenden im letzten Rennen nach hinten zu segeln. Mit ihrer „J Lance 12“ (J-112E) mussten die Niederländer dafür sorgen, dass die Führenden aus Schweden mit deren „Pro4u“ nicht besser als auf Platz 17 abschlossen. Mit der schnelleren J wurde der Konkurrent brutal nach hinten gesegelt. Schlag für Schlag, Wende für Wende ging es nur darum, die „Pro4u“ ans Ende des Feldes zu treiben. Und das gelang. 42 Punkte für die „J Lance 12“, die diese Platzierung strich, und 38.5 Punkte für die „Pro4u“, die auch diesen Platz strich, ergaben den Gesamtsieg für die Niederländer vor der „Immac Fram“ und den Schweden, die den 24. Platz aus dem vorletzten Rennen nun in die Wertung nehmen mussten.

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„Wir konnten frei segeln und haben mehr erreicht, als wir zu träumen gewagt hatten“, so Kai Mares strahlend. Die Crew um den Dänischenhagener Skipper war mit dem Ziel, einen Top-Ten-Platz zu erreichen, nach Den Haag gereist, Silber kam dabei heraus. „Mehr als Top-Ten kannst Du aber bei diesem Top-Feld nicht anpeilen. Und mit 49 Teilnehmern war die Klasse ja auch gut besetzt“, so Mares. In der Klasse C starteten 49 Yachten aus zehn Nationen.

Für die Schweden blieb Rang drei. Doch die Profis der „pro4u“ nahmen es sportlich. Diese Variante des Segelsports gehört zum Regelwerk. Und sie hatten es schon einmal selbst angewendet, als sie die „Patent“ (Jürgen Klinghardt/Bremen) einst vor Kiel nach hinten gesegelt hatten. Das ist erlaubt und regelkonform und wird von Profis akzeptiert.

Auf Platz acht kämpfte sich die „Onespirit“ (Gordon Nickel/Kiel) vor. Nach der verpatzten, nicht streichbaren Langstrecke und Rang 61 war die WM eigentlich schon gelaufen. Mit den Plätzen 5,6,3,2 und 5.5 zeigte die Nachwuchscrew dann aber, was in ihr steckt. Die Wahl, bei der Langstrecke nicht unter Land, sondern weit hinaus zu segeln, verhinderte ein besseres Abschneiden. Die beiden deutschen Crews, gleichzeitig Trainingspartner, werden im September in Flensburg zur Internationalen Deutschen Seesegel-Meisterschaft wieder aufeinandertreffen.

Den WM-Titel in Klasse A (neun Yachten aus fünf Nationen) sicherte sich die „Beau Geste“ (Karl Kwonk/HKG) vor der „Outsider“ (Tilmar Hansen/Kiel). Schon vor der abschließenden Wettfahrt war diese Entscheidung gefallen. Mit einer lupenreinen Serie von ausschließlich ersten Plätzen (allein im 5. Inshore-Rennen war die „Beau Geste“ punktgleich mit der „Outsider“) ging der Titel nach Hongkong.

„Es war eine spannende Woche, und wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden“, freute sich Eigner Kwok. Für den erfahrenen Offshoresegler, der bereits 1995 beim Admirals’s Cup gestartet war, war dies die erste Weltmeisterschaft. „Die Outsider hat uns gepuscht und großartige Rennen geliefert“, zollte Kwok dem Kieler Konkurrenten Lob, dessen zweiter Platz bereits vor dem abschließenden Rennen feststand. Kwok vertrat einst Asien im Weltverband und ist mit der Idee, die beiden Vermessungsformeln ORC und IRC in einer WM zu vereinen, vertraut. „Es scheint für unser Schiff gut zu laufen“, so Kwok, der zur Abschlussregatta nicht mehr antrat.

„Wir sind froh, wieder im Spiel zu sein“, so Tilmar Hansen. Mit verschiedenen Yachten war der Kieler seit des Admiral’s Cups 1980 im Seesegeln aktiv. „Wir genießen mit unserem Canting-Kielboot die Offshore-Wettfahrten, aber wir haben fast immer für uns allein gesegelt und dementsprechend etwas Rost angesetzt“, so Hansen, der sich über die Konkurrenz mit der „Beau Geste“ freute. „Der Vergleich treibt uns an, schüttelt den Rost ab und hilft uns, von Tag zu Tag besser zu werden“, so der Kieler, der sich auf weitere Regatten mit dieser Konkurrenz freut und mit Silber nach Haus fährt. Auf Platz  sieben landete die „Xenia“ (Ralf Lässig/Wulsdorf)) und auf Platz acht die „Tutima“ (Kirsten Harmstorf-Schönwitz/Hamburg).

In der Klasse B beendete die „Halbtrocken“ (Michael Berghorn/Kiel) als beste deutsche Yacht die WM auf Platz fünf. Die mittlere Klasse entwickelte sich in den Niederlanden zu einer Landmark 43-Meisterschaft, die die „Santa“ von Claus Landmark beherrschte. Sein norwegischer Landsmann Torkjel Valland wurde mit seiner „White Shadow“ Vizeweltmeister vor dem Esten Tiit Vihul (X-41mod).

Die Amateurwertung gewann in der Klasse A Ralf Lässig mit seiner „Xenia“ (XP-44/Wulsdorf), in der Klasse B Frans Rodenburg mit seiner „Elke“ (First 40/NED) und in der Klasse C die „Pro4U” (First 36,7 MOD/SWE).

Zufrieden zeigten sich die Offiziellen des ORC und RORC mit der Zusammenführung der beiden Vermessungsformeln. „Wir arbeiten seit Jahren daran, die beiden Formel ORC und IRC zusammenzuführen. Dies war ein imponierender erster Schritt“,  so Bruno Finzi, ORC-Chairman. „Vor rund zehn Jahren haben wir uns in Hamburg getroffen und darüber diskutiert, wie wir die Regeln und die Yachten zusammenführen können. Es geht voran“, ergänzte Andrew McIrvined (RORC).

Die nächste gemeinsame Offshore Weltmeisterschaft ist vom 1. bis 8. Juni 2019 in Sibenik (Kroatien) geplant.

Alle Ergebnisse unter: www.manage2sail.com/en-US/event/OSW2018#!/results.

 

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