Robert Redford über “All is lost”

Der Film "All is Lost", in dem Robert Redford einen ums Überleben kämpfenden Einhandsegler spielt, lockt nicht nur Segler ins Kino. wir sprachen mit Redford und Regisseur J.C. Chandor

Mr. Redford, wie verloren fühlten Sie sich auf dem knapp zwölf Meter langen Segelschiff nun wirklich?

Robert Redford: Ziemlich! Denn ich habe keinerlei Segelerfahrungen und musste mich auf das verlassen, was mir J.C. Chandor vorgab. Er war der Kapitän des Ganzen und gut vorbereitet. Ich musste nur noch seine Befehle befolgen.

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Können Sie dem Segeln überhaupt etwas abgewinnen?
RR: Nicht wirklich, und schon gar nicht mehr nach dem, was mir hier im Film passiert. Nicht, dass ich Angst vor Wasser hätte. Als Kind bin ich viel gesurft, später habe ich an Schwimmwettbewerben teilgenommen und fuhr Wasserski. Klar war ich schon mal auf einer Yacht, aber ich bin nie darauf gekommen, selbst zu segeln. Auch wenn ich während des Drehs viel darüber gelernt habe und ich großen Respekt dafür gewonnen habe, ist J.C. gewiss sehr viel erfahrener als ich.

J.C. Chandor: Meine Eltern sind auch noch mit Mitte 70 begeisterte Segler. Insofern bin ich damit groß geworden und war auch als Teenager davon sehr besessen. Heute segle ich nur noch selten, aber ich liebe noch immer Filme, die von Überle- benskämpfen handeln. Die Idee zu „All Is Lost“ bekam ich in einem Zug, der an einer Küste entlangfuhr, wo abertausende von Yachten ankerten. Mir kam der Gedanke, dass sie meist als Prestigeobjekte gehalten werden, aber was würde passieren, wenn man allein auf einer Yacht tatsächlich den Naturgewalten ausgesetzt wäre?

Wie realitätsnah ist die Katastrophe in „All Is Lost“?
JCC: Alles, was Robert im Film passiert, kann so auch in Wirklichkeit geschehen. Selbst wie sich das Boot im Sturm überschlägt, liegt im Bereich des Möglichen.
Im Normalfall würde man jedoch nicht unbedingt allein durch den Indischen Ozean segeln, und mit heutiger Technik und nötiger Aufmerksamkeit könnte man jeden Sturm umgehen und nicht direkt darauf zu steuern. Aber mir kam es darauf an, einen gut situierten Mann zu zeigen, der mehr und mehr verliert, bis es nur noch um das eigene Leben geht.

Wer von Ihnen schwebte tatsächlich schon einmal in Lebensgefahr?
RR: Da gab es einige Erlebnisse, die ich jetzt nicht alle erzählen kann. Aber ich erinnere mich an einen Flug von Santa Fe nach New Mexiko mit meiner Frau. Es war ein kleiner Jet, als um 22.00 Uhr plötzlich beide Triebwerke ausfielen. Neun Minuten lang war kein Geräusch zu hören, kein Licht brannte mehr, und wir stürzten von 12.000 auf 5.000 Meter in die Tiefe. Diese neun Minuten kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Es war genug Zeit, um sich mit dem eigenen Ende auseinanderzusetzen.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

RR: Indem ich mir Hoffnung machte, dass ich das überleben werde, um dann mal einen Film wie diesen hier zu drehen (lacht).

Der Sie auch körperlich ziemlich herausgefordert hat. Mit 77 fällt es vielen Menschen schon schwer, eine Yacht in den Griff zu kriegen…

RR: Anfangs war ich mir wirklich nicht sicher, ob ich das packen würde. Als ich mich erstmals mit J.C. traf, versprach ich, alles zu geben, was ich kann. Das war ich ihm als Schauspieler schuldig, auch wenn ich nicht mehr der Jüngste bin. Tatsächlich war es ein äußerst intensiver Dreh, aber ich wusste ja, worauf ich mich einlasse.

JCC: Robert hat uns letztendlich viel mehr gegeben als ich dachte. Was gewiss auch daran lag, dass am Set ein gutes Klima herrschte. Erst beim Drehen des dritten Aktes spürten alle auch die physische Anstrengung, was aber dem Film durchaus zu Gute kam. Man sieht es in Roberts Gesicht, wie fertig er eigentlich war.

Was war so anstrengend?

JCC: Es ist vor allem das Wasser, das unkontrollierbar ist, dem du permanent ausgesetzt bist. Immer wieder nass zu werden, bis dir die Feuchtigkeit bis in die Knochen kraucht, kann dich kann schön zermürben und mit der Zeit sogar deprimieren.

Wie oft mussten Sie aufs offene Meer?

RR: Um ehrlich zu sein, drehten wir die meisten Szenen in dem Wassertank, den James Cameron einst für „Titanic“ bauen ließ. Er ist bis zu sieben Metern tief, und wenn man mittendrin ist und plötzlich alle Wind- und Regenmaschinen gleichzeitig angehen, ist das wirklich wie in einem echten Sturm. Da gibt es keinen Zweifel!

Warum setzt man sich so etwas aus, wenn man eigentlich gar nicht muss – schon gar nicht als Filmlegende?

RR: Mich reizte der Film vor allem wegen seines puren Erfahrungswertes. Er braucht keine Dialoge, keine Filmtricks, kein 3D, und ist trotzdem wahnsinnig spannend. Selbst für mich, der schon lange im Filmgeschäft ist, war das eine völlig neue Herausforderung. Wenn selbst die Sprache und die Spezialeffekte weggenommen werden, führt das den Zuschauer unausweichlich zu meiner Figur und ist fast hautnah mit ihr verbunden. Genau das macht „All Is Lost“ zu einem wirklich einmaligen Kinoerlebnis.

 

Interview: Markus Tschiedert

2 Comments

  1. Normalerweise liebe ich keine Actionfilme, jedoch schaue ich mir gerne
    Filme an, die tatsächlich so wie All is Lost auf hoher See passieren könnten.
    Ich denke jedoch, dass mit einem relativ kleinen Segelboot niemals jemand
    alleine eine solche Excursion auf dem Meer unternehmen sollte.
    Was den nicht erfahrenen RR, lt. Interview das Segeln betrifft, bin ich doch
    Überrascht, dachte mir, dass er dies trotz seines Alters beherrscht. Da sieht
    man wieder, was einen guten Schauspieler ausmacht.
    Dieser Film wirkte sehr echt und war aüsserst spannend. Bravo!!

  2. Der Film erinnerte mich sehr an meine eigene Katastrophe am 26. September 1975 im Skagerrak, wo wir mit einer hözernen Piratjolle in der Gegend von Marstrand unterwegs waren. Ich war Teil des von meinem “Studienfreund” geplanten erweiterem Suizit. Er war ein richtiges Genie und ich wollte kein Feigling vor einer Sturmfahrt sein obwohl ich wußte, dass das Boot einen defekten Auftriebskörper hatte. Das Boot kenterte mehrmals. Der Freund war tatenlos und hatte vorher, nachdem ich vorm Auslaufen selbst alles überprüft hatte, danach unbemerkt alle Rettungsmittel sabotiert. Nach dreieinhalb Stunden in 13 Grad kaltem Wasser, bei Windstärke 13 wurden wir zufällig von einem schwedischen Kriegsschiff abends um 18:00 Uhr gesichtet und gerettet. Es war der Göteburger Zeitung eine halbe Seite Bericht mit Foto wert. Drei einheimische Fischerboote aber blieben am gleichen Tag verschollen. Ein halbes Jahr später hat der Freund sein Vorhaben dann doch noch vollendet. Ich segle immer noch, aber mit dem Respekt vor der Natur, dem Wissen um die Folgen von Leichtsinn und mit der Verantwortung für mich und meine Begleiter. Der damalige Blick ins Jenseits bleibt mir für immer in den Knochen und lässt mich einige Ungereimtheiten des Films verzeihen. Er ist großartig sollte aber niemanden von dem einmaligen Erlebnis des Segelns abhalten. Solche Katastrophen sind doch nicht die Regel.

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