Schiffbruch einer X-442 in Portugal: 2 Tote

Zwei Personen starben, als die X-442 Meri Tuuli der Hamburger Segelschule Well-Sailing am späten Nachmittag des 10. April beim Versuch, den Hafen von Figuiera da Foz in Portugal anzulaufen, Schiffbruch erlitt.

Bei den Opfern handelt es sich laut portugiesischen Medienberichten um ein 47-jähriges Mitglied der fünfköpfigen Crew und um einen Beamten der portugiesischen Wasserschutzpolizei, die den Seglern mit einem Boot zur Hilfe eilte. Beide starben durch Ertrinken. Zur Identität der Opfer ist noch nichts bekannt. Als die Retter sich dem Boot näherten, trieb dies laut portugiesischen Medien entmastet und führungslos auf den Strand von Cabedelo zu. Zwei Crewmitglieder waren im Wasser, die anderen an Bord der Yacht. Nachdem die Wasserschutzpolizei die zwei Personen an Bord genommen hatte, wurde ihr Schlauchboot von einer Welle erfasst und umgeworfen. Eine Person soll an Land reanimiert worden sein.

“Es war eine hochriskante Rettungsaktion in der Brandungszone”, zitiert das oben genannte Online-Portal den Kapitän des Rettungsbootes, Rui Cebolas Amado; “die Wellen waren fünf Meter hoch”.

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Zum Hergang des Unglückes ist noch nichts Offizielles bekannt, doch ein Video des portugiesischen Fernsehens vermittelt ein Bild der Witterungsverhältnisse, die zum Unglückszeitpunkt herrschten. Figueira da Foz gilt als schwer anzulaufender Hafen bei auflandigem Wind und Ebbstrom. Noonsite weist darauf hin, dass dieser Hafen besser bei auflaufendem Wasser angelaufen werden sollte.

Well Sailing ist eine sehr renommierte Segelschule, Inhaber Richard Jeske, mit dem wir als segeln-Redaktion gerne und viel zusammenarbeiten, hat sich vor allem in Sicherheits-Diskussionen immer wieder hervorgetan. Seine Schiffe gelten als ausgezeichnet gewartet und ausgerüstet.

Mittlerweile gibt es eine offizielle Pressemitteilung von Well Sailing, die wir hier veröffentlichen:

Die WELL SAILING und Norddtörn Geschäftsführung und alle Mitarbeiter trauern um ein Crew Mitglied ihres Schulbootes Meri Tuuli und einen portugiesischen Polizisten aus der Rettungsmannschaft.
Am Nachmittag des 10.04. geriet die Segelyacht Meri Tuuli (13,50 Meter lang, Typ X-442) bei vier bis fünf Windstärken aus Südwest während der Ansteuerung des Hafens Figueira da Foz in eine überraschend auftretende Welle und kenterte. Alle fünf Crew-Mitglieder wurden dabei über Bord gespült. Alle Segler trugen Rettungswesten. Dem Skipper gelang es, an Bord zurückzukommen. Per Seenot-Rakete rief er Hilfe herbei. Zwei portugiesische Rettungboote liefen sofort aus. Gemeinsam organisierten der Skipper und die zur Hilfe geeilten Rettungsboote die Bergungsaktion der Crew.
Nachdem alle Crew-Mitglieder gerettet worden waren, bereitete der Skipper eine Schleppverbindung für die Meri Tuuli vor.
In dem Moment kenterte aufgrund einer erneut auftretenden besonders hohen Welle eines der Rettungsboote. Das Herstellen der Schleppverbindung wurde sofort unterbrochen, um dem gekenterten Rettungsboot und der über Bord gegangenen Crew zur Hilfe zu eilen.
Diese Kenterung des Rettungsbootes haben ein portugiesischer Polizist und eines unserer Crew-Mitglieder nicht überlebt. Ein Crew-Mitglied ist verletzt und außer Lebensgefahr und wird zur Zeit noch in Portugal im Krankenhaus behandelt.
Unser verantwortlicher Skipper ist ein langjähriger, erfahrener, sicherheitsbewusster Mitarbeiter und Kollege. Er verfügt über deutlich mehr Qualifikationen als die für eine derartige gewerblich betriebene Yacht erforderlichen Führerscheine. Die Segelyacht ist selbstverständlich nach den Maßgaben der zuständigen BG Verkehr zugelassen und übervorschriftsmässig sicherheitstechnisch ausgerüstet für weltweite Fahrt.
Häfen an der portugiesischen Westküste gelten generell als schwierig anzulaufen. Dem Skipper war diese Situation bekannt, die herrschenden Bedingungen ließen aber nach Abwägung aller bekannten Umstände seiner Meinung nach ein Einlaufen zu. Die Yacht war auf dem Weg von Lissabon nach Porto, mit Figueira da Foz als Etappenhafen. In Porto sollte ein Crewwechsel stattfinden.
Der Unfall wird z.Zt. von den zuständigen Behörden untersucht und wir sichern ihnen selbstverständlich alle Unterstützung zu, die nötig ist, um zu einer abschließenden Beurteilung des Unglücks zu kommen.
Parallel dazu betreiben wir auch unsere eigene Untersuchung und werden die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit über das Ergebnis informieren.
Den Angehörigen unseres Crew-Mitglieds sowie den Angehörigen und Kollegen des ertrunkenen Polizisten gilt unser volles Mitgefühl. Wir sind geschockt, fassungslos und voller Trauer.
Für die Nordtörn – Well-Sailing GbR
Richard Jeske, Thomas Dühren.

 

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