Schiffahrtsregatta im Sommer-Look

Schöner kann Segeln auf der spätsommerlichen Ostsee kaum sein. Früh am Morgen des 24. August versammelten sich 106 Yachten im Startgebiet vor der Schleimündung zur 37. Schiffahrtsregatta, dem Treffpunkt der Schifffahrtsbranche unter Segeln. Von der 65 Fuß großen Rennyacht „Milan“ über die Gewinneryacht des Volvo Ocean Race 2002 „Illbruck“ bis zu den wunderschönen Klassikern „Senta“, „Athena“, „Fleur de Mer“ und „Peter von Seestermühe“ sowie zahlreichen Cruiser Racern waren verschiedenste Schiffstypen dabei.

Bei leichten Winden fiel der erste Startschuss, wie immer stilecht von dem historischen dänischen Marinekreuzer „Lyra“ abgegeben. Bei strahlendem Sonnenschein machten sich die Yachten mit Code Zero oder großer Genua auf den Weg zur ersten Tonne. Allerdings schlief im Laufe des Tages der Wind immer mehr ein, so dass die Wettfahrtleitung entschied, die Bahn zu verkürzen. Doch während die großen Yachten bei immer schwächer werdenden Winden noch ins Ziel kamen, schafften 42 Schiffe der Flotte das auf 16.30 Uhr angesetzte Zeitlimit nicht mehr. Unter Motor ging es ins hyggelige Ærøskøbing, wo jede der eintreffenden Yachten in der Hafeneinfahrt mit dem Geläut einer großen Schiffsglocke begrüßt wurde. Im Hafen dicht nebeneinander liegend wurden alle Schiffe mit den Flaggen der Regatta und denen der teilnehmenden Firmen über die Toppen geflaggt.

Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote segelte auf der „Fleur de Mer“ die Schiffahrtsregatta mit. Foto: Hinrich Franck

Nach dem traditionellen Spaziergang durch den pittoresken kleinen Ort, angeführt von dem örtlichen Spielmannszug, versammelten sich alle Segler im eigens aufgebauten Festzelt am Hafen zur feierlichen Abendveranstaltung. Dieter Gast, Geschäftsführer von Peter Gast Shipping, betonte in seiner Begrüßungsrede die Notwendigkeit des Miteinanders der maritimen Branche in einem schwierigen Marktumfeld. Die angespannte Sicherheitslage vor der Küste des Iran, die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China und weitere Umweltschutzbestimmungen nannte er als aktuell größte Herausforderungen für die Schifffahrt. „Ich freue mich, dass wieder so viele internationale Gäste an der Regatta teilnehmen und unsere deutschen Teilnehmer ihre internationalen Partner eingeladen haben“, sagte er. „Nutzt alle diese Veranstaltung um miteinander zu sprechen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsam den maritimen Wirtschaftssektor weiter zu stärken.“

Für große Begeisterung sorgte der rund 15-minütige Film von AquaTV über die Regatta, der mit wunderschönen Aufnahmen, zahlreichen Zitaten bekannter Teilnehmer des Rennens und der Organisatoren und einigen humorvollen Bildsequenzen für beste Stimmung bei allen Zuschauern sorgte. Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote nahm zum ersten Mal an der Traditionsveranstaltung teil und segelte auf der „Fleur de Mer“ von Jens Ruppert zusammen mit dem im Frühjahr neu gewählten NRV-Vorsitzenden Tobias König. Andy Grote betonte in seiner Rede den starken Zusammenhalt der Schifffahrtsbranche über Stadt- und Landesgrenze hinweg und lobte das gemeinsame Segeln und zusammen Sporttreiben als gemeinschafts- und identitätsstiftend. Marcus Boehlich (SVAOe), für seine faire Durchführung von Regatten, aber auch seine verbale Spitzfindigkeit berühmt, wurde nach 25 Jahren im Wettfahrt-Organisationsteam der Regatta mit großem Applaus verabschiedet und bekam von Christian und Dieter Gast ein Messing-Barometer als Dank für seinen Einsatz geschenkt.

Ein weiteres Highlight des Abends war der Vortrag von Profisegler Robert Stanjek, Skipper des Offshore Team Germany. Mit packenden Bildern von diesjährigen Rolex Fastnet Race gab er den Zuhörern einen spannenden Einblick in das Hochseesegeln auf einem Imoca 60. Mit diesen Schiffen, die dafür konzipiert sind, am ‚The Ocean Race‘, dem Nachfolger des Volvo Ocean Race, teilzunehmen, plant das Offshore Team Germany zum ersten Mal nach fast zwanzig Jahren wieder eine Yacht unter deutscher Flagge an die Startlinie zu bringen. „Wir wollen mit deutschen Talenten an der Seite von internationalen Profis an dem Rennen teilnehmen“, sagte Robert Stanjek. „Wir freuen uns über die Begeisterung, die wir überall, wo wir unser Projekt vorstellen, erfahren und hoffen auf ganz viel Support für unsere Kampagne, die unter dem Motto #made in Germany steht.“

Dieter Gast (links) freute sich, mit Robert Stanjek einen spannenden Vortragenden eingeladen zu haben. Foto: Hinrich Franck

Zum Abschluss der Preisverteilung kündigte Dr. Karsten Liebing (Geschäftsführer der Hammonia Reederei), zusammen mit Karsten Fach (Marine Service GmbH) an, dass es für die schnellste klassische Yacht einen neuen Preis geben wird. Dieser „Peter Gast Gedächtnis Preis“ ehrt den Mitbegründer und langjährigen Organisator der Regatta, der die Veranstaltung, die als Wettfahrt zwischen einigen Schifffahrtskaufleuten begann, in den vergangenen Jahrzehnten zu einem bedeutenden Network-Event der maritimen Branchen ausbaute.

Die traditionsreiche Schiffahrtsregatta, die größte privat organisierte Regatta in Deutschland, wird unter anderem von Besiktas Shipyard, BMW Niederlassung Hamburg, dem deutsch-norwegischen Schiffsklassifzierer DNV GL, Oldendorff Carriers, der Hamburger Sparkasse, der Berenberg Bank, SKF und SKF Marine, VHT, Brand Marine Consultants, Bosch Rexroth und der KPMG sowie der chinesischen Werft Zhoushan IMC-YY Shipyard & Engineering unterstützt.

Die Durchführung der Regatta wurde von den Wettfahrtteams der drei Vereine Kieler Yacht Club (KYC), Norddeutscher Regatta Verein (NRV) und Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne (SVAOe) geleistet.

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