Spannung pur: Start der Route du Rhum

Die Soloregatta Route du Rhum von Saint Malo nach Guadeloupe ist für die Hochseeprofis der Höhepunkt dieses Jahres. Neben den beeindruckend großen fünf Ultime-Trimaranen sorgten vor allem die 20 Imocas für Bewunderung bei den rund zwei Millionen Besuchern zum Start in Saint Malo.

Zwei Deutsche sind im Feld der 123 startenden Yachten dabei: Auf dem foilenden Imoca 60 „Malizia“ nimmt Boris Herrmann zum ersten Mal an einem Einhandrennen über den Atlantik teil. In der mit über 50 Teilnehmern stark besetzten Class 40 Flotte ist der Hamburger Corinthian Arnt Bruhns dabei.

Die Aufregung im Hafen von Saint Malo brandete in den letzten Tagen vor dem Start hoch. Dicht gedrängt schoben sich Besucher über die Hafenanlagen der historischen Stadt. Stände der großen Syndikate boten den Zuschauern ein tolles Unterhaltungsprogramm. Während man bei Versicherer Macif, Hauptsponsor von Frankreichs Segel-Superstar Francois Gabart, in Virtual Reality das Segeln auf einem Riesen-Tri nachempfinden konnte, schickte Fleischproduzent Charal die Schaulustigen auf einer 80 Meter langen Zipline über den Hafen. Banque Populaire verteilte 3D-Modelle zum Selberbauen des von Armel Le Cléac’h gesteuerten Trimarans.

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Die Ultimes nährten die Erwartung, dass bei optimalen Bedingungen der Streckenrekord auf der über 3.500 Meilen langen fallen könnte. Doch genau diese Giganten meldeten schon innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Start Probleme technischer Art: Armel Le Cléac’h musste einen Pitstop wegen Pannen bei der Energieversorgung einlegen, Sebastian Josse meldete auf „Maxi Edmond de Rothschild” einen Bruch am Steuerbordrumpf. Es folgten die Meldungen von Problemen an Bord der „Sodebo Ultime“ und der mit extremen Foils ausgestatteten Imoca 60 „Charal“. Nach den Rennregularien ist es möglich, einen technischen Stopp einzulegen und das Rennen anschließend fortzusetzen.

Boris Herrmann, Skipper der „Malizia“, hatte nach dem Start mit Problemen am Masttop zu kämpfen, konnte sich aber auf See allein helfen. Das Rennen über den Atlantik mit dem foilenden Imoca 60 ist die erste große Solo-Regatta des deutschen Hochseeprofis, der eine Teilnahme an der Vendée Globe 2020 plant. Die Nervosität vor der großen Bewährungsprobe war ihm vor dem Start deutlich anzumerken. Zu seinen Konkurrenten zählen unter anderem der britischen Segel-Popstar Alex Thomson auf „Hugo Boss“, die Deutsch-Französin Isabelle Joschke auf „Monin“ und Vendée Globe-Bezwingerin Samantha Davies.

Skipper Arnt Bruhns, der auf der Class 40 „Iskareen“ an den Start geht, bezeichnet seine Teilnahme ehrfurchtsvoll als „once in a lifetime“. Erfahrung hat der Hamburger indes reichlich: Nach dem Abitur segelte er mit der „Schlüssel von Bremen“ 1989/90 im Rahmen des Whitbread Round The World Race um die Welt, nahm bisher an zahlreichen Offshore-Regatten teil. „Inzwischen bin ich neunmal über den Atlantik gesegelt, davon achtmal unter Rennbedingungen“, sagt er. „Mich reizte die Herausforderung, ein Rennen komplett allein zu bestreiten.“ Als Qualifikation für das Rennen segelte er über 1.400 Meilen allein durch die Karibik, bevor er mit Crew an der Zubringerregatta zum Atlantik Anniversary Race von Antigua nach Bermuda teilnahm. „Ich habe großen Respekt vor dem Rennen, vor allem die ersten Nächte auf See durch die Biskaya werden hart“, sagt er. „Die gesamte Flotte beobachtet sehr aufmerksam die Ausläufer des Hurrikans Oskar.“

Bis zum Start wurde Bruhns von seinem Bruder Sönke und der Crew der „Iskareen“ unterstützt. Zum Abschied gab es neben guten Wünschen einen zusätzlichen Lifebelt, seine Schwägerin Christiane schenkte eine Boxershorts – falls er auf See doch einmal die Hosen voll hat. „Wenn ich noch in einem Stück bin, nachdem das erste Tief über uns hinweggerauscht ist, beginne ich das Rennen zu genießen“, sagte Bruhns. „Mein Ziel ist es anzukommen. Wenn es das Wetter gebietet, werde ich auch einige Meilen nur unter Sturmfock abwettern.“

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